Kino

Marius Lochmann: "Ab Ostern reelle Chancen, starten zu können"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet der Geschäftsführer der Lochmann Filmtheaterbetriebe.

26.01.2021 07:28 • von Marc Mensch
Marius Lochmann (Bild: Lochmann Filmtheaterbetriebe)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Marius Lochmann, Geschäftsführer der Lochmann Filmtheaterbetriebe:

"Wir sehen ab Ostern wieder reelle Chancen, mit dem Kinobetrieb starten zu können, soweit wir entsprechendes Material haben, das wir zeigen dürfen. Wir haben aus dem ersten Lockdown gelernt, dass die Infektionsrate tendenziell sinken könnte, sobald die Temperaturen steigen. Hinzu kommt, dass die Impfungen nun gestartet sind - von daher erhoffen wir uns durchaus die Chance auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Wir verlieren seit dem zweiten Lockdown die wichtigste Zeit des Jahres. In den betroffenen Monaten steht im Kino normalerweise niemand still, teilweise standen die Besucher bis nach Draußen an. Es ist jeden Tag aufs Neue traurig, in einem leeren Foyer zu stehen - mit dem Wissen, dass dort an einem Samstagnachmittag normalerweise die Hölle los wäre.

Die bislang zugesagten Hilfen, mit denen wir diese Zeit überstehen sollen, waren in meinen Augen bisher eher ein 'Baldrian-Tee' für Unternehmer. Wo einige Unternehmer zunächst Angst hatten, ein zweiter Lockdown würde ihnen finanziell die Existenz kosten, konnten einige durch die versprochenen Unterstützungen zeitweise aufatmen. Wenn die November- und Dezemberhilfe komme, dann gehe das ja noch, so die Auffassung. Die Betonung lag hier auf dem 'wenn' - vergeblich und ungläubig werden einige Kinobetreiber vermutlich noch Wochen und Monate auf ihre Kontoauszüge schauen.Ich denke, dass es in dieser außergewöhnlichen Situation nach wie vor oberste Priorität hat, dass die Infektionszahlen nicht weiter steigen und möglichst viele Betroffene genesen. Dennoch haben wir über dieses höchste Gut der Gesundheit hinaus auch soziale Verpflichtungen, müssen Verantwortung tragen. In unseren Betrieben arbeiten Menschen wie Du und Ich. Menschen für die Kino nicht reine Freizeitgestaltung ist, sondern für ihren Lebensunterhalt sorgt. Leider scheint an dieser Stelle vergessen worden zu sein - wie auch in vielen anderen Branchen - dass wir auch als Freizeit-Dienstleister wirtschaftliche Unternehmen sind. Wir stehen auch unseren Mitarbeiter*innen gegenüber in der Verantwortung, uns um sie und ihre Arbeitsplätze zu kümmern. Daher hoffe ich - insbesondere für Kinobetriebe, die bereits alle Rücklagen aufgebraucht haben - dass die Hilfe kommt. Und zwar schnellstmöglich. Man geht nicht bloß ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um zusammen mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen. Hoffen wir, dass die Branche, dass wir alle bald wieder mehr zu lachen haben."

Die nächsten Antworten kommen von Christian Langhammer und Christof Papousek, Geschäftsführer Cineplexx.

Zu den Antworten von Oliver Fock, Björn Hoffmann, Hans-Joachim Flebbe, Bernhard zu Castell, Laura Weber und Gregory Theile.