Kino

UPDATE: CineStar-Übernahme geplatzt

Mit dem Ablauf einer letzten Frist zur Veräußerung von Standorten hat Vue die vom Bundeskartellamt gesetzten Bedingungen zur Übernahme der CineStar-Gruppe nicht erfüllt. Verkäufer Event wirft Vue Vertragsbruch vor und kündigt juristische Schritte an.

16.12.2020 09:10 • von Marc Mensch
Vue hat die Bedingungen für die CineStar-Übernahme nicht erfüllt (Bild: Matthias Berger)

Auch eine mehrmalige Verlängerung der Frist zur Erfüllung der Auflagen des Bundeskartellamts führte nicht zum Abschluss der Übernahme von CineStar durch Vue. Wie die CineStar-Konzernmutter Event Hospitality & Entertainment heute mitteilte, ist die letzte Frist am 14. Dezember abgelaufen, die Übernahme ist damit geplatzt. Event wirft Vue nun Vertragsbruch vor und kündigt juristische Schritte an.

Wie es in einer Unternehmensmitteilung von Event heißt, hatte Vue die vertragliche Verpflichtung, die Veräußerung von fünf Standorten (ein sechster der abzugebenden Standorte ist bereits nicht mehr Teil der CineStar-Gruppe) abzuschließen, das Bundeskartellamt hatte hierzu eine Frist gesetzt, die Mitte November noch einmal verlängert worden war (wir berichteten), die aber am 14. Dezember endgültig ablief. Allerdings habe Vue die Verkaufsbemühungen einseitig unterbrochen und versucht, die Konditionen der Übernahme nachzuverhandeln.

Event Hospitality & Entertainment stellt in seiner Erklärung fest, dass Vue seiner Ansicht nach in der Lage gewesen wäre, den Prozess der Veräußerung der fraglichen Standorte abzuschließen (es dürften demnach konkrete Kaufangebote vorgelegen haben, Anm.d.Red.), jedoch bewusst gegen die vertraglichen Verpflichtungen verstoßen habe. Die Folge sei, dass es sich nun um eine kartellrechtlich untersagte Transaktion handle.

Event betrachtet das verhalten von Vue als klaren Vertragsbruch und prüfe diesbezüglich nun alle rechtlichen Möglichkeiten. Insbesondere habe die Vereinbarung keinerlei Ausstiegsklausel vor dem Hintergrund unerwarteter Ereignisse beinhaltet, ein Wegfall der Geschäftsgrundlage aufgrund höherer Gewalt (wie einer Pandemie, Anm.d.Red.) sei ausgeschlossen gewesen.

Die Event-Gruppe beschließt ihr Statement damit, dass sie die Anstrengungen und das Engagement der Mitarbeiter von CineStar während der Verkaufsphase sowie ihre weiter Unterstützung anerkenne.

Ergänzend zur Konzernmitteilung wendet sich auch CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock an die Angestellten: "Ich möchte ebenfalls ausdrücklich allen Mitarbeitern in der Zentrale und in unseren Kinos danken. Wir freuen uns auf die Rückkehr der Blockbuster und unserer Gäste im kommenden Jahr."

UPDATE: Auf eine Anfrage von Blickpunkt: Film hat Vue zunächst nicht reagiert. Die Kette befindet sich vor dem Hintergrund der Pandemie selbstverständlich in rauen Fahrwassern - tatsächlich soll Vue einem Bericht der "Times" zufolge Anfang Dezember seinen Vermietern ein Ultimatum zum Aufschub von Mietverbindlichkeiten um bis zu drei Jahre gestellt haben. Sollte letzterer nicht von 90 Prozent der Vermieter akzeptiert werden, werde Vue sämtliche Alternativen erwägen. Laut der "Times" habe einer der Vermieter erklärt, dass dies als Drohung mit einem Insolvenzverfahren zu verstehen sei. Die einwöchige Frist ist mittlerweile abgelaufen, das Ergebnis noch nicht bekannt.