Kino

Chinas Kinorekorde purzeln weiter

Das chinesische Neujahrsfest wird von einer Rekordmeldung nach der anderen aus den Kinos begleitet. Innerhalb von weniger als einer Woche wurden umgerechnet rund 1,2 Milliarden Dollar am Boxoffice umgesetzt - wobei das Geschäft allerdings auch von wichtigen Sondereffekten profitierte.

18.02.2021 13:08 • von Marc Mensch
"Detective Chinatown 3" (hier ein Bild aus dem Vorgänger) steht für nahezu die Hälfte der bislang während der Neujahrsfeierlichkeiten in China erzielten Kinoumsätze (Bild: imago images/Everett Collection)

Die Rekordjagd am chinesischen Boxoffice geht nahtlos weiter. Bis Mitte Februar war im Reich der Mitte mit Ticketverkäufen bereits etwa halb so viel umgesetzt, wie im gesamten Pandemiejahr 2020. Treiber des Geschäfts sind natürlich die am 12. Februar begonnenen Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest, die die wichtigste Geschäftsperiode für die Kinos markieren. 2019 etwa standen die Ticketumsätze während dieses Zeitraums für rund zehn Prozent des gesamten Jahresumsatzes.

Bis zum gestrigen Mittwoch war bereits ein Meilenstein in Dollar überschritten: Seit dem vorangegangenen Freitag wurden aktuellen Schätzungen von Maoyan zufolge Gesamtumsätze in Höhe von umgerechnet 1,2 Milliarden Dollar erzielt. In lokaler Währung stieg das Boxoffice gegenüber dem Neujahrsfest 2019 (im vergangenen Jahr schlug unmittelbar davor der Shutdown zu) von rund 5,9 Mrd. Yuan auf knapp 7,8 Mrd. Yuan. Unter den sieben Neustarts waren "Detective Chinatown 3" und "Hi Mom" die Treiber, sie standen am sechsten Auswertungstag bereits bei gut 550 bzw. gut 420 Mio. Dollar.

"Detective Chinatown 3" verlor nach dem furiosen Start im Zuge schwacher Kritiken an Drive und wurde am Montag durch "Hi Mom" (der als die eigentliche Überraschung gehandelt wird) an der Spitze der Charts abgelöst, aber nicht bevor er einen historischen Rekord für einen Starttag und das Startwochenende in einem einzelnen Markt erzielt hatte, letzteres mit knapp 400 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Der weltweit erfolgreichste Film des vergangenen Jahres hatte es auf insgesamt gut 461 Mio. Dollar gebracht, wobei "The Eight Hundred" fast 100 Prozent seines Ergebnisses im Heimatland China erzielte.

Die Rekordzahlen sind auf den ersten Blick umso erstaunlicher, als die Sitzplatzkapazitäten in mehreren chinesischen Metropolen, darunter der Hauptstadt Peking, als Vorsichtsmaßnahme eingeschränkt worden waren. Allerdings war es lokalen Berichten zufolge womöglich gerade diese Limitierung der Plätze, die etliche Kinos dazu veranlasste, die Preise teils deutlichg anzuheben. Trotz erhöhter Preise berichten Kinos von einem Ansturm, der es Ihnen erlaubt hätte, mehr Sitzplätze als die zugelassenen zu verkaufen.

Als wichtigster Faktor gilt unterdessen, dass die sonst bei solchen Feierlichkeiten üblichen Reisen zu einem Großteil unterblieben, nachdem die chinesischen Behörden im Vorfeld dazu aufgerufen hatten, vor Ort zu feiern. Dieser Umstand hat der Einschätzung von Experten nach die Menschen in überproportionaler Zahl vor die Leinwände gelockt.

Last but not least wuchs die Zahl der Leinwände in China auch im Pandemiejahr - um fast 5800. Damit fiel das Wachstum zwar langsamer aus, als in den Vorjahren, aber Ende 2020 verfügte man über fast 75.600 Säle.