Kino

Michael Rösch: "Ungewöhnlichste Zeit seit unserer Gründung"

Blickpunkt:Film hat eine Umfrage unter deutschen Kinoverleihern gemacht. Es geht um die Planungsunsicherheit aufgrund der aktuellen Corona-Politik und ob finanzielle Hilfen bei den Unternehmen ankommen. Hier antwortet der Geschäftsführer Kinostar Filmverleih, Michael Rösch.

15.12.2020 12:26 • von Michael Müller
Geschäftsführer Kinostar Filmverleih: Michael Rösch (Bild: Kinostar)

Blickpunkt:Film hat eine Umfrage unter deutschen Kinoverleihern gemacht. Es geht um die Planungsunsicherheit aufgrund der aktuellen Corona-Politik und ob finanzielle Hilfen bei den Unternehmen ankommen. Hier antwortet der Geschäftsführer Kinostar Filmverleih, Michael Rösch.

Was bedeutet die unklare Wiedereröffnungsperspektive der Kinos für Ihre Verleiharbeit?

MICHAEL RÖSCH: Insgesamt ist die Pandemie sicherlich die ungewöhnlichste Zeit in den 24 Jahren, seit Kinostar gegründet wurde. Noch immer arbeitet ein Teil unseres Teams von zuhause aus. Und während es bei dem Theatrical Distribution Team Überstundenabbau gab, baut das VoD-Team durch die zahlreichen VoD-Starts Überstunden auf. Im Filmverleih machen uns die vielen Verschiebungen enorme Mehrarbeit. Hatten wir gerade Starts aus dem November in den Dezember geschoben, müssen nun neue Startdaten im Januar mit unseren Partnern abgestimmt und geplant werden. Und wir fürchten, dass dies nicht die letzten Verschiebungen bleiben werden.

Inwieweit konnten Sie Hilfen von Land und Bund in Anspruch nehmen - und können Sie als "mittelbar Betroffener" insbesondere auf Unterstützung durch die sogenannten "Novemberhilfen" bauen?

MICHAEL RÖSCH: Während unseren Kinos vorbildlich unterstützt wurden, erhielt unser Filmverleih bisher nur geringe Zahlungen im Rahmen der Überbrückungshilfen 1 und durch Kurzarbeitergeld. Wir haben am Donnerstag mit der MFG Filmförderung und den anderen Verleihern in Baden-Württemberg einen runden Tisch zu dem Thema Unterstützung von Filmverleihern in der Corona-Krise und freuen uns sehr, dass die MFG Filmförderung hier aktiv ist. Wir hatten lange das Gefühl, dass FFA und BKM die Belange insbesondere der unabhängigen Verleiher aus dem Blick verloren haben. Verleiher sind jedoch, genau wie Kinos und Produzenten, essentiell für eine funktionierende Filmindustrie. Nicht zuletzt über unseren Verband AG Verleih versuchen wir, die unabhängigen Verleiher wieder mehr ins Bewusstsein der Entscheidungsträger zu rufen. Insgesamt sind wir sicher, dass es Kino immer geben wird und das Kino eine große Zukunft hat. Gerade zwischen den Lockdowns hat sich trotz mangelndem Programmangebot und trotz der zahlreichen Streaming-Angebote gezeigt, wie groß der Hunger des Publikums ist, Filme auf der großen Leinwand mit Gleichgesinnten zu erleben. Es wird aber weiter auch in 2021 die Hilfe des Bundes und der Länder notwendig sein, um die Zukunft des Kinos zu gewährleisten - für Kinos, Produzenten und Verleiher.