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Netflix-Wochencharts: "ÜberWeihnachten" phänomenal stark

Höhenflug für die deutsche Serie "ÜberWeihnachten", Startschwierigkeiten für Hazel Brugger und David Fincher sowie ein Knicks vor "Das Damengambit".

07.12.2020 07:28 • von Michael Müller
Netflix-Erfolge: "ÜberWeihnachten" (l.o.), "Das Damengambit" (l.u.) und "Virgin River" (r.u.) (Bild: Netflix)

Es wirkte mutig, den Moderator und Comedian Luke Mockridge ohne großartige Schauspielerfahrung in der Hauptrolle der Miniserie "ÜberWeihnachten" zu besetzen. Das Wagnis hat sich aber für die Produktionsfirma Brainpool TV und den Streamingdienst Netflix voll und ganz ausgezahlt. An fünf Tagen stand das Format vergangenene Woche in Deutschland auf Platz eins, holte somit 68 von 70 möglichen Punkten und setzte sich mit klarem Vorsprung vor der neugestarteten Serie "Virgin River" (57 Punkte) auf den Thron der Wochencharts. "ÜberWeihnachten" ist hauptsächlich ein deutschsprachiges Phänomen. Die Adaption von Christian Hubers Roman "7 Kilo in 3 Tagen" stand zwar einen Tag lang auch in der französischen Serien-Top-Ten. Aber die Erfolgszahlen beschränkten sich doch vornehmlich auf Deutschland und Österreich sowie teils auch auf die Schweiz und Luxemburg.

Nun versucht der Schreiber dieser Zeilen, nicht allzu häufig seine persönliche Meinung in die Wochencharts einfließen zu lassen. Im Falle der Miniserie "Das Damengambit" will ich aber, nachdem ich die sieben Folgen genussvoll langsam nachgeholt habe, nur betonen, dass jeglicher Hype um dieses Erfolgsformat gerechtfertigt ist. Zum Jahresabschluss - "Das Damengambit" steht nach meiner Auswertung auf Platz vier der deutschen Jahrescharts; es fehlt noch ein Pünktchen auf "The Umbrella Academy" - bleibt mir nur die Prognose für 2021, dass wir die schachspielende Protagonistin Beth Harmon (Anya Taylor-Joy) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei den nächsten Golden Globes und Primetime Emmys wiedersehen werden. Dann kann auch Deutschland die Daumen drücken, weil nicht nur der deutsche Koproduzent Uwe Schott zum Team gehört, das erstaunlich viele Motive der Serie in und um Berlin fand. Auch gerade Uli Hanisch ("Babylon Berlin") als Production Designer und Gabriele Binder ("Werk ohne Autor") als Costume Designer werden durchaus vielversprechende Chancen auf eine Nominierung haben.

Gut in die deutschen Wochencharts eingestiegen ist auch die zweite Hälfte der vierten Staffel der Animationsserie "Rick & Morty" (32 Punkte) und der Spielfilm "John Wick" (29 Punkte). Enttäuschend verlief dagegen der Start für das Stand-up-Special "Hazel Brugger: Tropical", das deutlich unter den Zahlen von "Felix Lobrecht: Hype" performt und seit dem Launch am 2. Dezember noch kein einziges Mal in der Tages-Top-Ten auftauchte. Das gilt auch für den Oscar-Kandidaten "Mank". Zu diesem ließe sich sogar weltweit festhalten, dass er hinsichtlich der Top-Ten-Listen leider einen der schwächsten Starttage aller Original-Netflix-Filme 2020 hatte. Auch in Deutschland stand er bislang noch nicht in der Tages-Top-Ten. Wie schon bei "The Trial of the Chicago 7" zeigt sich, dass diese Werke deutlich besser gefahren wären, wenn sie für die Aufmerksamkeit eine klassische Oscar-Kampagne mit Festivalstart und breiterer Kinopremiere gefeiert hätten. Schwarzweißfilme mit Meta-Film-Thematik und Gary Oldman in der Hauptrolle sind auch auf Netflix keine Selbstläufer. Vor allem, wenn die dazugehörigen Oscars erst im April 2021 vergeben werden.

Deutsche Top Ten (KW49):

01. ÜberWeihnachten (68 Pkt.)

02. Virgin River NEU (57 Pkt.)

03. Rick & Morty NEU (32 Pkt.)

03. Assassin's Creed (32 Pkt.)

05. John Wick NEU (29 Pkt.)

06. Star Trek: Discovery (24 Pkt.)

07. Die Bestie NEU (23 Pkt.)

08. Das Damengambit (22 Pkt.)

09. American Horror Story (19 Pkt.)

10. The Christmas Chronicles 2 (18 Pkt.)

10. Außerirdische Welten NEU (18 Pkt.)

Netflix veröffentlicht sei Ende Februar 2020 täglich nach Beliebtheit sortierte Top-Ten-Listen. In den deutschen Wochencharts sind diese hier jetzt nach einem Punktesystem aufgeschlüsselt und zusammengezählt worden. Dabei erhält der Erstplatzierte zehn Punkte, der Zweitplatzierte neun Punkte und so weiter. Natürlich können so besonders große Zuschauerabstände zwischen den Platzierungen nicht erfasst werden. Da die Netflix-Nutzer aber vor allem Serien und Filme in Schüben schauen, bildet diese Top Ten gut den Trend ab, welche Unterhaltungsprodukte aktuell am populärsten sind.