Kino

Berlin legt neuen Plan zum Lockdown-Ausstieg vor

Ein federführend von der Berliner Senatskanzlei für die SPD-geführten Länder erarbeitetes Papier zum Ausstieg aus dem Lockdown verabschiedet sich zwar davon, Kinos erst bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 20 wieder an den Start zu lassen. Als Fortschritt entpuppt sich der Wechsel auf sogenannte "Cluster" aber kaum - nicht zuletzt wegen der erheblichen Restriktionen, die zumindest einen anfänglichen Zeitraum begleiten würden.

23.02.2021 22:31 • von Marc Mensch
Das heute im Berliner Senat diskutierte Papier soll wenigstens den Kurs der SPD-geführten Länder vorgeben (Bild: imago images/Christian Spicker)

"Ein neuer Tag, ein neues Beratungspapier" ist man angesichts der Flut an unterschiedlichen Ausstiegsszenarien aus dem Lockdown womöglich versucht, zu sagen. Doch der Stufenplan, der heute im Berliner Senat diskutiert wurde, hat das Zeug dazu, tatsächlich mehr zu sein als "nur" ein weiteres Diskussionspapier. Denn das Konzept wurde einem Bericht des Tagesspiegel zufolge von der Berliner Senatskanzlei federführend für die SPD-regierten Länder erarbeitet - und soll nach deren Vorstellung bei den kommenden Bund-Länder-Beratungen am 3. März die Vorlage für ein bundesweit koordiniertes Vorgehen liefern.

Obwohl sich Berlin in diesem jüngsten Dokument von den Inzidenzwerten 20 und 10, wie sie noch Anfang Februar in einer früheren Fassung des Beratungspapiers vorgesehen waren, als maßgebliche Schwellen für Maßnahmen verabschiedet hat: Die Nachricht fällt für Kulturbetriebe nicht wirklich gut aus - denn die nun gewählte Alternative gibt insbesondere den Kinos keine bessere Perspektive, zeitnah wieder auf die Beine zu kommen. Tatsächlich wurden die beiden unteren Inzidenzschwellen lediglich durch eine Cluster-Strategie ersetzt, die bestenfalls wenig Unterschied machen könnte, im schlimmsten Fall Wiedereröffnungsschritte sogar weiter hinauszögern könnte. Zumal nun auch offenbar wird, wie strikt die Restriktionen ausfallen, mit denen u.a. Kinos bei einer Wiedereröffnung belegt werden sollen.

Grundsätzlich gliedert sich der Plan nun in zwei Risikostufen für Inzidenzwerte über 50 bzw. 100 sowie vier Cluster, für die unterschiedliche Eröffnungsschritte definiert werden. In "Cluster 0", der bei Werten zwischen 50 und 35 greift, tut sich diesbezüglich bis auf minimale Lockerungen für Sport im Außenbereich wenig.

Interessanter wird es in "Cluster 1", der mit der Unterschreitung der neuen magischen Marke einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 beginnen soll: Hier dürfte der Einzelhandel öffnen, würden körpernahe Dienstleistungen ermöglicht, könnten Solarien öffnen, ginge die Außengastronomie wieder an den Start, wäre der Betrieb von Mensen und Kantinen wieder ebenso erlaubt wie der Verzehr an Imbissen. Auch Bibliotheken, Museen und Gedenkstätten könnten wieder (teils für einen begrenzten Personenkreis) öffnen, grundsätzlich wären auch Outdoor-Freizeitangebote (natürlich mit Restriktionen) wieder möglich.

21 Tage nach dem erstmaligen Unterschreiten der 35 würde dann - sofern der Wert dauerhaft stabil unter dieser Marke bleibt - "Cluster 2" zum Zuge kommen. Im Rahmen dieses Clusters könnten Kinos, Theater und Opernhäuser wieder öffnen - mit Zugangsbeschränkungen und Hygienekonzepten, versteht sich. Nun geht aus dem Plan nicht direkt hervor, welche Beschränkungen in diesem Cluster gelten sollen, direkt zu diesem Punkt ist in dem Papier nur von einer "Kombination aus relativen und absoluten Personenobergrenzen" die Rede. Unter dem Punkt "Veranstaltungen" findet sich immerhin der Hinweis, dass in "Cluster 2" absolute Obergrenzen von 150 (Innenraum) bzw. 500 Personen (im Freien) gelten sollen.

Klarer wird das Bild, wenn man sich die Regelungen im "Cluster 3" ansieht. Dieser kommt frühestens zwei Wochen nach Beginn von "Cluster 2" zum Zuge, eine weiterhin stabile (oder sinkende) Inzidenz vorausgesetzt. Denn erst hier soll es z.B. Kinos gestattet werden, Sitzplätze im "Schachbrettmuster" zu vergeben, also lediglich einen Sitz zwischen Personen mit Kontaktbeschränkungen frei zu halten. Parallel dazu steigt die absolute Obergrenze der Personen in einem Saal auf 250.

Der Teufel steckt nun indes im Detail des "Cluster 4" - denn erst dort wird ein entscheidender Punkt erwähnt: Die Maskenpflicht auch am Platz, die nach Vorstellung der SPD-geführten Länder frühestens 49 Tage nach dem erstmaligen Unterschreiten der Inzidenz von 35 fallen soll. Konsequenter Weise sollen die Gastronomiebereiche in Kulturbetrieben auch dann erst wieder öffnen dürfen...

Laut dem Tagesspiegel erklärten sowohl Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) wie Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), dass der Plan in den nächsten Tagen noch Änderungen erfahren werde. Die IHK hat bereits deutlich Kritik an den Plänen geübt, sie setzt nicht zuletzt auf den Einsatz von Schnelltests, um zeitnah entscheidendere Schritte zu ermöglichen.