Kino

Michael Lehmann: "Vieles wird sich verschieben"

Mit der Letterbox-Produktion "Ich bin dein Mensch" ist die Studio Hamburg Production Group auf der diesjährigen Berlinale vertreten. Willkommener Anlass, um mit SHPG-Chef Michael Lehmann über die vielfältigen Fiction-Aktivitäten des Unternehmens und die aktuellen Nöte der Produzenten zu sprechen. Lehmann erzählt auch, dass bei "Lindenberg" das letzte Lied noch nicht gesungen und bei "Bad Banks" das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

04.03.2021 14:13 • von Frank Heine
Michael Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Production Group (Bild: Stefan Malzkorn)

Die etwas andere Berlinale steht an und die SHPG ist im Wettbewerb vertreten mit "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader und Jan Schomburg. Wie ist die Gefühlsalge, Stolz und Freude oder Wehmut, dass es nur zu einem digitalen Auftritt kommt?

MICHAEL LEHMANN: Grundsätzlich empfinde ich erstmal große Freude. Wir befinden uns in einer Leistungsschau. Natürlich kommt auch Wehmut auf, aber das betrifft alle Preisverleihungen oder Veranstaltungen, die wir im vergangenen Jahr hatten und bei denen man gerne mit der Branche und dem eigenen Team gefeiert hätte. Aber es überwiegt die Freude über die öffentliche Wahrnehmung. Und diese Wahrnehmung hatten wir ja mit vielen ganz unterschiedlichen Projekten. Das zeigt, dass eine nachhaltige Substanz in unserer Firma steckt.

Ist das Positive an der diesjährigen Situation, dass im Wettbewerb der Fokus stärker auf dem deutschen Filmschaffen liegt?

MICHAEL LEHMANN: Das habe ich auch so wahrgenommen. Mit Blick nach Cannes oder Venedig sehen wir, dass es dort immer einen starken Fokus auf den heimischen Film gibt. Ich würde mich freuen, wenn sich eine solche Gewichtung auch in Zukunft bei uns einpendeln würde.

"Ich bin dein Mensch" avancierte vom ursprünglichen SWR-Fernsehfilm aus der Near-Future-Reihe der ARD zum Berlinale-Beitrag. Können Sie diesen Werdegang erläutern?

MICHAEL LEHMANN: Unsere Produzentin Lisa Blumenberg und Maria Schrader haben ein gutes Gespür und haben gemeinsam mit der SWR-Redaktion schon sehr früh in dem Stoff einen potentiellen Kinofilm gesehen. Noch während der Produktion wurde dieser neue Weg eingeschlagen. Das Schöne daran ist doch, dass wir in unserem Schaffen gar nicht immer austarieren können, was die richtige Auswertungsform ist. An erster Stelle steht, einen guten Film zu machen. Ich wage die These, dass sich durch die Pandemie vieles verschieben wird. Und das sage ich als jemand, dessen Herz ganz eindeutig beim Kino liegt. Aber der Druck auf die Auswertungs- und Herausbringungsformen wird so immens steigen. Das sehen wir ja schon in Amerika. Der Blick auf die Sperrfristen ist ein veralteter Blick. Ein Film kann eine Marke sein. Und eine Marke baut man nur auf, indem man sie peu à peu unterschiedlichen Menschengruppen auf unterschiedlichen Ausspielwegen zur Verfügung stellt. Die Sperrfristen müssen gegebenenfalls für jedes einzelne Projekt angepasst werden.

Interessanter Exkurs!

MICHAEL LEHMANN: Bei Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee" mussten wir jetzt zum dritten Mal das Startdatum verschieben. Wir führen die Diskussion, dass die Kinobetreiber ein Problem haben, ihr Geschäft auszuüben. Deren Schicksal geht mir wirklich ans Herz. Aber dahinter stehen auch Verleiher und Produzenten, die ins Risiko gegangen sind. Und mitnichten kann man davon ausgehen, dass ein Produzent mit der Produktion Geld verdient. Häufig investiert er, um später Rückflüsse zu generieren. Diese Diskussion rückt meistens ein wenig in den Hintergrund. Der wirtschaftliche Schaden durch die Schließung der Kinos ist auch für die Produzenten und Verleiher .immens. Wenn man einen Film zum vierten Mal verschiebt, ist das schon hart. Über das Leid der beteiligten Kreativen habe ich jetzt noch gar nicht angefangen zu reden.

