TV

BR-Filmhighlights: "Vielfältige Lebensrealitäten"

Bei der Programmvorschau des Bayerischen Rundfunks auf die Filmhöhepunkte 2021 unterstrich Fiction-Chefin Bettina Ricklefs, dass Diversität für ihre Abteilung zu den zentralen Punkten zählt.

26.01.2021 12:54 • von Frank Heine
Bettina Ricklefs beim Filmbrunch 2019 (Bild: BR/Johanna Schlüter)

Ende Januar ist traditionell die Zeit der Münchner Filmwoche und damit auch des Filmbrunchs des Bayerischen Rundfunks. In Pandemiezeiten gilt es mit den schönsten Traditionen zu brechen, doch auf die Programmvorschau auf das Filmjahrs 2021 präsentierte der BR dennoch - wie gewohnt - in einem digital zugänglichen Trailer.

Reinhard Scolik, Programmdirektor Kultur, spricht von "herausfordernden Zeiten" und zeigt sich " um so dankbarer für das, was die Filmschaffenden gemeinsam, trotz Corona, möglich gemacht haben. Mein besonderer Dank gilt den Produzentinnen und Produzenten, die ihre Projekte unter schwierigsten Bedingungen unterbrechen, umorganisieren, wieder neu ansetzen und finalisieren mussten. Filmschaffen ist harte Arbeit, die belohnt wird durch ein Ergebnis, das wir momentan dringend brauchen: ein emotionales Erlebnis! Ich hoffe, dass wir dies im Jahr 2021 wieder gemeinsam erleben können."

Bettina Ricklefs, BR Programmbereichsleiterin Spiel-Film-Serie, lenkt den Blick insbesondere auf das Thema Diversität: "Auch Film hat für mich die selbstverständliche Aufgabe, vielfältige Lebensrealitäten zu transportieren und sichtbar zu machen." Als aktuelles Beispiel führte sie den Mittwochsfilm "Herren" von Dirk Kummer (Regie) und Stefanie Kremser (Buch) an, der bereits für das Fernsehfilm-Festival Baden-Baden nominiert und am 10. Februar im Ersten gezeigt wird. "Auch beim Thema Gleichberechtigung findet bei sämtlichen Film- und Serienprojekten des BR ein wichtiger Wandel statt - nicht nur was Rollen und die erzählten Lebenswelten betrifft, sondern auch in den unterschiedlichen beteiligten Gewerken", so Ricklefs weiter, die auch mit Zahlen aufwarten konnte: Bei den Regelsendungen des BR Programmbereichs Spiel-Film-Serie, bei der Daily Dahoam is Dahoam", der Porträtreihe "Lebenslinien" und dem Magazin "kinokino" liege der Prozentsatz von Protagonistinnen inzwischen bei 48 Prozent.

Neben der Kineo-Produktion "Herren", einer lose auf dem Roman "Gents" von Warwick Collins basierenden Dramedy mit Tyron Ricketts, Komi Mizrajim Togbonou und Nyamandi Adrian, hält der BR drei weitere Beiträge für den "FilmMittwoch im Ersten" parat. Eine besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ das von TV 60 Film produzierte Drama "Geliefert" von Jan Fehse über das Schicksal eines alleinerziehenden Paketfahrers, verkörpert von Bjarne Mädel. Komödiantischere Töne schlagen die Bavaria-Produktion "Faltenfrei" und "Tanze Tango mit mir" aus dem Hause die film an. In "Faltenfrei", ebenfalls von Dirk Kummer inszeniert, hier nach Vorlage von Mastermind Uli Bree, spielt Adele Neuhauser eine echte Zwiderwurzn - wie der Bayer so schön sag t- aus der Beauty-Branche, die nach einer fehlgeschlagenen Narkotisierung vor einer Schönheits-OP plötzlich die Gedanken ihrer Mitmenschen hören kann. In "Tanze Tango mit mir" (Regie: Filippos Tsitos, Drehbuch: Peter Güde, Matthias Fischer) spielt Michael A einen trägen, aber herzkranken Bayern, der dank einer Tangolehrerin aus seinem tristen Alltagstrott ausbricht.

Traditionell stark vertreten ist der BR bei den Sonntags-Krimis mit den "Tatorten" aus München und Franken und dem "Polizeiruf", der mit Verena Altenberger in Runde drei und vier zieht. Überstrahlt wird das bayerische Krimischaffen vom 30-Jährigen Jubiläum von Batic & Leitmayer, das mit einer sehr unterhaltsam anmutenden Dokumentation begleitet wird. Gleich drei neue Folgen werden mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl in ihren Paraderollen ab Frühjahr gedreht. Produzenten sind Tellux Film, Roxy Film und erstmals in ihrer Fimen-Geschichte die Hindafing"-Macher von Neuesuper. Bereits sendebereit sind der Franken-Tatort: Wo ist Mike?" von Claussen + Putz und der Polizeiruf 110: Frau Schrödingers Katze" (Geißendörfer Pictures). Den vierten Film mit Verena Altenberger als Bessie Eyckhoff ("Bis Mitternacht") produziert Provobis, Regie führt wie beim zweiten Dominik Graf nach einem Drehbuch von Filmjournalist Tobias Kniebe.

Im seriellen Bereich gesellt sich zu den jeweils fortgesetzten ARD-Vorabendserien "Watzmann ermittelt" und "Hubert ohne Staller" (wird aktuell ausgestrahlt) sowie der eingangs erwähnten Daily "Dahoam is Dahoam" die von der Bavaria produzierte Webserie "3 Frauen, 1 Auto", stark besetzt mit Luise Kinseher, Angela Ascher und Susanne Wiesner.

Bei den Kinokoproduktionen harren u.a. Joseph Vilsmaiers letzter Film Der Boandlkramer und die ewige Liebe", der nächste Eberhofer-Krimi: Kaiserschmarrndrama", Martin Eden" und "Schachnovelle" von Philipp Stölzl der Wiedereröffnung der Kinosäle. Aus dem Debüt-Bereich stechen Monday um Zehn" von Mareille Klein, "Windstill" von Nancy Camaldo und "Zwischen uns" von Max Fey ins Auge.

Abgerundet wir die Filmschau des Bayerischen Rundfunks mit einem facettenreichen Angebot an Dokumentarfilmen: In "Dark Rider - Blindes Vertrauen" Eva Küpper einen blinden Motorradfahrer, beim Versuch einen Geschwindigkeitsweltrekord aufzustellen. Kathrin Pitterling setzt sich in "Aufschrei der Jugend" mit der "Fridays for Future"- Generation auseinander, Marten Persiels "Everything Will Change" wird als "futuristisches Märchen" beschrieben und Reinhold Messners "Nanga Parbat - Mein Schlüsselberg" darf im Portfolio auch nicht fehlen.