Kino

Kinos kämpfen für "vernünftigen Platz" im Stufenplan

Am Vorabend der virtuellen Berlinale und wenige Tage vor der nächsten entscheidenden Beratungsrunde von Bund und Ländern haben über 400 Filmtheater im Rahmen des bundesweiten Aktionstages "Kino leuchtet" auf sich aufmerksam gemacht.

01.03.2021 10:18 • von Marc Mensch
Vor dem Kino International empfing Regisseur Christian Schwochow Medienvertreter (Bild: Yorck Kinogruppe)

Erinnern Sie sich noch an das geflügelte Wort "Wellenbrecher-Lockdown"? Über vier Monate ist es nun her, dass beschlossen wurde, gerade jene Orte zu schließen, die in keiner Weise als Treiber der Pandemie in Erscheinung getreten waren - verbunden mit der Aussicht darauf, dieses Opfer könne so etwas Ähnliches wie halbwegs normale Feiertage ermöglichen. Was daraus wurde, ist bekannt. Die Maßnahmen erwiesen sich als wirkungslos, die Inzidenzwerte erreichten Wochen nach Beginn des zweiten Lockdowns neue Rekordmarken und erst die Schließung anderer Bereiche und weitere Verschärfungen brachten die Situation unter Kontrolle.

118 Tage sind bis zum gestrigen Sonntag seit der zweiten bundesweiten Schließung der Kinos bereits vergangen. Wie viele Tage es noch sein werden, könnte und sollte sich bei den kommenden Bund-Länder-Beratungen am 3. März konkretisieren. In deren Vorfeld hatte die AG Kino-Gilde den bundesweiten Aktionstag "Kino leuchtet" initiiert; im Schulterschluss mit dem HDF Kino und in Zusammenarbeit mit der Initiative "Zurück ins Kino".

Insgesamt beteiligten sich gestern in den frühen Abendstunden mehr als 400 Häuser in ganz Deutschland an der Aktion. Dabei wurde nicht nur symbolisch das Licht in den seit Monaten unbespielten Häusern angeknipst, oftmals wurde die Chance genutzt, auch mit etwas aufwändigeren Lichtinstallationen Werbung in eigener Sache zu machen. Ob ein Berliner Zoo Palast, der wohl nicht ganz zufällig in der Farbe der Hoffnung erstrahlte, ein Münchner Cinema (von n-tv in seiner Bildunterschrift schnöde nach Berlin verlegt), dessen Fassade so bunt erleuchtete, wie es das Kinoprogramm ist - oder auch ein Nürnberger Cinecitta, von dessen Bau ein überdimensionales Bat-Symbol erstrahlte: Die Botschaft, dass die Kinos startklar sind, ihr Publikum wieder mit sicheren (und zwischen zwei Lockdowns erprobten!) Konzepten sowie tollen Filmen und Events zu begrüßen, war bundesweit unübersehbar - nicht zuletzt dank des großen medialen Interesses, so hatte beispielsweise auch die Tagesschau dem Aktionstag ein Segment gewidmet.

Christian Bräuer erinnerte am Aktionstag als Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde an den hinter der Aktion stehenden Appell in Richtung Politik: So müsse es am kommenden Mittwoch darum gehen, "dass Kinos als Kultureinrichtungen einen vernünftigen Platz in einem Stufenplan" bekämen. "Nach vier Monaten wartet der Kinomarkt auf eine transparente, evidenzbasierte und verlässliche Wiedereröffnungsperspektive", so Bräuer. Und weiter: "Mit ausgeklügelten Hygienekonzepten haben sich die Kinos als sichere Orte während der Pandemie erwiesen. Auch Studien wie jüngst z.B. der TU Berlin zeigen, dass Kinos sichere Räume sind. Kultur ist ein elementarer Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Wir appellieren daher an Bund und Länder, dass Kinos mit zu den ersten Lebensbereichen zählen, die wieder öffnen."

Selbstverständlich beteiligten sich auch die von Christian Bräuer und Georg Kloster geführten Yorck-Kinos an der Aktion. Vor dem Kino International gab Bräuer gemeinsam mit Regisseur Christian Schwochow, dessen neuer Film "Je Suis Karl" im Rahmen der Sektion Berlinale Special präsentiert wird, den Startschuss.