Kino

Stufenplan aus Schleswig-Holstein setzt Kinos ans Ende der Warteschlange

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat einen Vier-Stufen-Plan zur Lockerung von Corona-Maßnahmen vorgelegt, der auch Grundlage von Beratungen vor der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz werden soll. Ihm zufolge sollen Kinos erst in der letzten Stufe wieder für die Allgemeinheit zugänglich sein - lange nach der Gastronomie.

27.01.2021 15:09 • von Marc Mensch
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (Bild: Frank Peter)

Schleswig-Holsteins Landesregierung will Perspektiven zu einem graduellen Ausstieg aus dem Lockdown aufzeigen und hat dazu gestern einen vierstufigen Perspektivplan vorgelegt, der nicht nur fraktionsübergreifend auf breite Unterstützung im Kieler Landtag gestoßen ist, sondern der auch Eingang in eine auf Initiative von Ministerpräsident Daniel Günther ins Leben gerufene Arbeitsgruppe von Bund und Ländern dienen soll. Diese wiederum soll im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Konferenz ein Strategiepapier zu einem bundesweit möglichst einheitlichen Ausstieg aus dem Lockdown erarbeiten. Wie aus dem Umfeld anderer Landesregierungen zu erfahren war, wird das Papier von diesen indes noch keineswegs als tatsächliche "Blaupause" angesehen, inwieweit die gewählte Strategie also die Chance auf eine Adaption in anderen Bundesländern, darunter nicht zuletzt Bayern, hat, ist also derzeit noch völlig offen.

Erwartungsgemäß ist der Stufenplan, wie schon frühere, vergleichbare Papiere der Länder, Inzidenz-basiert, gibt also per se keine klare zeitliche Perspektive, sondern definiert vorrangig eine Reihenfolge. Und an dieser Stelle darf sich die Kultur einigermaßen deutlich vor den Kopf gestoßen fühlen. Denn während etwa die Gastronomie (wenngleich mit massiven Einschränkungen) nach der Maßgabe dieses Planes wieder an den Start gehen können soll, wenn der Inzidenzwert an sieben aufeinanderfolgenden Tagen stabil unter 50 liegt und diese Einschränkungen noch gelockert werden, wenn die 50 über zwei weitere Wochen nicht gerissen wird, sollen Theater, Konzerthäuser und Kinos erst dann wieder für die Allgemeinheit (und auch dann mit potenziell erheblichen Kapazitätsbeschränkungen) öffnen dürfen, wenn der Inzidenzwert über sieben Tage stabil unter 35 liegt.

Den kompletten Perspektivplan finden Sie zum Download an dieser Stelle, im Anschluss finden Sie die Zusammenfassung, wie sie auf der Website der Landesregierung zu finden ist:

Stufe IV: Der Inzidenzwert liegt über 100:

In dieser Stufe werden keine Änderungen gegenüber dem Status Quo vorgesehen.

Stufe III: Der Inzidenzwert liegt sieben Tage stabil unter 100:

Es ist erlaubt, sich mit maximal fünf Personen aus zwei Hausständen zu treffen. Ausnahmen gelten hierbei für Kinder dieser zwei Hausstände bis 14 Jahre. In den Kitas beginnt ein eingeschränkter Regelbetrieb. Die Jahrgänge 1 bis 6 an den Schulen starten in den Wechselunterricht, liegt der Wert 21 Tage stabil unter 100, erfolgt Präsenzunterricht. Außerdem findet im Falle des Wechselunterrichts weiterhin eine Notbetreuung statt. Für die Jahrgänge 7 bis 13 bleibt es - mit Ausnahme der Abschlussklassen - beim Distanzlernen.

Elementare körpernahe Dienstleistungen werden wieder zulässig. Damit können zunächst insbesondere Friseure wieder öffnen. Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen, die derzeit nur von einer jeweils registrierten Person besucht werden können, dürfen - getrennt - zwei Besucher empfangen, wenn diese Personen nicht zu einem Haushalt gehören. Die Testpflicht bleibt bestehen.

Sportanlagen für den Individualsport im Außenbereich werden nach 21 Tagen stabiler Inzidenz unter 100 wieder in den Betrieb gehen. Zu diesem Zeitpunkt dürfen auch Zoos und Wildparks ihre Tore wieder öffnen.

