Kino

Hans-Joachim Flebbe: "Die Ungerechtigkeit ist himmelschreiend"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet Hans-Joachim Flebbe.

22.01.2021 14:39 • von Marc Mensch
Hans-Joachim Flebbe (Bild: Premium Entertainment)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Hans-Joachim Flebbe, unter anderem Geschäftsführer von Premium Entertainment:

"Ich sitze seit Monaten im Büro und verwalte den Irrsinn. Die Situation erinnert mich an Erzählungen von Kafka. Ich habe meinen Job immer sehr gern und mit Herzblut gemacht, doch, was uns die Regierung heute zumutet, erfüllt mich nur noch mit Wut und Sarkasmus! Was sich diese Ankündigungsweltmeister Scholz und Altmaier leisten, ist eine bodenlose Frechheit. Ich muss den Fernseher ausmachen, wenn wieder von Unterstützungszahlungen und Fördergeldern großspurig die Rede ist. Wenn ich wegschalte, versäume ich nichts. Weil von den Versprechungen eh nichts eingehalten wird. Wer glaubt denn noch, dass angebliche IT-Probleme dafür verantwortlich sind, dass die Novemberhilfe noch nicht bei den mit Berufsverbot belegten Unternehmen angekommen ist? Die ganzen Förderprogramme, die eigentlich Entschädigungszahlungen sind, sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben werden. Wenn man das Kleingedruckte liest, versteht man, warum die beiden Herren das immer gleiche Geld immer wieder neu verteilen können. Wie kann es sein, dass von dem "Wumms"-Paket von 25 Mrd. Euro (im März 2020 verkündet) noch nicht einmal zehn Prozent bei den am Rande der Existenz taumelnden Unternehmen angekommen sind? Denken die Herren, dass das Geld nicht benötigt wird oder steckt eine Absicht dahinter, weil sie das Geld nie wirklich ausgeben wollten? Der größte Skandal sind die Beschränkungen, die Unternehmen mit mehreren Gesellschaften weniger "theoretische" Entschädigungen zukommen lassen, als einem kleinen Einzelbetrieb. Die Ungerechtigkeit ist himmelschreiend. Erfreulicherweise werden Landkino, Arthouse- und Programmkinos großzügig unterstützt, der Mittelstand wird in Stich gelassen. So erzeugt man Wutbürger! Wir werden uns dennoch nicht unterkriegen lassen und werden kämpfen. Ab April geht's wieder los!"

Die nächsten Antworten kommen von Bernhard zu Castell, Chief Distribution Officer Leonine Studios.