Kino

Experten sehen globales Boxoffice um fast drei Viertel schrumpfen

Kurz vor dem Ende des Katastrophenjahres 2020 hat das Marktforschungsunternehmen Omdia Prognosen zur weltweiten Entwicklung der Kinoumsätze veröffentlicht. Teil der Betrachtung ist auch ein Blick auf die durch Kinoschließungen vorangetriebenen Auswertungsexperimente - wobei Omdia auch eine konkrete Zahl zum Umsatz mit PVoD-Auswertungen nennt.

10.12.2020 15:38 • von Marc Mensch
Der derzeitigen Prognose von Omdia zufolge wäre das globale Boxoffice-Level des Vorjahres in etwa 2023 wieder erreicht (Bild: Omdia)

Auch wenn das Kinojahr 2020 über weite Strecken ohne lückenlose Berichte auskommen musste, lässt sich zumindest grob überschlagen, was die Pandemie und dadurch bedingte monatelange Kinoschließungen, langfristige Verschiebungen von Neustarts und das Ausweichen auf alternative Auswertungswege mit dem weltweiten Boxoffice anstellen werden: Kurz vor Ende dieses Katastrophenjahres hat das Marktforschungsunternehmen Omdia eine Prognose veröffentlicht, die so dramatisch ausfällt, wie es nicht anders zu erwarten war.

Demnach werden die globalen Ticketumsätze gegenüber 2019 um rund 32 Milliarden Dollar nach unten rauschen, das wäre ein Einbruch um 71,5 Prozent oder fast drei Viertel. Das Minus läge damit deutlich höher, als noch in der frühen Phase der Pandemie prognostiziert, bewegt sich aber im Rahmen der Erwartungen, die im Lauf der vergangenen Monate immer düsterer wurden, nachdem vor allem in den wichtigsten US-Märkten das Kinogeschäft seit März nie zum Laufen kam.

Auf der anderen Seite der Skala steht natürlich das VoD-Geschäft, das auch ohne Pandemie gewachsen wäre. Laut Omdia stehe zu erwarten, dass die weltweiten SVoD- und TVoD-Umsätze zusammen um rund 30 Prozent auf 34 Milliarden Dollar steigen werden. Dabei spielt Premium VoD allerdings offenbar eine geringere Rolle, als man nach ersten Erfolgsmeldungen zu Trolls World Tour hätte vermuten können, insgesamt soll diese Auswertungsform für 630 Mio. Dollar an Umsatz gestanden haben, wobei aus der kurzen Mitteilung von Omdia nicht hervorgeht, wie diese Summe erhoben wurde und auf welche Titel sie sich verteilt.

Selbstverständlich hat die Pandemie schon im Verlauf des Jahres 2020 deutliche Spuren am Kinofenster hinterlassen - und nach derzeitigem Stand scheint sich die Entwicklung 2021 massiv zu Ungunsten eines exklusiven Leinwandzeitraums zu beschleunigen. Wobei Omdia darauf hinweist, dass das grundlegende Phänomen kein Neues ist - und den Kinos bislang auch nicht zu schaden schien. So hätte sich das durchschnittliche Fenster zwischen dem Start der Kino- und der Heimvideoauswertung in den USA über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg um gut einen Monat verkürzt, die Ausgaben der US-Konsumenten für das Kino hätten sich im selben Zeitraum aber um rund 50 Prozent erhöht.

Mit der Pandemie gingen indes andere Modelle wie PVoD auf den Vormarsch, die Analysten von Omdia gehen allerdings davon aus, dass diese eher auf ausgesuchte Titel Anwendung finden werden, als dass sie das Kinofenster völlig ersetzen werden.

Laut Maria Rua Aguete (Senior Director, Media and Entertainment bei Omdia) habe COVID-19 die Studios in die Lage versetzt, mit Distributionsmodellen wie PVoD oder direkter Streamingauswertung zu experimentieren, ohne dabei die Beziehungen zu den Partnern in gleicher Weise aufs Spiel setzen zu müssen, wie dies bei früheren Vorstößen der Fall war. Dabei habe man vorwiegend nicht den Weg eingeschlagen, etablierte Verwertungsformen wie SVoD zeitlich nach vorne zu ziehen, sondern versucht, sich unter anderem mit Premium VoD neue Umsatzkanäle für bereits produzierten Content zu erschließen (der nicht auf Leinwänden ausgewertet werden konnte). Aguete spricht dabei ausdrücklich von "temporären" Lösungen.

Aktuellen Prognosen von Omdia zufolge wird das weltweite Boxoffice mit dem (potenziellen) Ende der Pandmie wieder deutlich Fahrt aufnehmen (siehe Grafik), das Niveau des Vorjahres wäre demnach in etwa 2023 wieder erreicht.