Kino

Gregory Theile: "Versprechen werden schlichtweg nicht eingehalten"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet der Geschäftsführer von Kinopolis.

25.01.2021 15:17 • von Marc Mensch
Gregory Theile, Geschäftsführer Kinopolis (Bild: Kinopolis)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Gregory Theile, Geschäftsführer Kinopolis:

"Die Situation der Kinos ist dramatisch und spitzt sich weiter zu. Zunächst einmal ist vollkommen unklar, wann und unter welchen Voraussetzungen wir wiedereröffnen dürfen. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, frühestens Mitte/Ende März den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu dürfen, allerdings wird eine darüber hinaus gehende Zwangsschließung immer wahrscheinlicher. Und obwohl die Politik verstanden haben sollte, wie wichtig eine länderübergreifend koordinierte Eröffnungsstrategie ist, muss befürchtet werden, dass es genauso chaotisch und unabgestimmt ablaufen wird wie nach dem ersten Lockdown. Ob die Kinos diese Phase überleben werden, hängt von den verfügbaren Reserven ab und dem Umfang staatlicher Hilfen, die in Anspruch genommen werden können. Zwar gibt es einzelne Unterstützungen, wie das Kurzarbeitergeld und die bayerische Corona-Anlaufhilfe, die gut funktionieren, bei dem überwiegenden Teil der Förderungen werden größere Unternehmen jedoch massiv benachteiligt, da bestimmte Hilfen gar nicht erst beantragt werden dürfen oder aber eine Deckelung der Hilfen erfolgt. Die Politik macht öffentlichkeitswirksame Versprechen, die schlichtweg nicht eingehalten werden. Am besten lässt sich das anhand der November- und Dezemberhilfe verdeutlichen: das restriktive EU-Beihilferecht führt zu einer Deckelung der Hilfen, sodass wir statt der versprochenen 75 Prozent nicht mal 15 Prozent unseres Umsatzes erstattet bekommen. Die Überbrückungshilfe I und II durften wir aufgrund unserer Größe gar nicht erst beantragen und die Überbrückungshilfe III dürften wir zwar beantragen, haben aber längst den beihilferechtlichen Maximalbetrag erreicht und bekommen somit nicht einen Euro. Was hier stattfindet, ist eine massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der größeren Kinos."

Die nächsten Antworten kommen von Marius Lochmann, Geschäftsführer Lochmann Filmtheaterbetriebe.

Zu den Antworten von Oliver Fock, Björn Hoffmann, Hans-Joachim Flebbe, Bernhard zu Castell und Laura Weber.