Kino

Boris Johnson sieht Schnelltests als möglichen Schlüssel für Kinoöffnungen

Auch in Großbritannien ist derzeit noch völlig offen, wann Kinos aus dem Lockdown entlassen werden. Während das BFI zuletzt den Mai als zumindest "plausiblen Zeitraum" bezeichnete, bringt Premierminister Boris Johnson wieder Maßnahmen ins Gespräch, die der dortige Kinoverband rundheraus ablehnt.

19.02.2021 13:57 • von Marc Mensch
Boris Johnson stößt mit seinem Vorstoß auf den Widerstand der UK Cinema Association (Bild: imago images/ZUMA Wire)

Im Prinzip ist die Entwicklung in Großbritannien ermutigend. So berichtet unter anderem die BBC über eine aktuelle Studie des Imperial College, wonach es insbesondere im Januar einen "massiven Rückgang" bei den Infektionszahlen in England gegeben habe, seit dem Beginn des aktuellen Lockdowns sei die Rate der Neuinfektionen um rund zwei Drittel gefallen - in London sogar um 80 Prozent. Gleichzeitig kann Großbritannien auf einen erheblich schnelleren Impffortschritt verweisen als beispielsweise Deutschland, so hatten bereits Anfang des Monats mehr als zehn Millionen Briten wenigstens die erste Impfung erhalten, bis Mai sollen alle Briten im Alter über 50 geimpft werden können.

Dennoch fehlt den Kinos derzeit noch jegliche zeitliche Perspektive für eine Wiedereröffnung, wenngleich aktuell wieder Bewegung in entsprechende Debatten kommt. Gegenüber Variety hatte BFI-CEO Ben Roberts unlängst erklärt, der Mai sei zumindest "ein plausibler Zeitraum" - es könne aber ebensogut früher werden. Oder auch später... Marktführer Cineworld, der sich im November vergangenen Jahres einen massiven Liquiditätsschub sichern konnte, hat für unterschiedliche Szenarien geplant, sah damals aber eine Wiedereröffnung von Kernmärkten spätestens im Mai als Basisszenario.

Unterdessen sind es vor allem die Rahmenbedingungen für mögliche Wiedereröffnungen, die zuletzt wieder in den Fokus gerückt sind. Denn im Vorfeld der nächsten, aktuell für den 8. März geplanten, Beratungsrunde zu den Corona-Maßnahmen hatte Premierminister Boris Johnson bei einer Pressekonferenz Mitte der Woche erneut massenhafte Schnelltests als möglichen Schlüssel dafür ins Gespräch gebracht, Kulturstätten und Clubs wieder zugänglich zu machen.

Und obwohl Johnson Impfpässe als Zugangsvoraussetzung erneut ausdrücklich ausschloss, sah der CEO der UK Cinema Association, Phil Clapp, umgehend die Notwendigkeit, sich gegen einen solchen Schritt zu wenden. Gegenüber dem russisch kontrollierten Sender RT UK erklärte er, dass die Notwendigkeit zur Vorlage eines Impfnachweises eine "ganze Reihe an Problemen rund um Diskriminierung" schaffen würde.

Tatsächlich zeigt sich die britische Regierung in dieser Frage offenbar nicht geschlossen: Der "Times" zufolge bedrängen führende Mitglieder des Kabinetts ihren Premier, seine grundsätzlich ablehnende Haltung zu überdenken, um Restriktionen für bestimmte Bereiche zumindest teilweise früher aufheben zu können, als dies ohne einen solch radikalen Schritt möglich wäre. Dabei werde auch auf das grundsätzliche Recht der Unternehmen verwiesen, selbst solche Zugangsvoraussetzungen zu schaffen. Aktuell sieht Johnson - zumal in einem noch sehr frühen Stadium des Impffortschritts - aber primär das Problem der Schaffung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Hier hakt auch Phil Clapp ein, der gerade auf jene Gruppen verweist, die aus diversen Gründen in absehbarer Zeit noch nicht für eine Impfung infrage kommen, darunter natürlich nicht zuletzt Jugendliche.

Indes lehnt Clapp auch rundheraus ab, was Johnson als grundsätzlich jedem Bürger offen stehende Möglichkeit ins Feld führt: Schnelltests, wie sie schon in anderen Ländern (z.B. auch in Österreich) genutzt zu werden beginnen, um Zugang zu bestimmten Örtlichkeiten oder Dienstleistungen zu ermöglichen. Clapp sieht hier sowohl logistische als auch finanzielle Probleme und setzt weiterhin alternativlos darauf, dass die Politik zeitnah Öffnungen unter Maßgaben wie vor dem zweiten Lockdown wieder gestattet. Dabei kann Clapp natürlich weiterhin darauf verweisen, dass in Großbritannien (wie überhaupt weltweit) während der Pandemie kein einziger Ansteckungsfall auf ein Kino zurückgeführt wurde.

Zahlreiche britische Kinos - darunter sämtliche Standorte von Cineworld - hatten unterdessen die Zeit zwischen den Lockdowns nicht für Wiedereröffnungen genutzt. Ausschlaggebend war dafür natürlich primär die mangelnde Filmversorgung, allerdings waren auch "unwirtschaftliche Restriktionen" wie eine zweitweise Maskenpflicht kritisiert worden. Ob Schnelltests nicht nur dazu dienen könnten, Kinos schneller wieder zu öffnen, sondern womöglich auch unter weniger restriktiven Bedingungen, wurde seitens der Politik indes (noch) nicht konkret thematisiert.