Wie geht es für "Ich bin dein Mensch" nach der Berlinale weiter?

MICHAEL LEHMANN: Der Film bekommt im Verleih von Majestic ab Sommer eine reguläre Kinobespielung. Das gelingt ja nur, weil ein professioneller Verleiher, in diesem Fall Benjamin Herrmann, das künstlerische Gesamtprodukt über Visualität bis Besetzung so positiv bewertet und dem Film eine reelle Chance auf dem Markt einräumt und in die Herausbringung inverstieren wird.

Was macht den Film denn so besonders?

MICHAEL LEHMANN: Das sind mehrere Faktoren. Die Regieleistung von Maria Schrader in Kombination mit der produzentischen Leistung von Lisa Blumenberg. Wie fein das Thema zwischen Komödie und Drama austariert ist, wie gut der Film dann besetzt wurde. Und natürlich die Kameraführung. Wenn man den Film sieht, spürt man sofort, dass er aus der Masse herausragt.

Wie steht es um die weiteren Kinopläne der SHPG? Haben diese durch den Erfolg Ihres Udo-Lindenberg-Films Rückenwind bekommen?

MICHAEL LEHMANN: Natürlich wirkt das beflügelnd. Aber grundsätzlich ist es ja so, dass die Kinoprojekte eine Vorlaufzeit von fünf bis sieben Jahren haben. Deshalb sind die letzten zwölf Monate nicht ohne die vergangenen fünf Jahre denkbar. In den letzten Jahren hatte bis auf Lindenberg! Mach dein Ding" jeder unserer Kinofilme eine Premiere im Wettbewerb eines A-Festivals. Nachtzug nach Lissabon" auf der Berlinale, Simpel" in Shanghai, "Die Pfefferkörner" in Chicago, was für Kinderfilme als A-Festival gilt, Heil" in Karlovy Vary. Aus dieser Aufzählung kann man einerseits ablesen, wie unterschiedlich die Filme sind, aber auch, welche Qualität wir mit unseren Filmen erreichen wollen. Aus dieser filmischen Vergangenheit ergeben sich die Überlegungen für die Zukunft. Wir haben viele Projekte in den Bereichen Kinder, Komödie und Arthouse angeschoben, die auch peu à peu mit den richtigen Partnern zum richtigen Zeitpunkt realisiert werden. Der Kinderfilm hat es gerade besonders schwer. Da er ohne TV-Partner kaum die Chance auf das Schließen der Finanzierung hat und diese TV-Partner sind bekanntlich rar gesät. Wir denken darüber nach, einzelne Projekte nicht mehr ins Kino zu bringen, sondern mit anderen Partnern, z.B. Streamern, zu realisieren, weil die Finanzierungsmodule mittlerweile so kompliziert geworden sind. In diesem Jahr werden wir unter der Regie von Kilian Riedhof Last Song For Stella" (AT) mit einer nicht unerheblichen Budgethöhe von 8,5 Mio. Euro drehen. Und wir befinden uns in der Entwicklung eines zweiten Lindenberg-Films.

Blicken wir auf die Serien: Wie wichtig war Unorthodox", gerade auch mit seinem Aufschlag in den USA, für das Renommee Ihrer Firma? Ein Türöffner wie Bad Banks" oder ist es in diesem Fall nicht so ausgeprägt, weil die Serie vor allem mit Maria Schrader und Anna Winger in Verbindung gebracht wird?

