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Produktion

Review: "ÜberWeihnachten" mit Luke Mockridge

Seit heute kann man "ÜberWeihnachten" auf Netflix sehen. In der Hauptrolle des Feiertags-Dreiteilers von Tobi Baumann spielt erstmals Star-Comedian Luke Mockridge. Hier unsere Besprechung.

27.11.2020 16:12 • von Thomas Schultze
Trauriger, lustiger Weihnachtsmann: Luke Mockridge in "ÜberWeihnachten" (Bild: Netflix)

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Seit heute kann man ÜberWeihnachten" auf Netflix sehen. In der Hauptrolle des Feiertags-Dreiteilers von Tobi Baumann spielt erstmals Star-Comedian Luke Mockridge. Hier unsere Besprechung.

Netflix-Weihnachts-Dreiteiler mit Star-Comedian Luke Mockridge, der als erfolgloser Musiker über die Feiertage zu den Eltern in die Provinz reist.

Ob man schon von einer Tradition sprechen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden: "ÜberWeihnachten" von Tobi Baumann nach der Romanvorlage "7 Kilo in 3 Tagen" von Christian "Pokerbeats" Huber ist jedenfalls schon der zweite originale deutsche Feiertags-Dreiteiler, nachdem vor einem Jahr bereits Kati Eyssens Zeit der Geheimnisse" an den Start gegangen war. In beiden Shows geht es um Familientreffen, womit sich die Gemeinsamkeiten aber erschöpfen: Baumanns drei Mal 45 Minuten ergreifen vor allem die Gelegenheit beim Schopf, den Star-Comedian Luke Mockridge als Schauspieler zu etablieren. Seit knapp einem Jahrzehnt zählt der Deutsch-Kanadier mit einer Fülle von Live-Programmen, Stand-up-Auftritten und Fernsehprogrammen sowie eigenem YouTube-Kanal zu den beliebtesten Spaßmachern in Deutschland und wagt nun den logischen Schritt in die Fiktion.

Mit Baumann hat er sich den richtigen Mann an seine Seite geholt: Als Regisseur, der erste Gehversuche bei Ladykracher" machte, im Kino mit Der Wixxer" mit Oliver Kalkofe einen Hit landete, als Produzent und Regisseur Pastewka" mitformte und zuletzt als Geschäftsführer des Fiction-Labels Brainpool Pictures fungierte, hat er in den letzten 20 Jahren wiederholt das richtige Gespür für deutsche Comedy bewiesen und dem ein oder anderen Comedian den Weg geebnet von der Bühne vor die Kamera. Nun also Luke Mockridge: Die eigentliche Überraschung ist, dass "ÜberWeihnachten" keine Gagparade ist. Im Gegenteil. Zwar ist der Dreiteiler humorvoll und leicht erzählt, und den einen oder anderen Lacher gibt es auch, aber vor allem will die Story zu Herzen gehen, emotional berühren, ein bisschen auch auf die Tränendrüse drücken, wie es sich für eine klassische deutsche Weihnachtsgeschichte gehört.

Um den notorisch erfolglosen Liedermacher Bastian geht es, der aus Berlin zu den Feiertagen die Heimreise antritt zur Family in ein malerisches Dörfchen in der Provinz. Ein paar Kamerafahrten durch die Straßen und ein oder zwei Postkartenansichten, und schon glaubt man selbst, sich dort auszukennen wie in der eigenen Westentasche. Wie es sich für diese Art von Narrativ gehört, werden schnell Probleme angehäuft, die es im Verlauf von drei Tagen - jeder Tag eine Folge, jeweils begleitet von einer jeweils anderen, der Stimmung angepassten Version eines eingängigen Songs, den man beim dritten Teil mühelos mitsingen kann - zu lösen gilt. Der Bruder (Lucas Reiber) hat mit der Ex (Cristina do Rego) von Basti angebandelt, obwohl der die Trennung noch längst nicht überwunden hat. Die Eltern (Johanna Gastdorf, Rudolf Kowalski) halten ein paar weitere Überraschungen bereit. Und auch Bastis alte Freunde von einst haben jeweils ihr Päckchen zu tragen.

Es ist also viel geboten in dieser auf den ersten Blick trügerisch brav und konventionell erzählten Xmas-Ballade, in der Luke Mockridge eine so trügerisch brave und konventionelle Figur spielt. Sein Basti ist ein Stoffel, eine von Selbstmitleid in seiner eigenen Stasis gefangene, fast traurige Figur. Wie er aus seiner eigenen Eiszeit ausbricht, den Blick wieder nach vorne richtet, das erzählt "ÜberWeihnachten" gefällig und sympathisch, ein bisschen sentimental, auch wenn der Puls selten spürbar in die Höhe getrieben wird. Mockridge macht seine Sache gut, man nimmt ihm seine Figur als Jedermann immer ab. Die eigentliche Entdeckung ist aber Seyneb Saleh als Zuckerbäckerin Katrina, ein Mädchen aus Bastis Vergangenheit, die ihn mit ein paar gezielten Arschtritten in die Realität zurückholt: Wenn sie im Bild ist, strahlt "ÜberWeihnachten", wie es sich für eine Weihnachts-Miniserie gehört.

Thomas Schultze