Kino

Mario Hueber: "Kollateralschäden werden wohl einfach in Kauf genommen"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet der Geschäftsführer von Hollywood Megaplex.

26.01.2021 15:18 • von Marc Mensch
Mario Hueber (Bild: Hollywood Megaplex)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Mario Hueber, Geschäftsführer Hollywood Megaplex:

"Seit 3. November sind die österreichischen Kinos wieder geschlossen und bleiben dies auch bis mindestens Ende Februar. Auch wenn die österreichische Bundesregierung die Lage Mitte Februar neu beurteilen will, erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass ein Spielbetrieb mit Anfang März möglich sein wird, der auch wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist, da neben allen nationalen Unabsehbarkeiten auch mehr als fraglich ist, dass auch ausreichend Content zu diesem Zeitpunkt verfügbar sein wird. Zusätzlich ist zu befürchten, dass die Hürden für einen Kinobesuch (Impfnachweis, PCR-Test, Maskenpflicht, 20.00 Uhr Sperrstunde, etc.) gerade in der Anfangszeit noch sehr hoch und somit abschreckend sein werden. Wir gehen daher im Moment davon aus, dass der Spielbetrieb wohl nicht vor bzw. eher nach Ostern sinnvoll wiederaufgenommen werden kann. Die wirtschaftliche Situation spitzt sich dadurch natürlich weiter zu, da finanzielle Hilfen (hier vor allem der Umsatzersatz für November) zwar geflossen sind, diese aber für den Gesamtzeitraum gedeckelt und somit teilweise schon vollkommen ausgeschöpft sind. Dies bedeutet für viele Kinos, dass die kommenden Wochen und Monate ohne jede Hilfen überstanden werden müssen. Nach nun bald einem Jahr im Krisenmodus muss leider auch festgestellt werden, dass gerade der Kultur- und Veranstaltungsbereich keine politische Priorität genießt und hier Kollateralschäden wohl einfach in Kauf genommen werden. Wie groß diese am Ende sein werden, werden aber erst die nächsten Wochen und Monate zeigen. Die Auswirkungen werden uns aber sicher auch noch das ganze Jahr 2021 begleiten. Die derzeitige Momentaufnahme fällt also wenig optimistisch aus."

Zu den Antworten von Oliver Fock, Björn Hoffmann, Hans-Joachim Flebbe, Bernhard zu Castell, Laura Weber, Gregory Theile, Marius Lochmann sowie Christian Langhammer und Christof Papousek.