Anzeige

Kino

Auszeichnung für Caroline Links "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl"

Bei einer online stattfindenden Preisverleihung wird Caroline Links "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" mit dem Clio 2020-Preis des moving history - Festival des historischen Films Potsdam ausgezeichnet.

02.12.2020 10:33 • von Jochen Müller
"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" wird mit dem Clio 2020-Preis ausgezeichnet (Bild: Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner)

Anzeige

Caroline Links "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" wird am 12. Dezember mit dem Clio 2020-Preis des moving history - Festival des historischen Films Potsdam ausgezeichnet. Das teilt das Festival, das den mit 5.000 Euro dotierten, vom Filmpark Babelsberg gestifteten Preis in diesem Jahr zum dritten mal an ein "herausragendes Werk der Filmproduktion zu einem historischen Thema" vergibt, heute mit.

Zur Begründung erklärt die Jury: "Die Verfolgung der europäischen Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus war im Film und Fernsehen der Nachkriegszeit zunächst allenfalls ein randständiges Thema. Mit der zunehmenden Konjunktur seit den 1970er Jahren ging dann allerdings auch ein Prozess einher, den man als Ikonisierung und Stereotypisierung charakterisieren könnte: Jeder kennt die dokumentarischen und inszenierten Bilder von Massenaufmärschen, fanatischen Nazis, marodierenden SA-Trupps und psychopathisch überzeichneten SS-Männern - ganz zu schweigen von den verbreiteten 'Ikonen der Vernichtung' (Cornelia Brink) wie etwa dem Tor von Auschwitz. Diese Bilder sind heute häufig Teil von Überwältigungsdramaturgien, die kaum Raum für eine reflexive Auseinandersetzung mit Geschichte lassen.

Nichts davon findet sich in Caroline Links Verfilmung von Judith Kerrs autobiographischem Roman 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl'. Stattdessen sehen wir vor allem zu Anfang Bilder wie aus einer Urlaubsidylle, und die Verleiher von Nazi-Uniformen haben an diesem Film garantiert keinen Cent verdient. All das, was in der visuellen Erinnerungskultur von heute die Zeit des Nationalsozialismus ausmacht, fehlt. Damit einher geht die Abwesenheit von emotionaler Überwältigung. Unrecht und Gefahr, Verfolgung und Angst bestimmen stets die Realität der Familie, aber sie bleiben mehr oder minder latent, was sie eher noch wirkungsvoller macht, und sie werden zudem durch die kindliche Perspektive gebrochen.

Letztere ist auch dafür verantwortlich, dass 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl' ein Familienfilm im besten Sinne ist, nämlich ein Film für Erwachsene und Kinder, der sich trotzdem nicht in Harmlosigkeit verliert. Vielmehr leistet er historische Aufklärung gerade auch für Kinder und Jugendliche. Was Flucht und Exil bedeuten, der Verlust von Zugehörigkeit, Sicherheit und Unbeschwertheit, wird hier auch für jene greifbar, für die Politik und Geschichte noch eher abstrakte Größen sind. Geschichte wird so nahbar: Sie erscheint viel weniger als abgeschlossene, »dunkle« Vergangenheit einer überwundenen Epoche, denn als Normalität, die jeden treffen kann und die für Flüchtlinge auch in der Gegenwart bittere Realität ist.

Überzeugt hat die Jury nicht nur, wie stimmig all dies auf ästhetischer und dramaturgischer Ebene umgesetzt ist. Beeindruckt hat uns auch der Mut, sich bei diesem schwierigen Thema den etablierten diskursiven Mustern und damit eben auch dem Mainstream gesellschaftlicher Erwartungen und Vermarktungslogiken zu entziehen."

Corona-bedingt findet die Verleihung am 12. Dezember um 12 Uhr online unter www.moving-history.de statt. Dabei werden Caroline Link und Laudatorin Susan Neiman (Direktorin des Einstein Forum Potsdam) ein Gespräch über den Gewinnerfilm führen. Außerdem wird ein Video-Grußwort von Noosha Aubel, Beigeordnete Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Landeshauptstadt Potsdam online zur Verfügung gestellt.