Produktion

Nachruf auf Karlheinz Ganzer: Abschied von einem bayerischen Urgestein

Völlig überraschend starb am 26. November der erfahrene Herstellungs- und Produktionsleiter Karlheinz Ganzer im Alter von 64 Jahren. Ganzer kann auf eine Karriere im Film verweisen, die vier Jahrzehnte umfasst. Gabriele Walther von Caligari Film, die gerade erst bei "Pan Tau" ein letztes Mal mit dem Urbayern zusammenarbeitete, hat einen persönlichen Nachruf verfasst.

01.12.2020 12:10 • von Thomas Schultze

Völlig überraschend starb am 26. November der erfahrene und in der gesamten Branche weithin geschätzte Herstellungs- und Produktionsleiter Karlheinz Ganzer im Alter von 64 Jahren. Ganzer kann auf eine Karriere im Film verweisen, die vier Jahrzehnte umfasst. Gabriele Walthervon Caligari Film, die gerade erst bei "Pan Tau" ein letztes Mal mit dem Urbayern zusammenarbeitete, hat einen persönlichen Nachruf verfasst.

NACHRUF

Abschied von einem bayerischen Urgestein

Für uns alle unfassbar ist Karlheinz am 26. November völlig unerwartet verstorben.

Karlheinz rauchte nur selbstgedrehte Zigaretten, trank morgens einen Tee, trug Haferlschuhe und, wenn es regnete, einen Filzhut auf dem Kopf. Verwurzelt im Niederbayerischen waren es immer wohlgewählte Elemente der bayerischen Tracht, ob Weste oder Janker, die sein äußeres Erscheinungsbild prägten. Karlheinz war dem Klassischen verbunden, im Sommer kam er mit einer Bonneville Triumph zum Drehort, für seinen Aktenkoffer, eine alte abgewetzte Trambahnschaffnertasche, hatte er auf den Gepäckträger eine Weinkiste geschraubt. Bei schlechtem Wetter fuhr er nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und sein Anfahrtsweg war oft weit, denn am liebsten lebte er in Niederbayern, in einer handyfreien Zone, und war dann auch nur über Festnetz zu erreichen.

Wer ihn kannte und mit ihm gearbeitet hat, wird ihn aufs schmerzlichste vermissen, denn Karlheinz zeichnete ein instinktives Gespür für menschliche und fachliche Qualitäten aus. Viele seiner Teammitglieder sind zu seiner Filmfamilie geworden und haben großartige Projekte gemeinsam mit ihm gestemmt. Loyalität und Bodenständigkeit waren die Werte, die er verkörpert hat. In Fragen der Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Wirkung scheute er keine Auseinandersetzung. Wer solche Gespräche mit ihm führte, dem wurde bewusst, dass er sich bis ins Detail auskannte, nie unverhältnismäßige Forderungen formulierte, sondern stets ein Dialogpartner für kreative wie technische Lösungsansätze war.

Er war ein Mann der klaren Worte, direkt und ehrlich, und oft hätte ich gerne von ihm gehört, dass das Budget noch für weitere Autofahrten, exotische Tiere oder mehr Komparsen reicht, aber dem war nicht so, es sei denn wir finden gemeinsam eine Lösung. Mit aller Fairness, Sachverstand und Liebe zum Film gab es die immer, und dafür danke ich Dir!

In Zeiten der Pandemie sind es die Herstellungs- und Produktionsleiter, deren Sachverstand es zu verdanken ist, dass man die zusätzliche logistische Herausforderung stemmen kann, damit Schauspieler, Teams und Produzenten möglichst unbeschadet weiterarbeiten können. Auch dafür sei Dir ganz besonders für die zahlreichen Drehtage in diesem Jahr gedankt.

Einer Persönlichkeit wie Karlheinz wird keine Beschreibung gerecht. Man musste ihm begegnen und mit ihm einen Schnaps trinken - seinen Selbstgebrannten. Und da Karlheinz nie halbe Sachen gemacht hat, gehörten auch seine Schnäpse zu den prämierten.

Die Obstbäume wachsen auf seinem Hof in Niederbayern. Dort hat er ein zu Hause geschaffen für seine Töchter Franziska und Katharina. Und dort steht auch die alte Mühle, deren Ausbau seine ganze Liebe galt. Das einzig unvollendete Werk von Karlheinz, der mir erzählte, dass er seine Karriere im Film bei der ¿Unendlichen Geschichte¿ begonnen hatte.

Lieber Karlheinz, Du warst ein Lebensmensch für viele deiner Wegbegleiter, und es braucht mehr als einen Schnaps, um damit klarzukommen, dass Du jetzt auch nicht mehr ans Festnetz gehst.

Gabriele Walther

Produzentin, Geschäftsführerin Caligari Film