Kino

Birgit Oberkofler: "Blick nach vorne richten"

Auch wenn die erneute Kinoschließung ein herber Dämpfer ist und etliche Drehverschiebungen bei Produzenten für Unwägbarkeiten sorgen - Kinos und Kinofilme bleiben unverzichtbar. Darüber sind sich die Förderer einig. Blickpunkt:Film hat sich umgehört. Hier antwortet Birgit Oberkofler, Head of Film Fund & Commission IDM Südtirol.

03.02.2021 11:52 • von Barbara Schuster

Auch wenn die erneute Kinoschließung ein herber Dämpfer ist und etliche Drehverschiebungen bei Produzenten für Unwägbarkeiten sorgen - Kinos und Kinofilme bleiben unverzichtbar. Darüber sind sich die Förderer einig. Blickpunkt:Film hat sich umgehört. Hier antwortet Birgit Oberkofler, Head of Film Fund & Commission IDM Südtirol.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kinos in Anbetracht des anhaltenden Lockdowns?

Die italienischen Kinos blieben 2020 aufgrund der weltweiten COVID-19-Pandemie, welche Italien sehr früh erfasste, mehr als fünf Monate geschlossen. 28 Millionen verkaufte Tickets brachten den italienischen Kinos - laut Cinetel, die rund 95 Prozent der italienischen Kinodaten erfasst und auf die sich auch ANICA, die nationale Organisation der Kino-, audiovisuellen und Multimediabranche, stützt - 182,5 Millionen Euro ein. Es ist dies ein Umsatz- und Besucherrückgang von 71 Prozent, der einem Absatzminus von 460 Millionen Euro gleichkommt. Im Jahr vor der Pandemie, also 2019, war den italienischen Kinos mit einem Umsatz von 635,4 Mio. Euro und 97,6 Mio. Eintritten ein Absatz- und Ticketzuwachs von 14,35 Prozent und 13,55 Prozent gelungen. Also ein deutlich größeres Plus als im restlichen Europa, wo laut einer Studie des European Audiovisual Observatory 6,3 Prozent mehr Kinobesucher verzeichnet und 7,2 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Mario Lorini, Kinobetreiber und Präsident der ANEC, der italienischen Gesellschaft für Kinobetreiber, zeigt sich für 2021 leicht optimistisch und sagt, seine Branche wolle ihr Publikum mit technologischer Exzellenz und der Erlebniserfahrung zurückerobern. Einen Beitrag zur technologischen Modernisierung der Kinos könnte das »Next Generation EU«-Programm liefern. In ersten Entwürfen des »Nationalen Planes der Wiederaufnahme und Resilienz« wurden dem italienischen Kultur- und Tourismusministerium knapp über acht Mio. Euro zum Wiederaufbau der beiden gebeutelten Wirtschaftszweige zugeschrieben. Die Zahlen von 2019 zeigen, dass es für Kinos und Plattformen ein Miteinander geben kann und muss. Die Branche wird mit der ihr eigenen Kreativität den Blick nach vorne richten, da bin ich mir ganz sicher.

Kommt es durch den harten Lockdown zu signifikanten Produktionsausfällen? Mit welchen Folgen?

Trotz eines Drehstillstandes zwischen März und Juni, wurden die Sommermonate 2020 intensiv für Dreharbeiten genutzt. Gedreht wurden etwa die deutsche Magenta TV Serie "Wild Republic" mit Verena Altenberger und der TV Zweiteiler "Il Pastore" von Andreas Prochaska mit Tobias Moretti. Für das Drama "Resilient" von Roberto Faenza über die Lebensgeschichte des Medizin-Nobelpreisträgers Mario Capecchi wurden kurzerhand auch die Drehtage in Stockholm und Pennsylvania nach Südtirol verlegt. Ein wichtiges Zeichen ist, dass der im italienischen Kinogesetz von 2016 festgeschriebene Förderetat 2021 von 400 auf 600 Mio. Euro aufgestockt und der Prozentsatz des Tax Credit für italienische Projekte, aber auch jene aus dem Ausland, von 30 Prozent auf 40 Prozent angehoben wurde. In der Förderung sehen wir, dass die Teams die Zeit kreativ zur Stoffentwicklung nutzen, ein Trend, der sich auch 2021 fortsetzen wird.