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BERLINALE REVIEW: "Der menschliche Faktor" (Panorama)

Regisseur und Drehbuchautor Ronny Trocker stellt ein Drama mit Anleihen beim Thriller vor, in dem er das Beziehungsgeflecht in einer Familie ungemein präzise seziert. Sein Ensemble glänzt mit Bravourleistungen. Hier unsere Besprechung.

05.03.2021 20:25 • von Heike Angermaier
(K)eine Bilderbuchfamilie in "Der menschliche Faktor" (Bild: Zischlermann Filmproduktion/Klemens Hufnagel)

Regisseur und Drehbuchautor Ronny Trocker stellt im Panorama ein Drama mit Anleihen beim Thriller vor, in dem er das Beziehungsgeflecht in einer Familie ungemein präzise seziert.

Nach seinem Debüt "Die Einsiedler" steht auch in Der menschliche Faktor", dem zweiten Film des Regisseurs und Drehbuchautors Ronny Trocker, eine Familie im Zentrum. Auf dem ersten Blick ist es eine nahezu perfekte, moderne, zweisprachige Familie, mit Eltern, die beide in der eigenen Werbeagentur arbeiten, und zwei smarten Kindern, die in einer coolen Großstadt-Wohnung leben. Allmählich scheinen Risse im Idyll auf.

Ein Einbruch in die belgische Ferienwohnung am Meer, die alle in Panik versetzt, baut ein Bedrohungsszenario auf und sorgt dafür, dass unterdrückte Gefühle ausbrechen. Der Kniff, den Einbruch und was kurz davor und danach passiert, in Rückblenden aus den verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder zu erzählen, ermöglicht Trocker immer mehr Facetten der Psychologie und Gefühlslage der Figuren und in ihren Beziehungen untereinander sowie auch das soziale Umfeld herauszuarbeiten. Wie in einem Krimi werden falsche Fährten gelegt, gibt es Überraschungen. Auch politische Aktivisten könnten hinter dem Einbruch stecken.

Trockers mit unterschwelliger Spannung leicht unterkühlt erzähltes Drama lebt auch von den klaren Bildern von Kameramann Klemens Hufnagl, dem starken Sounddesign und den Bravourleistungen des Ensembles allen voran Mark Waschke und Sabine Timoteo als Eltern, die jede Nuance zwischen leisem Zweifel oder explodierender Wut absolut glaubhaft spielen. Und auch Jule Hermann und Wanja Valentin Kube können überzeugen in diesem feinen Beitrag im Panorama der Berlinale und im internationalen Wettbewerb des Sundance Filmfestival.

Heike Angermaier