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Produktion

Preview: "The Prom" von Ryan Murphy

Am 11. Dezember startet Netflix pünktlich kurz vor dem Fest der Liebe die nächste große Nummer, Ryan Murphys Adaption des Broadway-Musicals "The Prom". Meryl Streep, Nicole Kidman und James Corden spielen die Hauptrollen in diesem unwiderstehlichen Fest der Inklusion. Hier unsere Besprechung.

03.12.2020 14:37 • von Thomas Schultze
When they go low, we go Broadway: Meryl Streep und James Corden in "The Prom" (Bild: Netflix)

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Am 11. Dezember startet Netflix pünktlich kurz vor dem Fest der Liebe die nächste große Nummer, Ryan Murphys Adaption des Broadway-Musicals The Prom". Meryl Streep, Nicole Kidman und James Corden spielen die Hauptrollen in diesem unwiderstehlichen Fest der Inklusion. Hier unsere Besprechung.

Überschäumendes Musical über ein Quartett von Broadway-Schauspielers, die einem lesbischen Mädchen vom Land helfen, ihren Abschlussball besuchen zu dürfen.

Inklusion in jeder denkbaren Form ist das eine große Thema von Ryan Murphy, eine unverhandelbare, feststehende Größe seines imposanten Gesamtwerks. Schon in frühen Erfolgen wie Nip/Tuck", Glee" oder American Horror Story" spielte die Akzeptanz aller sexueller Orientierungen und Ethnien eine zunehmend wichtige Rolle. Seit seinem umfassenden Deal mit Netflix im Jahr 2018, der ihn zu einem der mächtigsten Kreativen des Hollywoods der Gegenwart werden ließ, ist das Zelebrieren von Inklusion das einzige Thema der zuckersüßen, knallbunten und regelrecht aufdringlich artifiziellen Konfektionen, die stets unverkennbar Murphy sind, ob er nun "lediglich" Schöpfer und Produzent ist oder auch als Regisseur auftritt. Wer braucht schon Zurückhaltung, wenn man seinen Kuchen auch so essen kann?

Der Erfolg gibt Ryan Murphy Recht, der sich den Höhepunkt eines geschäftigen Jahres bis zum Schluss aufgehoben hat, mit der von ihm selbst inszenierten Filmadaption des Erfolgsmusicals "The Prom" von Matthew Sklar und Chad Beguelin ("Elf - The Musical"), das es auf sieben Tony-Nominierungen brachte und an den Theaterkassen durch die Decke ging. Wie man auf diese ebenso hemmungslose wie unwiderstehliche Konstruktion mit ihrem bedingungslosen Sendungsbewusstsein reagiert, hängt davon ab, wie man allgemein zur Arbeit Murphys steht. Seine üblichen Trademarks sind alle da: Junge Männer sehen aus wie römische Statuen; junge Frauen sind schick und modern gekleidet, als gäbe es die hippen Boutiquen des S. Robertson Blvd. auch in Flyover-Country; die Palette wirkt, als hätte man einen Film von Douglas Sirk mit den grellsten Farben angemalt, als stünde Almodovars Stilversessenheit unter Dauerstarkstrom. Realität ist optional, solange der Plot funktioniert und die Message ankommt. Wer gut ist, ist gut. Wer böse ist, ist böse, erhält aber eine Chance, vielleicht doch wieder gut zu werden. Können wir nicht alle Freunde sein?

Zur Verstärkung hat Murphy ein paar der größten Stars mitgebracht, die die Traumfabrik gegenwärtig im Angebot hat: Meryl Streep! Nicole Kidman! "Late Night"-Teddybär James Corden! Als Broadwaystars auf dem absteigenden Ast treten sie eine Reise ins Hinterland an, um ihr ramponiertes Image als oberflächliche Narzissten aufzumöbeln, indem sie einem lesbischen Mädchen helfen, doch noch auf den Abschlussball gehen zu können - der ausgerechnet von der Frau torpediert wird, die die unwissende Mutter der Geliebten des Mädchens ist. So viel Lametta war nicht mehr seit den Mamma Mia!"-Filmen. Jederzeit rechnet man damit, dass auch noch Cher und Nathan Lane für eine Musiknummer vorbeischauen könnten. Streep und Corden machen aber einen ganz guten Vertretungsjob. Es wird gelacht und geweint, gesungen und getanzt, Inklusion gefeiert und Verständnis geübt; verhärtete Fronten werden aufgeweicht und Menschen lernen dazu. So sehr man sich auch wehren und sträuben mag, irgendwann gibt man auf und lässt sich mitreißen von diesem Mahlstrom guter Laune, positiver Botschaften, genussvollem Overactings und mit Inbrunst geschmetterter Revuenummern. Was auch das Verdienst ist von Jo Ellen Pellman als Mädchen Emma - eine echte Entdeckung inmitten all des Glitzers und der Pailletten: Sie erdet das Geschehen, ihre Emotion ist echt, ihre Bedürfnisse sind real. When they go low, we go Broadway: "The Prom" zeigt dem Trumpismus, wo der Ausgang ist. Und schmeißt dem kommenden Präsidenten jetzt schon eine Inaugurationsparty, die sich gewaschen hat. This is America! Dies sind die VEREINIGTEN Staaten von Amerika!

Thomas Schultze