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Kino

"Es wäre der letzte Stoß in den Abgrund"

Der HDF hat sich vor den morgen anstehenden Beschlüssen zu weiteren Corona-Maßnahmen mit einem eindringlichen Appell an die Bundeskanzlerin, die Minister*innen und die Ministerpräsident*innen gewandt. Ein Ziel: Wenigstens die massive Planungsunsicherheit, die Beschlüsse nach Maßgabe der aktuellen Vorlage bedeuten würden, noch abzuwenden.

24.11.2020 14:36 • von Marc Mensch
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: HDF Kino)

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Wieder einmal stehen Entscheidungen von Bund und Ländern zu weiteren Corona-Maßnahmen an. Und wieder einmal sieht es so aus, als müssten kulturelle Veranstaltungen in ganz besonderem Maße leiden, obwohl gerade sie keine Brennpunkte des Infektionsgeschehens sind - ganz im Gegenteil. Zudem zeichnet sich ab, dass die ab morgen zu beantragenden Novemberhilfen selbst im besten Fall einen Rettungsschirm mit massiven Löchern darstellen könnten. Nicht nur für mittelbar Betroffene, denen Hilfe auf dieser Basis nur unter extrem engen Kriterien gewährt wird, sondern auch für direkt Betroffene, denen vor allem EU-rechtliche Schranken im Weg stehen könnten, auch wenn diesbezüglich unter anderem unter dem Titel "Novemberhilfe Plus" ein großzügigerer beihilferechtlicher Rahmen ermöglicht werden soll.

Die für morgen anstehenden Entscheidungen werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach eng an einer Beschlussvorlage orientieren, die eine Verlängerung des Lockdowns zunächst bis 20. Dezember und anschließende weitere Verlängerungen um jeweils 14 Tage vorsieht, bis eine "bundesweit signifikant sinkende Tendenz und Entlastung bei relevanten Indikatoren (R-Wert, Intensivkapazitäten, Gesundungsrate und Inzidenz) erreicht werden". Ein Ziel, von dem man nach dem ersten "Wellenbrecher-Lockdown" noch meilenweit entfernt ist (was angesichts der gewählten Maßnahmen und ihrer Umsetzung auch in keiner Weise überraschen kann, Anm.d.Red.).

Abgesehen von den während einer weiter verlängerten Schließungszeit auflaufenden, massiven Verlusten während der ansonsten stärksten Kinozeit des Jahres droht den Kinos somit zusätzlich massive Planungsunsicherheit - und was das bedeutet, hat der Weg aus dem ersten Lockdown bereits eindrucksvoll gezeigt. Dementsprechend hat sich der HDF Kino mit einem eindringlichen Appell an die Bundeskanzlerin, die Minister*innen und die Ministerpräsident*innen gewandt, um wenigstens das Allerschlimmste für eine Branche abzuwenden, die (das kann man offenbar nicht genug betonen, Anm.d.Red.) nie auch nur mit einem einzigen Infektionsfall in Verbindung gebracht worden war.

Konkret heißt es in dem Schreiben im Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Sehr geehrter Herr Bundesminister, Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten,

nach dem bisherigen Stand des Beschluss-Entwurfs, der als Grundlage Ihrer nächsten Sitzung am 25.11.20 dienen soll, sollen die erneuten Lockdown-Maßnahmen bis zum 20. Dezember verlängert werden und danach - je nach Höhe des Inzidenzwerts (50 oder 35) - können Einrichtungen, bei denen das durchgängige Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sichergestellt ist, wieder öffnen.

Für die Kinobranche bedeutet dies vor allen Dingen: UNSICHERHEIT! Unsicherheit in der weiteren Planung und das erneute Szenario eines "Öffnungs-Flickenteppichs", der für unsere Branche verheerend ist. Daher bitten wir Sie, am kommenden Mittwoch zwei Dinge zu berücksichtigen:

Rechtzeitige Planungssicherheit über den 20.12.20 hinaus!

Die Wiederaufnahme eines Kinobetriebes bedarf einer Vorarbeit von zwei Wochen, ein Kino kann nicht einfach aufgeschlossen werden. Neben der Rückkehr des Personals und dem Hochfahren des Betriebs benötigen wir auch Filme. Diese müssen terminiert und beworben werden und die Möglichkeit haben, über einen längeren Zeitraum hinweg im Kino zu laufen. Ein großer Film startet nur, wenn er auch eine längere Zeit der Auswertung erfahren kann. Daher ist es für die Kinos in Deutschland elementar, dass Sie bereits am 06.12.20 entscheiden, wie es für unsere Branche über die Weihnachtszeit hinaus weitergeht. Eine Planung für so kurze Zeiträume wäre für die Branche der letzte Stoß in den Abgrund.

Bundeseinheitliche Öffnungen - kein Flickenteppich

Die Herzstücke unserer Kinobetriebe sind die Spielstätten und die Filme. Wir können auch ältere Filme zeigen, dennoch benötigen wir als Zugpferde auch zwingend Neustarts. Zum Glück haben wir die deutschen Verleiher auf unserer Seite und Filme wie "Kaiserschmarrndrama" oder "Wunderschön" warten auf die Öffnung. Diese Filme können aber nur starten, wenn sie eine flächendeckende Kinolandschaft vorfinden. Deshalb appellieren wir an Sie, die Kinos nicht ein zweites Mal mit einer vollkommen intransparenten Ausgangslage zu konfrontieren, die überall im Bundesgebiet unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Öffnungen der Kinos vorgibt. Wir wissen, dass Sie zurzeit sehr schwere Entscheidungen zu treffen haben! Für unsere Kinos ist es allerdings lebenswichtig, dass die oben angesprochenen Themen in der weiteren Planung zwingend berücksichtigt werden, damit unsere ohnehin bereits am Boden liegende Branche eine Chance hat, überhaupt zu überleben."