Kino

Neue Visionen präsentiert Line-up und bekräftigt exklusive Kinoauswertung

In einer digitalen Filmschau hat der Verleih Neue Visionen einen Ausblick auf sein Programm der kommenden Zeit geworfen - darunter lang erwartete Highlights wie "Monsieur Claude 3" oder der neue Film von "Birnenkuchen mit Lavendel"-Regisseur Eric Besnard.

01.03.2021 13:09 • von Barbara Schuster
Torsten Frehse und Sylvia Müller führten durch die digitale Filmschau (Bild: Neue Visionen)

In einer digitalen Filmschau hat der Verleih Neue Visionen einen Ausblick auf sein Programm der kommenden Zeit geworfen. Verleihchef Torsten Frehse sagte in seinen einleitenden Worten, dass sein Team und er der Kinoöffnung nach dem zweiten Lockdown regelrecht entgegenfiebern und sich sehr darauf freuen, endlich bald wieder richtig arbeiten zu können. "Wir wollen wieder richtig los legen, die Zuschauer und Zuschauerinnen erreichen und zu unseren Filmen in die Kinos locken", so Frehse. Ko-Geschäftsführerin Sylvia Müller ergänzte, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch während des zweiten Lockdowns durchgearbeitet hätten. Auf Kurzarbeit habe man bewusst verzichtet. Stattdessen wurden alle Ärmel hochgekrempelt und den Fokus auf die Vorbereitung aller Kampagnen zu den Kinostarts gelegt. Neben der Fertigung von Synopsen, Presseheften und der Werbung für die Filme im Programm, sei man sogar noch dazugekommen, auch neue Titel zu kaufen. "Alle verfügbaren Kräfte haben wir in den letzten Monaten in die Zielgruppenarbeit gesteckt, in das Sponsoring, in die Kampagnenentwicklung, damit die Filme extrem gut funktionieren, wenn es dann so weit ist. Wir stehen in den Startlöchern!", so Müller.

Bevor das kommende Programm vorgestellt wurde, warfen Müller und Frehse erst noch einen kurzen Blick zurück. Denn wie sehr sich eine gute Vorbereitung auszahlt, habe man an den drei Filmen sehen können, die Neue Visionen zwischen den Corona-bedingten Kinoschließungen an den Start brachte. "'Eine Frau mit berauschenden Talenten' war der erfolgreichste Film in den Arthouse-Charts zwischen den Lockdowns. Bei den Dokumentarfilmen war 'Oeconomia' ganz vorn mit dabei", so Frehse, der anfügte, dass es für den Verleih eine große Freude wäre, wenn die Kinos Filme, die aufgrund des zweiten Lockdowns nur kurz gespielt werden konnten, auch nach der erneuten Wiedereröffnung einen Platz im Programm finden könnten.

Ein heiß diskutiertes Thema in der Branche war in all der Zeit, ob und wie man Filme trotz reduzierter Platzkapazität starten kann. "Wir haben uns diesbezüglich von Anfang an klar positioniert: Nämlich auf der Seite der Kinos", unterstrich Sylvia Müller. Und Torsten Frehse ergänzte: "Wir garantieren einen exklusiven Kinostart für all unsere Filme! Und werden deren Kinostarts mit aller Kraft unterstützen."

Den Anfang der Filmschau 2021 machte die Vorstellung von "Der Hochzeitsschneider von Athen" von Sonia Liza Kentermann, ein Film, der Neue Visionen besonders am Herzen liegt, wie Torsten Frehse erzählte. Der kleine Schneider aus Athen, der vor der Zwangsvollstreckung seines Eigentums steht, fortan mit einem mobilen "Schneiderwagen" unterwegs ist und sich erstmals auf das Parkett der Damen- und Brautmode wagt, kann als Sinnbild aus der Krise heraus betrachtet werden. Zudem zeichnet sich der Film durch seine visuelle Stärke, Emotionalität und seinen Humor aus.

Die schwarzhumorige Rachegeschichte "Helden der Wahrscheinlichkeit" ("RIders of Justice") kommt als erster Titel der neuen Kooperation zwischen Neue Visionen und Splendid in die deutschen Kinos. Der Kinohit aus Dänemark von Anders Thomas Jensen eröffnete unlängst das Filmfestival in Rotterdam und ist mit u.a. Mads Mikkelsen in der Hauptrolle hochkarätig besetzt.

