Kino

Sarah Duve-Schmid: "Streamingdienste werden Kinos nicht ersetzen"

Auch wenn die erneute Kinoschließung ein herber Dämpfer ist und etliche Drehverschiebungen bei Produzenten für Unwägbarkeiten sorgen - Kinos und Kinofilme bleiben unverzichtbar. Darüber sind sich die Förderer einig. Blickpunkt:Film hat sich in einer großen Umfrage umgehört. Hier antwortet Sarah Duve-Schmid, Stellvertr. Vorstand / Leiterin Förderung FFA.

02.02.2021 07:26 • von Barbara Schuster
Sarah Duve-Schmid von der FFA (Bild: Kay Herschelmann)

Auch wenn die erneute Kinoschließung ein herber Dämpfer ist und etliche Drehverschiebungen bei Produzenten für Unwägbarkeiten sorgen - Kinos und Kinofilme bleiben unverzichtbar. Darüber sind sich die Förderer einig. Blickpunkt:Film hat sich in einer großen Umfrage umgehört. Hier antwortet Sarah Duve-Schmid, Stellvertr. Vorstand / Leiterin Förderung FFA.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kinos in Anbetracht des anhaltenden Lockdowns?

Strukturell ist die aktuelle Situation für die Kinos geradezu existenzbedrohend. Sie leben seit Monaten von ihren Rücklagen, und die sind natürlich äußerst begrenzt, wenn nicht schon aufgebraucht. Es wird darauf ankommen, wie und vor allem wann die Überbrückungshilfen der Bundesregierung ankommen und in welchem Umfang. Für die Zeit nach der Wiedereröffnung der Kinos bin ich aber optimistisch.

Die Menschen wollen endlich wieder im Kino attraktive Filme erleben, und diese Filme sind auch da. Ich teile auch nicht die Befürchtung, dass Streamingdienste die Kinos ersetzen werden. Dafür ist die erste Auswertungsstufe zu wichtig, um aus einem Film ein Ereignis zu machen und eine Wertschöpfung zu realisieren, die weit über dem liegt, was bei VoD-Plattformen möglich ist. Und ganz persönlich kann ich nur sagen, dass selbst meine Kinder "nix mehr zuhause gucken wollen", sondern im Kino.

Kommt es durch den harten Lockdown zu signifikanten Produktionsausfällen? Mit welchen Folgen?

Noch gibt es keine offiziellen Drehverbote. Zwar werden im öffentlichen Raum und in privaten Gebäuden Motive abgesagt, was dazu führt, dass Szenen später nachgeholt werden müssen oder ein Ersatzmotiv gefunden werden muss, aber man muss auch sagen, dass die Branche nach dem ersten Lockdown deutlich besser gewappnet ist: Es gibt mittlerweile neue Empfehlungen hinsichtlich des Arbeitsschutzstandards für Filmdrehs in Zeiten von Corona, und die generellen Abläufe sind mittlerweile intuitiv. So erleben wir eine sehr verantwortungsvolle Umsetzung der Hygienemaßnahmen seitens der Produzent*innen und ihren Teams, und ich habe großen Respekt vor der gigantischen flexiblen Organisationsleistung, mit der die gesamte deutsche Filmwirtschaft seit Monaten die Herausforderungen meistert. Glücklicherweise gibt es mittlerweile sowohl für die Film- als auch für die TV-Branche Ausfallfonds, die dafür Sorge tragen, dass besonders mittelständische Produktionsfirmen im Schadensfall überleben.