Kino

Bernhard zu Castell: "Zu befürchten, dass für Manche die Hilfen zu spät kommen"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet der Chief Distribution Officer von Leonine Studios.

25.01.2021 09:18 • von Marc Mensch
Bernhard zu Castell (Bild: Leonine)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Bernhard zu Castell, Chief Distribution Officer Leonine Studios:

"Wir hoffen auf die Öffnung der Kinos spätestens ab dem zweiten Quartal 2021 und werden den erneuten Start aktiv mit dem Re-Start von 'Yakari', aber auch mit neuen Filmen unterstützen. Ob alle Kinos und Verleiher die Zeit bis zur Wiedereröffnung überbrücken können, ist fraglich - zumal sich die Auszahlung der staatlichen Hilfen stark zu verzögern scheint und die Insolvenzantragspflicht für alle berechtigten Antragsteller nur noch bis Ende Januar ausgesetzt ist. Es ist zu befürchten, dass für Manche die Hilfen zu spät kommen. Wir hoffen, dass durch nunmehr schnelles Handeln eine Insolvenzwelle noch vermieden werden kann, die sowohl Verleiher wie auch Kinobetreiber treffen würde. Wie wir schon im Dezember erwähnt haben, begrüßen wir ausdrücklich alle Bemühungen und staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung von Kultur und Medien. Durch die spezielle Förderung für die coronabedingten Mehrkosten im Frühjahr und den "Neustart Kultur" im Herbst konnten wir einen Teil des massiven Mehraufwands kompensieren. Aktuell gibt es noch keine Regelung, wie mit den Novemberhilfen für die Kinos umgegangen wird, die unter normalen Umständen knapp die Hälfte ihrer Umsätze als Verleihmiete an die Verleiher weitergeben. Dafür muss dringend eine sinnvolle Regelung gefunden werden."

Die nächsten Antworten kommen von Laura Weber, Geschäftsführerin Cinecitta.

Zu den Antworten von Oliver Fock, Björn Hoffmann und Hans-Joachim Flebbe.