MICHAEL LEHMANN: "Unorthodox" ist auch für uns ganz, ganz wichtig. Wir haben sehr lange am Erscheinungsbild unseres Hauses gearbeitet, damit man uns als Partner wahrnimmt und nicht als große Firma, die sich auf Projekte draufsetzt und dann alles erdrückt. Ich glaube, dass man als größeres Haus ansprechbar sein muss für unterschiedliche Projekte und unterschiedliche Rahmen, in denen Projekte entstehen. Ich finde es gut, wenn die Agenda von 100-Prozent-Projekten bis zu Projekten, bei denen wir mal Finanzierungspartner, mal durchführender Partner sind, reicht. Aus solchen Partnerschaften entwickelt sich immer wieder neues kreatives Potential. Ich bin beispielsweise sehr froh darüber, dass mich Karsten Stöter, der Produzent von "3 Tage in Quiberon", angesprochen hat, ob wir bei seinem nächsten Projekt War Sailor" eine Kopartnerschaft eingehen wollen. Es gehört zu den produzentischen Aufgaben, einem Projekt Luft unter die Flügel zu blasen. Wir werden sehr oft gefragt, ob wir in eine Kooperation eintreten möchten. Entscheidend ist immer die Begeisterung für das Filmprojekt.

Werden Sie das Kapitel "Bad Banks" nach der 2. Staffel, die nicht mehr so erfolgreich war wie die Erste, schließen müssen?

MICHAEL LEHMANN: Zunächst einmal würde ich gerne die Diskussion führen, was als Erfolg zu bewerten ist. Sobald ARD oder ZDF draufsteht, wird die lineare Ausstrahlung als Faktor für Erfolg oder Misserfolg gewertet. Von Netflix oder Amazon erfährt man wiederum keine Zahlen, trotzdem wird schnell und gerne von Erfolgen berichtet. Bei 2,5 Millionen Zuschauern im Free-TV ist gleich von einem Misserfolg die Rede. Welchen Weg eine Produktion über die vielen verschiedenen Partner und die verschiedenen Auswertungsketten geht, fällt dann schnell hinten runter. Ich habe mich gänzlich davon verabschiedet, die reine lineare Quote als Gradmesser heranzuziehen. Bei der Betrachtung von linearer und non-linearer Quote zusammen, kann man auch bei der zweiten Staffel von "Bad Banks" nur von einem Erfolg sprechen. Unabhängig davon, dass beide Staffeln immer noch in der Auswertung bei Netflix sind. Dazu kommt der immense internationale Erfolg. "Bad Banks" wird in der ganzen Welt gesehen.

Natürlich sind die Abrufzahlen genauso ein Gradmesser für Erfolg. Das ZDF war aber eher zurückhaltend, "Bad Banks" nach außen als Erfolg darzustellen.

MICHAEL LEHMANN: Wir sind mit den Zahlen sehr zufrieden. Die Erwartung an eine zweite Staffel ist natürlich auch höher, weil eine Markenbildung bereits stattgefunden hat. Gleichwohl muss die Werbung heutzutage viel personalisierter stattfinden, indem man gewisse Zielgruppen digital anspricht. Es stellt sich die Frage, was braucht eine Serie mit einem Budget von acht bis zehn Millionen in der Werbung? Ich denke, das ist vergleichbar mit einem Kinofilm der gleichen Größenordnung. Die Frage, wie viel Marketing man heute machen muss, um ein Projekt erfolgreich am Markt zu positionieren, stellt sich nicht nur für ARD und ZDF, die stellt sich für alle. Über On-Air-Promotion neben der Kernzielgruppe erweiterte Zielgruppen zu erreichen, ist schwierig. Die Frage ist, wie erreicht man die Publika da draußen, insbesondere, da es so ein Überangebot an Serien gibt.

Nochmal die Frage, verbunden mit der Hoffnung, dass es nicht so ist: Ist das Kapitel "Bad Banks" abgeschlossen?

MICHAEL LEHMANN: Ich teile Ihre Hoffnung, dass dies noch nicht der Fall ist. Es gibt die unterschiedlichsten Überlegungen, die allerdings noch nicht spruchreif sind.

Aktuell läuft Ihre Miniserie Tod von Freunden" im ZDF. Wie kam hier die Finanzierung zustande?

MICHAEL LEHMANN: Das ZDF war unser erster Partner. Wir haben von Anfang an sehr stark an das Projekt geglaubt und Friedemann Fromm mit zunächst einem Drehbuch beauftragt. Parallel dazu liefen die Gespräche mit dem ZDF, Simone Emmelius und Wolfgang Feindt, später stieß dann noch Daniel Blum dazu. Wir haben das Projekt wie einen Kinofilm betrachtet, bei dem ja auch häufig das Drehbuch vorfinanziert wird.