Stufe II: Der Inzidenzwert liegt sieben Tage stabil unter 50:

Die Kitas wechseln in den Regelbetrieb, die Klassenstufen 1-6 haben wieder Präsenzunterricht und die Klassenstufen 7-13 an den Schulen gehen in den Wechselunterricht, Abschlussklassen in den regelhaften Präsenzbetrieb. Bleibt der Inzidenzwert weitere 14 Tage lang unter 50 findet auch in den Klassenstufen 7-13 wieder Präsenzunterricht statt.

An den Hochschulen sind wieder praktische Lehrveranstaltungen erlaubt. Präsenzprüfungen sind mit begrenzter Teilnehmerzahl unter Hygieneauflagen wieder möglich.

Auch der Einzelhandel kann mit Auflagen wie der Maskenpflicht und einer Zugangsbeschränkung (10 Quadratmeter je Person) wieder öffnen. Dasselbe gilt für weitere körpernahe Dienstleistungen wie die kosmetische Fußpflege, Nagelstudios oder Maniküre.

Ebenfalls mit Auflagen kann auch die Gastronomie wieder an den Start gehen. Erlaubt ist zunächst die Bewirtung von 50 Prozent der nach dem jeweiligen Hygienekonzept zulässigen Sitzplätze. Die Öffnungszeit ist noch von 5 bis 22 Uhr beschränkt.

In Krankenhäusern und Pflegeheimen darf Besuch von maximal zwei Personen gleichzeitig empfangen werden. Hier gilt weiterhin die Pflicht, einen negativen Corona-Test vorzulegen.

Stufe II: Der Inzidenzwert liegt 21 Tage lang stabil unter 50:

Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze können ihren Betrieb auch für touristische Zwecke aufnehmen - unter Einsatz von Corona-Schnelltests. Dafür wird ein Testregime erarbeitet.

Die Begrenzung der Gästezahl in der Gastronomie wird aufgehoben; die Abstandsregel bleibt bestehen.

Theater, Konzerthäuser und Kinos können für einzelne Schulkohorten wieder öffnen.

Fitnessstudios mit Kapazitäts- und Nutzungsbegrenzung dürfen öffnen.

In kontaktarmen Sportarten können Sportgruppen für Kinder bis zwölf Jahre in festen Kohorten mit maximal zehn Personen zugelassen werden, außerdem öffnen Sportanlagen für Individualsport im Innenbereich.

Die Grenze zur Anzeigepflicht für Veranstaltungen religiöser Gemeinschaften wird angehoben.

Jugend- und Freizeittreffs mit festen Gruppengrößen können wieder Aktivitäten anbieten.

Stufe I: Der Inzidenzwert liegt sieben Tage stabil unter 35:

Es dürfen sich wieder bis zu zehn Personen aus mehreren Haushalten treffen. Die Schulen wechseln wieder vollständig in den Regelbetrieb. An den Hochschulen sind Präsenzlehr- und Erstsemester-Veranstaltungen in Kohorten zulässig. Präsenzprüfungen finden unter Hygieneauflagen statt. Bibliotheken öffnen unter Hygieneauflagen.

Veranstaltungen mit Sitzungscharakter und streng begrenzter Teilnehmerzahl sind mit Hygienekonzept wieder zulässig. Für die Gastronomie wird die Gästebegrenzung aufgehoben, die Auslastung der Lokalitäten orientiert sich an der Abstandsregel. Auch Bars und Kneipen dürfen wieder öffnen - Gäste müssen dabei feste Sitzplätze haben, ein Hygienekonzept ist erforderlich, die Kontaktdaten der Gäste müssen erhoben werden. Bei einer stabilen Entwicklung des Inzidenzwertes entfällt nach 21 Tagen die Sperrstunde für die Gastronomie.

Im Breitensport ist der Kontaktsport bei Bildung fester Gruppen nach 21 Tagen wieder erlaubt. Nach sieben Tagen öffnen Hallen- und Spaßbäder sowie Saunen wieder. Auch Freizeitparks dürfen wieder öffnen, Ausflugsschiffe wieder ablegen.Theater, Konzerthäuser oder Kinos dürfen nun auch für die Allgemeinheit öffnen, allerdings mit einer begrenzten Personenzahl. Sportveranstaltungen im Profi- wie im Amateurbereich dürfen wieder mit einer zunächst begrenzten Zuschauerzahl stattfinden, wenn der Inzidenzwert 21 Tage unter 35 liegt. Für religiöse Veranstaltungen wird die Teilnehmerzahl angehoben. Für Pflegeheime und Krankenhäuser sollen - abgesichert durch ein Hygienekonzept - erweiterte Besuchsmöglichkeiten gelten.