"Der Rosengarten von Madame Vernet", der neue Film von Pierre Pinaud, würde wie "Birnenkuchen mit Lavendel" eine wunderbare Atmosphäre schaffen, der man sich einfach nicht entziehen könne, wie es in der Ankündigung der Filmschau hieß. Catherine Frot spielt die Titelheldin, die ihre berühmte Rosenzucht retten muss und dabei auf die Hilfe von drei Obdachlosen mit Vorstrafenregister, die wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen, aber über keinerlei gärtnerische Fähigkeiten verfügen, zurückgreifen muss.

Nächster Titel im Programm war die Komödie "Der Schein trügt" von "Parada"-Regisseur Srdjan Dragojevic. In der Allegorie auf die Umbrüche in unserer Gesellschaft verpasst der Filmemacher seinem Protagonisten nach einem Unfall einen Heiligenschein. Der erweist sich als sehr hartnäckig - und nur Sünden schaffen Abhilfe.

Weiter ging es in der Präsentation mit Dokumentarfilmen. Zunächst wurde der neue Film von Oscarpreisträger Pepe Danquart, "Vor mit der Süden", vorgestellt, in dem er auf den Spuren Pier Paolo Pasolinis wandelt, anschließend "Morgen gehört uns" von Gilles de Maistre über Kinder aus allen möglichen Regionen, die sich für eine bessere Welt und bessere Zukunft einsetzen. An Relevanz ist das Thema eines weiteren Dokumentarfilms im Neue-Visionen-Line-up nicht zu überbieten: Denn Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf gehen in "Alles ist eins außer der 0" der Gründungsgeschichte des weltbekannten Hacker-Vereins Chaos Computer Club (CCC) auf den Grund, beleuchten die digitalen Anfänge und wie Computerüberwachung heute mittlerweile eingesetzt wird.

Nach "Joe Strummer: The Future Is Unwritten" hat Neue Visionen einen weiteren Dokumentarfilm von Musik-Spezialist Julien Temple im Programm: Mit "Shane", der von Johnny Depp produziert wurde, inszenierte Temple ein Porträt von Pogues-Sänger Shane MacGowan.

Gegen Ende der Filmschau stellte Torsten Frehse auch noch den neuen Film von Anne Zohra Berrached vor: "Die Welt wird eine andere sein" ist nach "24 Wochen" der zweite Film der Regisseurin, den Neue Visionen in die deutschen Kinos bringt. Er wurde für die Reihe Panorama der diesjährigen Berlinale ausgewählt ("24 Wochen" lief 2016 im Berlinale-Wettbewerb) und ist die Geschichte einer Liebe, aber auch eine Untersuchung zu kulturellen Unterschieden, Wahrheit und Glaube, Vertrauen und Wahn.

Zu guter Letzt machte Torsten Frehse und Sylvia Müller Lust auf die zweite Fortsetzung der französischen Multikulti-Komödie "Monsieur Claude", deren ersten beiden Teile in Deutschland fulminante 5,3 Mio. Besucher in den Kinos unterhielt. Aktuell ist Regisseur Philippe de Chauveron mit den Dreharbeiten von Teil drei beschäftigt. "Der Film wird definitiv ein Spektakel werden, so wie die bisherigen auch", sagte Frehse. Zudem hat Neue Visionen nach "Birnenkuchen mit Lavendel" auch den neuen Film von Éric Besnard in der Pipeline: "Délicieux" spielt am Vorabend der französischen Revolution 1789 und erzählt "mit viel Liebe und tollen Kinobildern", so Sylvia Müller, die Geschichte des ersten französischen Restaurants. Und krönender Abschluss der Neueinkäufe war ein Promo der französischen romantischen Komödie "On est fait pour s'entendre" ("Hear Me Out") von und mit Pascal Elbé, der die Geschichte eines etwas älter werdenden Lehrers erzählt, der zu eitel ist anzuerkennen, dass mit seinem Gehör nicht mehr alles stimmt und mit etlichen Tricks versucht, diese Tatsache zu vertuschen. Als altes Ritual bei Neue Visionen sind alle Kinobesitzer dazu aufgerufen, Vorschläge für einen deutschen Titel einzureichen. Sollte eine der Ideen genommen werden, winken 1000 Euro Preisgeld.