Kino

BKM legt Eckpunktepapier zur Wiedereröffnung von Kinos vor

Ein neues, federführend vom Umweltbundesamt verantwortetes Papier skizziert Eckpunkte für die Wiedereröffnung unter anderem von Kinos bei einem Inzidenzwert um die 50. Die Studie fokussiert sich im Kern auf eine 50prozentige Belegung von Sälen, sieht dafür aber eine Maskenpflicht am Platz als zwingend erforderlich an - auch für den Fall, dass sämtliche Besucher getestet sind. Dies würde aber eine "deutlich höhere" Belegungsdichte ermöglichen.

03.03.2021 16:01 • von Marc Mensch
Das Eckpunktepapier sieht sogar Belegungen "deutlich" über 50 Prozent als möglich an, wenn Tests ins Spiel kommen - doch die Maskenpflicht im Saal ist ein zentraler Pfeiler des Konzepts (Bild: imago images/Hans Lucas)

Praktisch zeitgleich zum Beginn des aktuellen Corona-Gipfels hat die BKM ein neues Eckpunkte-Papier zur Wiedereröffnung des Kulturbetriebs unter Pandemiebedingungen vorgelegt. Entwickelt wurde es von Autoren unter Federführung von Heinz-Jörn Moriske aus dem Umweltbundesamt mit Forschern auf dem Gebiet der Gebäude-, Lüftungs- und Strömungstechnik sowie der Epidemiologie, Infektiologie und des Infektionsschutzes - und in enger Abstimmung mit der BKM.

Das Ergebnis: Wie es zuvor schon etliche andere Studien belegt haben, können Theater, Kinos, Konzerthäuser und andere Kultureinrichtungen mit sitzendem Publikum "unter bestimmten Voraussetzungen auch in der Pandemie so geöffnet werden, dass das Infektionsrisiko dort minimal ist", wie es in der Mitteilung der BKM heißt. Voraussetzung für eine sichere Öffnung seien jedoch immer eine leistungsfähige Lüftungsanlage, ausreichender Abstand und das Tragen medizinischer Masken.

Letzteres ist ein heikler Punkt für die meisten Kinos - den das Papier aber erst einmal klar adressiert: "Die Betreiber von Kinos haben zuletzt häufig Vorbehalte gegenüber der Verpflichtung, Schutzmasken während der Veranstaltungen zu tragen, geäußert. Der Kinobesuch wird oft auch durch den Genuss von kleinen Imbissen und Getränken im Veranstaltungssaal entscheidend mitgestaltet. Das Tragen von medizinischen Masken ist jedoch auch in Kinos unbedingt erforderlich", heißt es darin.

Allerdings ist diese Vorgabe nicht komplett starr - denn die Untersuchung orientiert sich an einer 50prozentigen Auslastung eines Saales, der Belegung im sogenannten "Schachbrettmuster". So heißt es weiter: "Will ein Betreiber einer solchen Einrichtung im Einzelfall auf das Tragen von Masken verzichten, ist durch anderweitige Maßnahmen wie mehr Sitzabstand und erhöhter Luftaustausch sicherzustellen, dass die Infektionsschutzvorgaben eingehalten werden."

Überraschen könnte dabei die Einordnung von diagnostischen Verfahren: Denn diese sollen zwar eine "deutlich höhere" Belegungsdichte als 50 Prozent ermöglichen können, nicht aber den Verzicht auf Masken im Saal bei einer Belegungsdichte um die 50 Prozent. Und obwohl führende Politiker zuletzt ausdrücklich von Schnell- und Selbsttests als Schlüssel zu einer entschiedeneren Wiedereröffnunsgstrategie gesprochen hatten, lehnen die Autoren letztere als nicht verlässlich ab.

Konkret heißt es dazu: "Eine deutlich höhere Belegungsdichte als 50 % in den o.a. Einrichtungen ist möglich, wenn alle Besucher und Besucherinnen aktuell negativ getestet sind. Der Nachweis kann entweder innerhalb von 72 Stunden vor Veranstaltungsbeginn durch PCR-Testung erfolgen oder innerhalb von 24 Stunden durch Antigen-Schnelltests mit den von der WHO empfohlenen Mindestkriterien > 80 % Sensitivität und > 97 % Spezifität verglichen mit PCR-Tests. Selbsttests reichen als Nachweis (da nicht nachprüfbar) nicht aus. Die anderen Hygienemaßnahmen (z.B. Maskenpflicht) bleiben davon jedoch unberührt. Die Veranstalter haben sicherzustellen, dass auch für die Durchführung der Tests ein Hygienekonzept vorliegt und die Ergebnisse dokumentiert sind."

Laut dem federführenden Autoren Heinz-Jörn Moriske sind bei Einhaltung der Vorgaben "selbst bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von um die 50 Personen pro 100.000 Einwohnern Veranstaltungen mit 2 bis 2,5 Stunden Dauer möglich - egal, ob im Kino, Theater oder Konzerthaus."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte anlässlich der Vorlage der Studie: "Ein verantwortungsvoller Neustart ist möglich. In Kultureinrichtungen wie Museen, aber auch Theatern, Kinos und Opernhäusern, besteht aufgrund moderner Lüftungsanlagen und guter Hygienekonzepte ein deutlich geringeres Infektionsrisiko als an vielen anderen Orten. Das neue Eckpunkte-Papier bestätigt das eindrucksvoll."

Sie finden das komplette Papier an dieser Stelle.