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ARD beteiligt Dokumentarfilmer an wirtschaftlichem Erfolg ihrer Filme

Die ARD-Sender und die Produzentenallianz haben sich mit der AG DOK und dem Bundesverband Regie auf Vergütungsregeln verständigt, die die Urheber*innen von Dokumentarfilmen am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Filme beteiligt. Es gilt rückwirkend ab 2011.

21.01.2021 08:04 • von Jochen Müller
Die Vorsitzenden der AG DOK: Susanne Binninger und David Bernet (Bild: Amin Akhtar)

Die ARD-Sender und die Produzentenallianz haben sich mit der AG DOK und dem Bundesverband Regie auf ein neues Vergütungsmodell für die Ausstrahlung und Nutzung von Auftragsproduktionen mit einer Länge von 30 bis 90 Minuten geeinigt.

Wie AG DOK und BVR in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklären, werde darin der bisher übliche "Buy-out" mit pauschalen Gagen durch ein Nachvergütungsmodell abgelöst. In dem für Auftragsproduktionen gültigen Modell sind Mindesthonorare und Nachvergütungsansprüche festgelegt. Für Produktionen mit "besonderem Anspruch, etwa investigative Projekte", wie es in der Pressemitteilung heißt, seien zudem Zuschläge von bis zu 50 Prozent auf die Buch- und Regiehonorare vorgesehen. Wiederholungen sollen künftig systematisch erfasst und die Filmemacher*innen prozentual an kommerziellen Erlösen beteiligt werden. In einem nächsten Schritt soll die pauschale Abgeltung der Mediathekennutzung durch ein nutzungsbasiertes Vergütungsmodell ersetzt werden.

Wie AG DOK und BVR betonen, waren sich alle vier Verhandlungsparteien einig, dass die Vereinbarung, die rückwirkend ab 2011 für alle Auftragsproduktionen mit einer Länge von 30 bis 90 Minuten gilt, substanzielle Verbesserungen enthält.

So betonen die Vorsitzenden der AG DOK, David Bernet und Susanne Binninger: "Unser Verband hat seit vielen Jahren die wirtschaftliche Lage von Dokumentarfilmschaffenden analysiert und die oft ungenügenden und für Buch und Regie nicht geregelten Honorare beklagt. Wir freuen uns daher sehr, dass mit dieser Vergütungsvereinbarung ein deutlicher Sprung nach vorne gelungen ist, um vor allem die angemessene Honorierung von Kreativleistung und Nutzung von Urheber-Rechten von Autor*innen und Regisseur*innen unseres Genres zu verbessern. Wir hoffen auf eine rasche und kreativenfreundliche Umsetzung."

Die BVR-Vorstandsmitglieder Cornelia Grünberg und Jobst Oetzmann freuen sich auch über den Abschluss, sehen aber vor allem bei der Honorierung der Mediathekennutzung noch Nachbesserungsbedarf: "Wir freuen uns sehr, dass es uns erstmalig gelungen ist, die AG DOK zusammen mit dem BVR an einen Verhandlungstisch mit der ARD und der Produzentenallianz zur Verbesserung der Vergütung der Dokumentarfilmer*innen zu bringen. Nach intensiven Verhandlungen, in denen wir überzeugend das Missverhältnis von Arbeitsaufwand und Honorierung darstellen konnten, verabschieden wir heute nun ein Ergebnis, das die prekäre Arbeitssituation für viele Dokumentarfilmer*innen deutlich verbessern wird. Dennoch gibt es viel zu tun. Die Bewertung der Mediatheken und ihrer immer stärkeren Nutzung muss ebenso der Realität angepasst werden wie die Bewertung von Arte, KiKA und anderer Spartenkanäle."

Alexander Thies, Vorsitzender der Produzentenallianz, erklärt nach Abschluss der Vergütungsregeln: "Wir sind sehr froh darüber, dass es nach komplexen Gesprächen gelungen ist, die Position der der Autor*innen und Regisseur*innen von dokumentarischen Programmen zu stärken und ihre wichtige Arbeit angemessen zu honorieren. Wir freuen uns über die Bereitschaft der ARD, damit die aus den GVR resultierenden Mehrkosten aus den dafür bereit gestellten Sondermitteln zu finanzieren und damit die Doku-Budgets insgesamt anzuheben."?

?ARD-Justiziar Michael Kühn sieht in der jetzt getroffenen Vereinbarung den Beginn einer neuen Partnerschaft zwischen dem Senderverbund und den Dokumentarfilmer*innen: "Dokumentationen sind prägender und fester Teil in unseren öffentlich-rechtlichen Programmen. Nach intensiven Verhandlungen ist es gelungen, die Honorare der Dokumentarfilmer*innen deutlich anzuheben und eine Nachvergütung für besonders erfolgreiche Dokumentationen einzuführen. Auch aufwendige journalistische Recherchen erfahren stärkere Anerkennung. Die gemeinsamen Vergütungsregeln stellen einen Paradigmenwechsel dar und begründen eine neue Partnerschaft zwischen den Dokumentarfilmer*innen und der ARD."?