Hatten Sie von Anfang an den internationalen Markt im Blick?

MICHAEL LEHMANN: Wir haben auf jeden Fall an den europäischen Kontext gedacht und den Spielort, das deutsch-dänische Grenzgebiet, entsprechend gewählt. Die Idee war von Anfang an, auch in puncto Besetzung, mit einem anderen Territorium zusammenzuarbeiten. Kreativ hat das sehr gut funktioniert, auf der Finanzierungsseite gab es Vorabverkäufe durch unseren Weltvertrieb Dynamic Television nach Dänemark und mittlerweile gab es weitere Verkäufe nach Skandinavien.

Was steht noch an internationalen Koproduktionen für die SHPG an?

MICHAEL LEHMANN: Wir arbeiten seit drei Jahren mit Ivan Madeo und Stefan Eisenberger von der Schweizer Kontrast Film an der Miniserie Davos". Das SRF ist federführend mit dabei. Mit der neuseeländischen Krimiserie "Auckland Detectives" sind wir auch in der zweiten Staffel. Im Kinobereich habe ich "War Sailor" bereits erwähnt. Außerdem sind wir Koproduzent von Désirée Nosbuschs Regie-Debüt mit der luxemburgischen Deal Productions. Wir werden aus Deutschland heraus immer häufiger Partner aus dem europäischen Umfeld brauchen, um auch Kofinanzierungen aufzubauen. Das läuft jedoch vice versa.

Ist Herzogpark" für TVNow auch so ein Serienprojekt, das Sie wie einen Kinofilm angehen? Wie ist hier der Stand?

MICHAEL LEHMANN: Für "Herzogpark" trifft das zu, gefördert vom FFF Bayern und IDM Südtirol. Wir ziehen die Kerndrehzeit nach vorne auf Frühjahr/Frühsommer, denn man muss unter Pandemie-Gesichtspunkten für so ein Großprojekt den richtigen Zeitpunkt finden. Aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres wissen wir, dass Mai eine gute Drehzeit sein könnte. Wir hoffen, dass nichts dazwischenkommt, denn natürlich ist das eine ganz andere Dimension als bei einem vierwöchigen Fernsehspiel-Dreh.

Bereits abgedreht haben Sie den Event-Film "3 1/2 Stunden" zum Jahrestag des Mauerbaus. Wie sehr denken Sie inzwischen bei solchen Projekten die verschiedenen Ausspielwege mit?

MICHAEL LEHMANN: Ich glaube ganz fest daran, dass dieser Film sein Publikum auf den verschiedenen Ausspielwegen finden wird. Ausgangspunkt war die Überlegung von Stefan Lamby, die Ereignissse um den 13. August 1961 - den Tag des Mauerbaus - zu würdigen und auf allen Kanälen der ARD dokumentarisch und fiktional aufzubereiten. Herzstück dabei ist der Fiction-Film. Es geht um eines der dramatischsten Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte, um die Trennung von Menschen. Allein schon die Aufbereitung des Themas ist ganz besonders. Ed Herzog hat eine wunderbare Regie gemacht, Ngo The Chau eine wunderbare Kamera. Die Idee von Autor Robert Krause, den Interzonenzug am Tag des Mauerbaus von München aus losfahren zu lassen, war der entscheidende Punkt. Mit jeder Station verdichten sich die Informationen, und jeder, der in diesem Zug sitzt, steht vor der einschneidenden Entscheidung Aussteigen oder Sitzenbleiben. Das ist so emotional geworden. Und ich würde mich freuen, wenn wir mittels so eines Films wieder greifbaren Geschichtsunterricht für junge Leute machen würden. Und die werden den Film eher in der Mediathek suchen.

Die Idee, die Geschichte des Mauerbaus auf diese Menschen und diese paar Stunden in diesem Zug zu fokussieren, ist wirklich genial. Im Grunde müsste sich doch die ganze Welt für diese Geschichte interessieren. Ist der Film auch ein Verkaufsschlager?

