Kino

Disney deutet kürzere Auswertungsfenster an

Bei einer virtuellen Investorenkonferenz hat Disney-CEO Bob Chapek einmal mehr durchblicken lassen, künftig flexibler mit der Länge eines Kinofensters umgehen zu wollen - ohne dabei aber ins Detail zu gehen.

02.03.2021 13:27 • von Marc Mensch
Disney-CEO Bob Chapek (Bild: imago images/ZUMA Wire)

Während zuletzt auch Paramount seine Abkehr von der traditionellen Länge des Kinofensters für einige seiner Toptitel in konkrete Zahlen goss, lässt sich Walt Disney weiterhin nicht allzu genau in die Karten schauen. So wiederholte CEO Bob Chapek bei einer Investorenkonferenz schlicht, dass man flexibel mit den Auswertungsoptionen umgehen werde. So bleibt angesichts der nach wie vor nicht beherrschten Pandemiesituation selbstverständlich auch der Simultanstart in den Kinos und auf Disney+ für absehbare Zeit eine ernstzunehmende Option.

Wobei es tatsächlich erst mit Raya und der letzte Drache" überhaupt zu einem Simultanstart eines Disney-Titels in ein und demselben Markt kommt: "Mulan" war ebenso wie Soul" (oder zuvor "Hamilton" und Artemis Fowl") in den Disney+-Märkten exklusiv in den Stream gegangen, und nur im Fall von "Mulan" für eine zusätzliche Gebühr zum Abo. Diese wird - obwohl "Soul" zwischenzeitlich für Abonnenten von Beginn an kostenlos zur Verfügung gestellt wurde - zunächst auch für "Raya und der letzte Drache" fällig, dieser Film soll aber auch zeitgleich für eine Leinwandauswertung zur Verfügung gestellt werden.

Zum Vorgehen bei Black Widow", gab Chapek keine neuen Informationen. Hier ist weiterhin nur bekannt, dass der Film nach derzeitigem Stand im Mai in den Kinos starten soll.

Grundsätzlich hatte sich Chapek erst im Dezember vergangenen Jahres, als bereits die Day&Date-Strategie von Warner bekannt geworden war, klar zu einem Kinofenster bekannt. Und auch bei dieser Investorenkonferenz verwies er erneut auf die über elf Milliarden Dollar, die Disney-Filme 2019 im Kino umgesetzt hatten. "Das ist für uns von erheblichem Gewicht und das wird für uns von erheblichem Gewicht bleiben", so Chapek - man sei sich aber natürlich bewusst, dass man sich in einer sehr beweglichen Situation befinde.

Denn auch wenn Chapek das Kinofenster nach wie vor nicht per se infrage stellt, steht dessen Länge natürlich auch für Disney zur Debatte. Grundsätzlich sei er nicht sicher, so der CEO, inwieweit man Dinge zurückdrehen könne. Denn die Konsumenten seien vermutlich ungeduldiger als jemals zuvor geworden, nachdem sie nun über ein Jahr lang den Luxus genossen hätten, Filme zuhause dann zu bekommen, wenn sie es wollten.

Konkret adressierte Chapek indes vor allem die sogenannte "black period", die Phase zwischen dem Ende einer flächendeckenden Kinoauswertung und dem Home-Entertainment-Start: "Wir werden mit Sicherheit keiner laufenden Kinoauswertung den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber das Publikum wird wenig Verständnis für Titel aufbringen, die zum Beispiel seit Monaten nicht mehr auf der Leinwand sind und nur Staub ansetzen, bevor sie ins Streaming oder in andere Auswertungsstufen wandern."