Produktion

UPDATE: Pandemiejahr 2020 schlug auf Anreizförderung durch

Auch wenn sich die Bilanz in Anbetracht der Begleitumstände keineswegs verstecken muss: Die im vergangenen Jahr eingebrochene Nachfrage nach Anreizförderung durch DFFF und GMPF ist unübersehbar - das gilt insbesondere für den DFFF II.

12.02.2021 11:30 • von Marc Mensch
Mit einem Zuschuss von knapp 1,64 Mio. Euro war "Catweazle" das 2020 am drittstärksten vom DFFF I geförderte Projekt. (Bild: Tobis)

UPDATE: Die FFA hat unter diesem Link nun auch die aufgeschlüsselten Zahlen veröffentlicht, die allerdings eine erhebliche Diskrepanz zur bereits zuvor veröffentlichten Förderliste aufweisen. Denn wo dort nur ein einziges Projekt beim DFFF II aufgeführt war, sind es laut der neuen Tabelle vier, wobei auf die drei (dort nicht namentlich genannten) Projekte neben den 21,2 Mio. für "Uncharted" insgesamt nur etwa 4,4 Mio. Euro entfallen.

Auf Rückfrage erklärte die FFA, dass es sich bei den weiteren DFFF-II-geförderten Projekten um Kung Fury 2" (2,3 Mio. Euro), El Dorado" (rund 1,3 Mio. Euro) und "The Jade Earring" (rund 807.000 Euro) handelt. Man darf davon ausgehen, dass die Förderliste noch entsprechend ergänzt wird.

Unter dem Strich wurden aus dem DFFF II somit knapp 25,6 Mio. Euro bewilligt, aus dem DFFF I rund 38,1 Mio. Euro für 93 Projekte inklusive knapp 1,1 Mio. Euro an "Nachbewilligungen Corona".

URSPRÜNGLICHE MELDUNG: Vom (späten) Durchstarter zurück zum Sorgenkind? Würden wir auf ein reguläres Jahr zurückblicken, würde an dieser Feststellung kein Weg vorbei führen, was den DFFF II anbelangt. Zur Erinnerung: Das bei seinem Start wegen extrem hoher und gerade für VFX-Unternehmen nicht praxistauglicher Einstiegshürden kritisierte Instrument war nach der Einführung im Sommer 2017 bis Ende 2018 ein veritabler Ladenhüter - gerade einmal eine Förderung konnte aus diesem Topf bewilligt werden. 2019 dann die Wende: Insgesamt sieben internationale Kinoprojekte erhielten Bewilligungen von insgesamt über 56 Mio. Euro aus dem 75 Mio. Euro umfassenden Instrument - wobei aber in wenigstens einem Fall die Förderung von gut 12,6 Mio. Euro potenziell zurückzuzahlen sein wird. Denn Without Remorse" wurde von Paramount an Amazon verkauft.

Im ersten Pandemiejahr brach die Nachfrage dann wieder massiv ein. Zwar entfällt die höchste Fördersumme mit rund 21,2 Mio. Euro erneut auf ein DFFF-II-gefördertes Projekt (die Videospieladaption Uncharted", von der BKM mit dem offiziellen Decknamen Girona" gelistet), allerdings handelte es sich laut der offiziellen Förderliste auch um das einzige Kinoprojekt, das durch eine 2020 bewilligte Anreizförderung des DFFF II nach Deutschland geholt wurde. (Diese Liste war allerdings zunächst nicht korrekt, siehe das Update.)

Von der Deckungsfähigkeit mit dem DFFF II hat allerdings erneut die Serienförderung des GMPF profitiert: Bei einer nominellen Ausstattung mit 15 Mio. Euro (die in diesem Jahr auf 30 Mio. Euro anwachsen soll) wurden insgesamt 20,5 Mio. Euro an 12 High-End-Serienprojekte vergeben. Allerdings bedeutet auch dies einen erheblichen Rückgang - 2019 wurden aus GMPF/DFFF-II-Mitteln 17 Serienprojekte mit einer Gesamtsumme von 27,6 Mio. Euro unterstützt.

Insgesamt belief sich die DFFF-Förderung (DFFF I und II kumuliert) in diesem Jahr auf nur 62,6 Mio. Euro für 97 Filmprojekte, 2019 waren es rund 107,7 Mio. Euro für 104 Projekte. Was auch bedeutet: Die Zahl der Bewilligungen nahm kaum ab, dafür aber umso mehr die Bewilligungssumme - und damit das (förderfähige) Durchschnittsbudget der unterstützen Produktionen.

Der Rückgang ist natürlich umso schmerzlicher, als sich die Anreizförderung erneut als extrem lohnenswerte Investition erwies: "Staatliche Zuschüsse an die Filmindustrie führen zu etwa fünfmal höheren Investitionen deutscher und internationaler Produktionsfirmen in Deutschland, wovon die deutsche Filmwirtschaft in erheblichem Ausmaß profitiert", heißt es dazu seitens der BKM, genaue Zahlen wurden jedoch zunächst nicht veröffentlicht, womöglich wird die DFFF-Website diesbezüglich aber noch ergänzt.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht jedoch zurecht auch positive Seiten - gerade nach einem Ausnahmejahr wie dem letzten: "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen auch Filmproduzentinnen und -produzenten vor große Herausforderungen: Abstandsgebote am Set und die ständige Gefahr, dass eine Covid19-Infektion eines Crew-Mitglieds den Dreh unterbricht, erschweren die Filmproduktion erheblich. Umso erfreulicher ist es, dass durch den DFFF und GMPF im Jahr 2020 dennoch eine Vielzahl deutscher und internationaler Produktionen Unterstützung gefunden haben. Unsere Förderinstrumente setzen damit wichtige volkswirtschaftliche Effekte und sichern Kreativen gerade in diesen Krisenzeiten ihr Einkommen" kommentiert sie.

Zudem verweist sie auf die Tatsache, dass seit September 2020 auch der Ausfallfonds der BKM mit einem Volumen von bis zu 50 Mio. Euro einen wesentlichen Beitrag zur Absicherung der Filmproduktion leistet. Grütters dazu: "Uns ist es ein zentrales Anliegen, gerade auch jetzt für bestmögliche Rahmenbedingungen in der Filmbranche zu sorgen. Wir schaffen damit eine wichtige Basis dafür, dass überhaupt weiterhin Filme produziert werden können. Ich freue mich darüber, dass sich auch die Länder am Ausfallfonds beteiligt haben. Die positive Resonanz der Branche bestätigt, dass wir dabei auf dem richtigen Weg sind."

Die vollständige Liste der geförderten Projekte finden Sie auf der Website des DFFF sowie der Website des GMPF.