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Studie analysiert Bedeutung der Kultur und Kreativwirtschaft für Europa

Unter dem Motto "Rebuilding Europe" präsentierten am 26. Januar Repräsentanten der europäischen Kultur und Kreativwirtschaft die Ergebnisse einer Studie. Das von EY erarbeitete Zahlenwerk zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Kreativindustrien, taxiert aber auch die durch die Corona-Pandemie verursachten Schäden.

26.01.2021 10:45 • von
Schwer getroffen: Die EY-Studie schätzt die coronabedingten Umsatzeinbußen allein im Musikgeschäft auf ein Minus von 76 Prozent oder 18 Milliarden Euro (Bild: Rebuilding Europe, Executive Summary, EY, Screenshot)

Unter dem Motto "Rebuilding Europe" präsentierten am 26. Januar 2021 Repräsentanten der europäischen Kultur und Kreativwirtschaft unter der Leitung von Jean-Michel Jarre in Brüssel Vertretern der EU-Kommission die Ergebnisse einer Studie. Das von den Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern von EY im Auftrag der europäischen Verwertungsgesellschaften erarbeitete Zahlenwerk soll die wirtschaftliche Bedeutung der Kreativindustrien zeigen, setzt sie in Vergleich zu anderen Branchen, taxiert aber auch die durch die Corona-Pandemie verursachten Schäden.

So hätten die Kultur- und Kreativbranche laut den Ergebnissen der Erhebung "Rebuilding Europe: The Cultural And Creative Economy Before And After COVID-19" noch 2019 einen Jahresumsatz von 643 Milliarden Euro verzeichnet, was wiederum einem Anteil in Höhe von 4,4 Prozent der gesamten europäischen Wirtschaftsleistung entsprochen habe. Mit einem Wachstum von 2,6 Prozent sei der Sektor 2019 zudem schneller gewachsen als die Wirtschaft insgesamt, die im europaweiten Durchschnitt bloß auf Zuwächse von zwei Prozent gekommen sei.

Aber auch in Sachen Jobs und Geschlechtervielfalt würden die Kulturbranchen eine Vorreiterrolle einnehmen, heißt es: Mit mehr als 7,6 Millionen Beschäftigten zählte der Sektor 2019 zu den führenden Arbeitgebern und hätte mehr Menschen beschäftigt als zum Beispiel die Telekommunikations- und die Automobilbranche zusammen.

Die Coronakrise aber habe die Kultur wie kaum einen anderen Sektor getroffen: Die Studie beziffert die Umsatzeinbußen übergreifend auf mehr als 30 Prozent und taxiert die kumulierten Verluste auf 216 Milliarden Euro. Die Kreativbranche habe damit höhere Umsatzeinbrüche verzeichnet als die Tourismus- und kaum geringere als die Luftfahrtbranche. "Insbesondere die Musikwirtschaft und der Bereich der Darstellenden Kunst mussten Mindereinnahmen von 75 bis 90 Prozent hinnehmen", heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Nie zuvor hätte Europas Kreativwirtschaft eine solche wirtschaftliche Verwüstung erlebt, heißt es. Diese Auswirkungen würden noch im gesamten Jahrzehnt zu spüren sein.

Vor diesem Hintergrund aber könnte die Kultur- und Kreativbranche auch ein Schlüssel zum Wiederaufbau der angeschlagenen europäischen Wirtschaft sein, zum Beispiel dank gezielter Fördermaßnahmen der öffentlichen Hand sowie Anreizen für private Investitionen, aber auch dank passender rechtlicher Rahmenbedingungen.

Ein Video zur Präsentation der Studie ist inzwischen online verfügbar.

"Die Corona-Pandemie hat die Erfolgsgeschichte der europäischen Kultur- und Kreativwirtschaft abrupt unterbrochen", bilanziert Harald Heker; der Vorstandsvorsitzende der GEMA wurde Mitte 2019 zum Vizepräsidenten der GESAC gewählt. Millionen von Kreativen würden vor dem Verlust ihrer Lebensgrundlage stehen: "Die Regierungen müssen jetzt handeln, um unsere Branchen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Urheber und Kreative brauchen gezielte Unterstützung, aber auch einen zeitgemäßen Rechtsrahmen, der ihnen garantiert, dass sie für ihre Arbeit auch dann fair entlohnt werden, wenn sie online genutzt wird." Eine schnelle und effektive Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht wäre "ein wichtiger Schritt in diese Richtung", sagt Heker.

Der GESAC-Dachverband, der 32 der größten europäischen Verwertungsgesellschaften vertritt, hatte das Beratungsunternehmen EY mit der Durchführung der Studie "Rebuilding Europe: The Cultural And Creative Economy Before And After COVID-19" beauftragt, unter anderem mit Unterstützung der Impala-Indies, der ECSA-Autoren und der IMPF-Musikverleger.

Die aktuelle Untersuchung, die vollständig (pdf) oder als Zusammenfassung (auch auf Deutsch, pdf) heruntergeladen werden kann, knüpft an die Ergebnisse der erstmals im Dezember 2014 vorgestellten Erhebung an, die damals unter dem Motto "Creating Growth" noch von Umsätzen in Höhe von rund 535,9 Milliarden Euro und rund 7,1 Millionen Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft berichtete.

Text: Knut Schlinger