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Kino

Kurzfilmpreisgewinnerin Borbála Nagy: "Kino als Ort zum Treffen ist unglaublich wichtig"

Borbála Nagy hat den Deutschen Kurzfilmpreis in der Kategorie Spielfilm von mehr als 10 Minuten bis 30 Minuten Laufzeit für "Land of Glory" gewonnen. Sie ist Studentin der DFFB, die als ausrichtende Filmhochschule den Deutschen Kurzfilmpreis 2020 ausgerichtet hat. Im Interview mit Blickpunkt: Film erzählt sie, was ihr die Auszeichnung bedeutet und wie sehr Corona die Kurzfilmszene durcheinandergewirbelt hat.

26.11.2020 15:54 • von Barbara Schuster
Große Freude bei Borbála Nagy (Bild: Deutscher Kurzfilmpreis)

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Borbála Nagy hat den Deutschen Kurzfilmpreis in der Kategorie Spielfilm von mehr als 10 Minuten bis 30 Minuten Laufzeit für "Land of Glory" gewonnen (wir berichteten). Sie ist Studentin der DFFB, die als ausrichtende Filmhochschule für die Durchführung verantworltlich zeichnete. Im Interview mit Blickpunkt: Film erzählt sie, was ihr die Auszeichnung bedeutet und wie sehr Corona die Kurzfilmszene durcheinandergewirbelt hat.

Herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Kurzfilmpreis! Wie haben Sie die Online-Zeremonie erlebt?

Ich glaube, ich war zu Hause weniger aufgeregt als bei einer Live-Veranstaltung vor Ort. Es wäre anders gewesen, wenn wir alle zusammen gewesen wären. Dann hätten wir auch danach noch miteinander reden können. Das wäre schön gewesen. Vielleicht kann man das noch in irgendeiner Form nachholen. Aber ich fand es eigentlich ganz schön und es freut mich total, dass es überhaupt stattfinden konnte.

Die Corona-Krise hat die komplette Filmwirtschaft auf den Kopf gestellt und sorgt auch in der Auswertungsstruktur für Veränderungen. Inwiefern hat die Corona-Krise auch die Kurzfilm-Szene getroffen und persönlich Ihr Arbeiten?

Generell ist es sehr schwierig und kompliziert geworden zu drehen. Es gibt Extra-Kosten, die sich No-Budget- und Low-Budget-Filme nicht leisten können. Das ist schade, weil vieles, was vielleicht spannend oder wichtig wäre, nicht gedreht werden kann. Das ist eine Art Benachteiligung für die Menschen in der Branche, die nicht über dieses Geld verfügen. Ich finde das Kino als Ort zum Treffen und zum Sich-Austauschen unglaublich wichtig. Deswegen ist es super, dass es mit diesem Preis diesen Ersatz gibt, wir uns zumindest Online sehen und austauschen können. Ich hoffe sehr, dass im Frühling oder spätestens im Sommer so eine Art neue Normalität zurückkommt oder neu entsteht und vor allem, dass die Kinos nicht schließen.

Stichwort Festivals: Viele Festivals experimentieren nun mit Online-Veranstaltungen. Wie beurteilen Sie diesen Schritt? Wird der Kurzfilm von Festivals gebührend gewürdigt?

Ja, auf jeden Fall. Kurzfilme haben es ansonsten schwer, ihren Platz zu finden. Es gibt nur die Filmfestivals und dann die Online-Ausstrahlungen. Früher gab es in Ungarn in den Kinos Vorfilme, Kurzfilme vor dem Langspielfilm. Das ist irgendwann verloren gegangen, obwohl es sehr schön war. Man könnte diese Tradition wiederbeleben, vor jedem Langspielfilm einen "Begleitungsfilm" zu zeigen, damit Kurzfilme auch wieder mehr in den Kinos gezeigt werden.

An was arbeiten Sie derzeit? Ist für Sie der Kurzfilm ein Sprungbrett zum abendfüllenden Format oder werden Sie dem Kurzfilm treu bleiben?

Ja, ich entwickle gerade das Drehbuch für meinen ersten Langspielfilm, in den das Preisgeld, das ich mit der Lola gewonnen habe, auch fließen wird. Entweder in die Entwicklung oder in die Produktion.

Wo sehen Sie sich als Filmemacher in diesem sich radikal ändernden Marktumfeld?

Ich sehe mich selbst eher klassisch im Kino und im Kinofilm-Bereich. Ich würde aber auch gern mal eine Serie schreiben. In der Regel inszenieren die Autoren einer Serie diese aber nicht. Aber mein Geheimwunsch ist, dass ich irgendwann eine Serie schreibe und sie auch inszeniere für einen großen Streamingdienst wie Netflix oder HBO. Irgendwann. Das würde ich gern machen, denn bei einer Serie hat man mehr Zeit für die Figuren. Das finde ich wahnsinnig spannend, wenn man über zehn Episoden mit jeweils einer Stunde, also zehn Stunden Zeit hat, die Figuren zu vertiefen und mit ihnen mitzugehen. Es wäre schön, wenn ich beides - Kino und Serie - kombinieren könnte.