MICHAEL LEHMANN: Daran glaube ich auch. Ich kann gar nicht mehr rückverfolgen, wie viele verschiedene Ansätze wir uns überlegt haben und wie oft wir im Einerlei des Ost-West-Films gelandet sind, wie es ihn schon häufig zu sehen gab. Robert Krause hat dann basierend auf einer sehr persönlichen Geschichte diesen Vorschlag gemacht. Mit diesem Ansatz haben wir die Emotionalität dieses Tages auf den Punkt gebracht, dafür bin ich Robert Krause sehr dankbar. Dieses "Bleibe ich, oder gehe ich?" haben wir zum USP des Films gemacht. Christine Strobl war von Anfang an an der Konzeptionierung dieses Projektes beteiligt - und Christoph Pellander, der gerade bei der Degeto angefangen hatte, war in der Zusammenführung des Projektes ein ganz toller Partner.

Ein anderes Aushängeschild könnte "The Cleaner" werden. Eine Komödie deutschen Ursprungs, Der Tatortreiniger", wird adaptiert und landet bei der BBC One. Klingt fast wie ein Märchen ...

MICHAEL LEHMANN: Das ist das große Verdienst von Vivien Muller-Rommel, unserer Geschäftsführerin in London. Sie hat mit großer Verve und Leidenschaft das Projekt vorangetrieben, hochschwanger stand sie bei der BBC vor der Tür. Da konnte die BBC gar nicht anders. (lacht) Greg Davies, der die Titelrolle spielt, ist ein absoluter Superstar. Vivien arbeitet schon sehr lange auf dem britischen Markt und hat einen sehr guten Blick. Und inzwischen sind ja auch die Gaststars, allen voran Helena Bonham-Carter, bekannt. Das macht die ganze Firma stolz.

Nun hat Corona "The Cleaner" nicht nur einmal übel mitgespielt. Wie ist der Status quo?

MICHAEL LEHMANN: Ja, das war wirklich ganz übel. Wir haben die Pilotfolge schon gedreht, auf deren Basis es den Auftrag für die Serie gab. Im November mussten wir das erste Mal abbrechen und auf Dezember schieben. Dann mussten wir wieder abbrechen. Vivien Muller-Rommel sprach von einem Gefühl wie "Armageddon in London", weil sich das halbe Team innerhalb einer Nacht infiziert hatte. Die Ansteckungssituation war im Dezember durch die Mutation extrem. Dann wollten wir ab dem 5. Januar drehen, haben aber wieder abgebrochen und den Dreh nun auf April verschoben. Der Druck, der dadurch auf diesem Projekt lastet, tut unheimlich weh. Aber die gute Nachricht ist, dass wir alle Stars halten konnten.

Glauben Sie, dass "The Cleaner" auch den Weg ins deutsche Fernsehen findet?

MICHAEL LEHMANN: Ich bin mir fast sicher.

Noch eine abschließende Frage: In unserem letzten Gespräch machten Sie deutlich, dass Diversität und Nachhaltigkeit wichtige Aspekte für die SHPG sind. Inwieweit leiden diese Themen unter Corona, nicht nur aufgrund einer verschobenen Aufmerksamkeit, sondern auch in Bezug auf finanzielle Mittel?

MICHAEL LEHMANN: Wer in der Krise, in der Pandemie nicht wirklich dazu bereit ist, starke Veränderungsimpulse aufzunehmen, wird am Markt Schwierigkeiten bekommen. Das betrifft Themen wie Diversität oder nachhaltiges Drehen. Die Diskussion, die wir führen müssen, lautet, wer wollen wir als Filmbranche in der Zukunft sein? Früher waren die Künste innerhalb der Gesellschaft stets die vorwärtstreibenden Elemente. Mittlerweile müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, dass die anderen Industriezweige mit diesen Themen besser umgehen, auch weil sie ganz anders auf Nachwuchs angewiesen sind. Ich frage mich manchmal, ob wir so abgekoppelt vom Markt waren, dass wir die Strömungen in unserer Gesellschaft nicht mehr erkannt haben und diese Themen jetzt erst aufs Tablett bringen. Gerade in der Pandemie müssen diese Themen zu 100 Prozent abgearbeitet und dann in die Normalität überführt werden. So, dass nicht mehr viel Gerede darum gemacht werden muss und es Standard wird.

Das Interview führte Frank Heine