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BERLINALE REVIEW: "Copilot" (Panorama)

Anne Zohra Berrached, die 2018 mit dem erschütternden Drama "24 Wochen" bei der Berlinale reüssierte, kehrt zum Festival zurück und liefert ein weiteres intensives Beziehungsdrama, das den privaten Rahmen sprengt. Eine Besprechung lesen Sie hier.

01.03.2021 13:00 • von Heike Angermaier
Canan Kir (vorne) und Roger Azar in "Copilot" (Bild: Christopher Aoun/Razor Film)

Anne Zohra Berrached, die 2018 mit dem erschütternden Drama 24 Wochen" über eine Frau, die sich entscheiden muss, ob sie ihr schwerkrankes Baby abtreiben soll, und 2013 mit dem Drama "Zwei Mütter" über zwei lesbische Frauen, die Mutter werden wollen, bei der Berlinale ausgezeichnet wurde, kehrt mit "Copilot" oder Die Welt wird eine andere sein" zurück zum Festival und beeindruckt mit einem weiteren intensiven und vielschichtigen Blick in eine Beziehung. Wie die Vorgänger ist es eine persönliche Geschichte, weist aber weit über das Private hinaus, schildert sie doch die Beziehung einer jungen Frau in Deutschland zu einem Terroristen, der eine Pilotenausbildung macht.

Berrached macht die allmähliche Wandlung des jungen Mannes nachvollziehbar und schildert sie im Gegensatz zu anderen Filmen zum Thema konsequent aus der Perspektive der Frau, Asli, oder Copilotin, wie sie zu Anfang des Filmes im von Saeed aus dem Off vorgelesenen Brief angesprochen wird, "Liebe Copilotin", in dem er sich für die fünf gemeinsamen Jahre, bedankt, harte Jahre wohlgemerkt. Auch das deutet an, dass die wunderbar inszenierten Momente voller Leichtigkeit, die Berrached gleich im Anschluss zeigt, nicht von Dauer sind. Der Film ist mit harten Schwarzblenden in fünf Kapitel, die fünf Jahre, eingeteilt.

Eindrücklich, wie Berrached allmählich Indizien für die Radikalisierung von Saeed aufscheinen lässt, bis erste Lügen zu Streits und Auseinandersetzungen führen, Zweifel schüren, bis Asli selbst sagt: "Du benimmst dich wie ein Fanatiker" und "Ich verlasse dich". Es ist ein Verdienst von Berrashed, ihrer Drehbuchautorin Stefanie Misrahi und auch den beiden Hauptdarstellern Canan Kir und Roger Azar, dass, wenn die beiden wieder zusammenkommen, trotz monatelanger Funkstille, es nicht gezwungen wirkt und dass man inständig hofft, dass es ein anderes Ende geben könnte als das programmierte, dass dann aber natürlich so passiert, sehr zurückhaltend über Fernsehnachrichten und den weiteren Text des Briefes vom Anfang offenbar wird.

Einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung gibt es bei "Copilot" nicht. Authentisch anmutend wird von einer ernsthaften Beziehung erzählt, mit Höhen und Tiefen, und von zwei Menschen, die sich ehrlich lieben, erzählt, von einer Frau, die eine wissenschaftliche Überfliegerin wird, und einem Mann, der Überzeugungstäter ist, wirklich daran glaubt, eine bessere Gesellschaft zu schaffen, und auch von ihren jeweiligen Familien, ihrem Umfeld. Berrached und Kameramann Christopher Aoun (Capernaum - Stadt der Hoffnung") gelingen in der tragischen Geschichte auch manche träumerische Einstellungen. Ein starker Film, den Razor Film mit deutschen Partnern wie Zero One und auch französischen umgesetzt hat, auch wenn er nicht ganz so unglaublich intensiv und herzzerreißend wie "24 Wochen" wirkt, aber das ist bei dieser Geschichte auch richtig so.

Heike Angermaier