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BERLINALE REVIEW "Ballad of a White Cow" (Wettbewerb)

Nach Mohammad Rassoulofs Bärengewinner "Doch das Böse gibt es nicht" 2020 ist auch in diesem Jahr wieder ein starkes Drama, das die Todesstrafe, das Justizsystem im Iran anprangert, im Wettbewerb. Das Duo Behtash Sanaeeha und Maryam Moghadam liefert eine tolle Leistung.

04.03.2021 15:17 • von Heike Angermaier
"Ballad of a White Cow" (Bild: Amin Jafari)

Nach Mohammad Rasoulofs "Doch das Böse gibt es nicht", der 2020 den Goldenen Bären gewann, ist auch in diesem Jahr wieder ein starkes Drama, das die Todesstrafe, das Justizsystem im Iran anprangert, im Wettbewerb. "Ballad of a White Cow" ist der erste gemeinsame Auftritt des Duos Behtash Sanaeeha und Maryam Moghadam beim Festival. Moghadam war als Schauspielerin mit "Pardé" bereits vor Ort und übernahm auch in "Ballad of a White Cow" die Hauptrolle.

Sie spielt Mina, eine Witwe, deren Mann exekutiert wurde, die sich alleine um ihre gehörlose Tochter kümmert und in einer Milchfabrik arbeitet. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes wird ihr eröffnet, dass ihr Mann unschuldig war. Sie würde Blutgeld für ihn bekommen, es sei Gottes Wille gewesen. Mina will sich nicht damit abfinden, eine offizielle Entschuldigung erwirken. Da taucht ein Mann bei ihr auf, der sich als Freund ihres Mannes ausgibt, ihr Schulden zurückgeben will. Man ahnt, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Man folgt dennoch mit Spannung dem weiteren Weg der kämpferischen Frau, die aus der Wohnung geworfen wird und keine neue findet, weil Witwen, Haustierbesitzer und Junkies nicht als Mieter gewünscht werden. Und man folgt hoffnungsvoll der knospenden Freundschaft zwischen Mina und Reza. Auch trockener und herzlicher Humor hat vereinzelt seinen Platz.

Was wie ein politisches Drama beginnt, wird zunehmend auch ein persönliches, das manchmal zum Melodram ausschlägt, und eine Tragödie. Das Duo weiß ganz genau, was es tut, hat die Zügel fest in der Hand, sei es bei den filmischen oder theatralen Mitteln. Eine tolle Leistung! Die iranisch-französische Produktion erscheint einem allerdings fast zu glatt im Vergleich zum kantigeren "Doch das Böse gibt es nicht", was den Inhalt, den Unrechtsstaat betrifft, hinterlassen beide einen gleich bitteren Geschmack.

Heike Angermaier