Kino

Björn Hoffmann: "Kein Geheimnis, dass ein Ungleichgewicht entstanden ist"

Wann kann angesichts der aktuellen Lage mit einer Wiedereröffnung der Kinos gerechnet werden - und reichen die staatliche Hilfen potenziell aus, um die Zeit noch zu überbrücken? Blickpunkt: Film hat sich unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört. Hier antwortet der Geschäftsführer von Pandora Film.

22.01.2021 10:54 • von Marc Mensch
Björn Hoffmann, Geschäftsführer Pandora Film (Bild: Pandora Film Medien)

Der Lockdown ist (vorerst) bis 14. Februar verlängert, Klagen über ausbleibende Hilfszahlungen reißen ebensowenig ab wie jene über massive Löcher im Sicherheitsnetz, das Bund und Länder unter den vom Lockdown am schwersten Getroffenen auszuspannen versprochen hatten. Immerhin: Bund und Länder stehen im Wort, sich bei der EU-Kommission nachhaltig für eine Anhebung der Beihilfegrenzen einzusetzen, einem kritischen Flaschenhals. Doch Abhilfe an dieser Stelle ist noch Zukunftsmusik.

Wir haben uns unter Kinobetreibern und Verleihern in Deutschland und Österreich umgehört und Ihnen folgende Fragen gestellt: "Ab wann sehen Sie aktuell Chancen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs? Können Kinos und Verleiher den Lockdown unter Berücksichtigung der bislang zugesagten Hilfen bis dorthin überstehen? Und welche Hilfen konnte ihr Unternehmen bereits in Anspruch nehmen?" Über die kommenden Tage hinweg präsentieren wir Ihnen die Antworten (die sie gebündelt auch in Ausgabe 4 von Blickpunkt: Film finden) hier online.

Hier antwortet Björn Hoffmann, Geschäftsführer von Pandora Film:

"Ich rechne inzwischen nicht mehr mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor Ostern. Und auch wenn es dann hoffentlich wieder losgeht, werden wir noch weit von einer 'Vor-Covid19-Realität' entfernt sein. Ich glaube es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass bei den vielfältigen Rettungsbemühungen ein Ungleichgewicht entstanden ist. Während insbesondere die Arthouse-Kinos nun seit zehn Monaten kontinuierlich im Fokus stehen und deren Überleben (zum Glück!) gesichert scheint, steht größeren Kinobetreibern und Ketten das Wasser offenbar bis zum Hals. Auch im Bereich des Verleihs ist die Not nach beinahe elf Monaten Pandemie und davon fünf Monaten Lockdown unsagbar groß. Welche Verwerfungen unserer Branche im Jahr 2021 und 2022 noch drohen, wage ich gar nicht zu prognostizieren. Wenn jedoch mittelfristig Marktteilnehmer im großen Stil wegbrechen, stellt sich für die gesamte Branche die Frage der Daseinsberechtigung bzw. droht dann die Musealisierung. Allerdings habe ich nach vielen konstruktiven Gesprächen mit Förderern, Politik und Branchenvertretern große Hoffnungen, dass endlich eine Gesamtsicht auf die Branche stattfindet und klar ist, dass Produktion, Verleih und Kino jeweils nur Teil eines Gesamtsystems sind und die Rettung Einzelner nicht zielführend ist. Ich denke, es braucht auf Seiten der Förderer und der Politik jetzt weiterhin Gesprächsbereitschaft, Mut zu neuen Lösungen und letztlich viel Geld, wenn man eine vitale und vielfältige deutsche Kinobranche für erstrebenswert erachtet und Kunst und Kultur auch im Kino tatsächlich als Lebensmittel betrachtet. Konkret konnten wir selbst bislang nur das Instrument der Kurzarbeit in Anspruch nehmen, welches sich von Anfang an als extrem hilfreich erwiesen hat. November- und Dezemberhilfen können wir nicht in Anspruch nehmen, da wir die Kriterien nicht erfüllen. Ansonsten zehren wir von unseren Reserven und prüfen momentan die Beantragung der Überbrückungshilfen II und/oder III."

Die nächsten Antworten kommen von Hans-Joachim Flebbe, Geschäftsführer Premium Entertainment.