Kino

KOMMENTAR: Schon da sein, um zu bleiben

Wir sind schon da! Sagen 185 lesbische, schwule, bisexuelle, queere, nicht- binäre und trans* Schauspieler*innen im vergangenen "SZ Magazin. Machen sich sichtbar, stark für mehr Repräsentation in Film und Fernsehen. Schön, dass Ihr da seid!

11.02.2021 07:46 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Wir sind schon da! Sagen 185 lesbische, schwule, bisexuelle, queere, nicht- binäre und trans* Schauspieler*innen im vergangenen "SZ Magazin. Machen sich sichtbar, stark für mehr Repräsentation in Film und Fernsehen. Schön, dass Ihr da seid! Sagen wir in der Redaktion von Blickpunkt:Film, die zwar längst nicht über 185 Mitglieder verfügt (schön wär's!), aber trotzdem bunt und divers ist und diese Haltung im gemeinsamen Umgang lebt. Nachhaltlos unterstützen wir die Schauspieler*innen, die sich in der "SZ" zu ihrem Schritt und ihren Forderungen entschieden haben.

Und sind bestürzt nur über den Umstand, dass LGBQTI*-Darsteller*innen auch anno 2021, nach den vielen vermeintlich siegreich geschlagenen Schlachten und Debatten der letzten Jahrzehnte, immer noch nicht die Anerkennung erhalten, die ihnen wie selbstverständlich zustehen sollte. Manchmal vergisst man, dass Fortschritt nicht selbstverständlich ist. Umso wichtiger ist es, daran erinnert zu werden, dass gerade systemische Veränderung immer wieder neuer Anläufe bedarf, bis sich wirklich etwas bewegt.

Gerade die Kunst sollte eine Vorreiterrolle spielen, und wir alle sollten uns unserer Verantwortung bewusst sein, dass sich mehr bewegen lässt, wenn viele an einem Strang ziehen. Film ist eine Gemeinschaftsarbeit. Entsprechend sollten wir uns möglichst gemeinsam solidarisch mit denen erklären, die jetzt den Mut aufgebracht haben, den Mund aufzumachen und zu formulieren, was eigentlich längst Realität sein sollte.

Lassen Sie uns dabei aber nicht außer Acht lassen, dass wir in Deutschland auf einer Insel der Glückseligen leben. Hier gibt es keine Gemeinden, die sich rühmen, "schwulenfrei" zu sein. Hier muss keiner Angst haben, wegen seiner sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung staatlich verfolgt oder von einem Mob durch die Straßen getrieben oder gar dem sicheren Tod entgegen zu blicken. Und doch ist auch das weiter eine erschütternde Realität in der Welt, in der wir leben. Im Gegenteil: Institutionalisierte Homophobie ist wieder auf dem Vormarsch, bereits auch in fast benachbarten Ländern. Natürlich sind wir auch in Deutschland angehalten, die Fortschritte der letzten 50 Jahre nicht als gegeben hinzunehmen. Sie müssen jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. Ein umso wichtigeres Signal geben die 185 Schauspieler*innen, die im "SZ Magazin" mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für ihre Sexualität und Identität - und damit auch die Sexualität und Identität anderer - einstehen. Schön, dass sie schon da sind. Sorgen wir alle dafür, dass sie bleiben können. #actout. Jetzt.

Thomas Schultze, Chefredakteur