Anzeige

Produktion

Preview: "Black Beauty" auf Disney+

Am 27. November startet mit "Black Beauty" erstmals eine nagelneue Produktion der Constantin Film auf Disney+. Hier unsere Besprechung.

23.11.2020 18:02 • von Thomas Schultze
"Black Beauty" ganz neu, fürs Familienpublikum im Hier und Jetzt (Bild: Disney+)

Anzeige

Am 27. November startet mit "Black Beauty" erstmals eine nagelneue Produktion der Constantin Film auf Disney+. Hier unsere Besprechung.

In die Jetztzeit verlegte Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers über die Freundschaft eines Mädchens zu einer wilden Mustangstute.

Die Zehnjährige neben mir war angetan, fand die Hauptdarstellerin toll, war von dem titelgebenden Pferd begeistert und ließ sich den Filmspaß nicht einmal von der Filmmusik verderben ("War doch gar nicht so schlimm!"). Der Erwachsene neben der Zehnjährigen hatte nicht so viel Vergnügen: Er rollte häufig mit den Augen, konnte den im Original von Kate Winslet aus der Sicht des Pferdes eingesprochenen Texte wenig abgewinnen und konnte die Musik, die sich in einer Mischung aus esoterischer Meditationsmucke, Klaviergeklimper und Fahrstuhlmuzak wie Pampe über den ganzen Film legte, schwer ertragen. Das Missfallen mag auch daherkommen, dass der Erwachsene mit der britischen Serie aus den Siebzigerjahren großgeworden ist und vor allem noch Christine Thompsons "Black Beauty" aus dem Jahr 1994 lebendig vor Augen hat, nicht nur einfach ein in fast allen Belangen überlegener Film, sondern überhaupt einer der ganz großen Kinderfilme der Filmgeschichte, stolz neben den ebenfalls von Warner Bros. produzierten "Der geheime Garten" von 1993 und "Little Princess" von 1995. Dass am Schluss dann doch beide, Zehnjährige und Erwachsener, Tränen in den Augen hatten und tiefst gerührt waren, mag Testament sein der unwiderstehlichen Wirkung, die die 1877 erstmals als Roman veröffentlichte Geschichte von Anna Sewell auch in einer eher schwachen Adaption entfaltet. Vielleicht versteht es der "Black Beauty" von 2020 aber auch ganz schamlos, alle Knöpfe zu drücken, mit denen man im Kino mühelos Emotion erzeugt. Wie sagte George Lucas einst, lange vor Krieg der Sterne": "Wenn du Emotion haben willst, musst du nur einem kleinen Hund den Kragen umdrehen."

Dabei muss sich Regisseurin Ashley Avis eigentlich nichts vorwerfen lassen: Ihr Film, produziert von dem ansonsten für seine Zusammenarbeit mit Paul WS Anderson bekannten Briten Jeremy Bolt, sieht prächtig aus, ist kompetent erzählt und, ja, drückt stets die richtigen Knöpfe. Dabei verlegte sie die Handlung in die Jetztzeit und machte aus dem schwarzen Hengst Beauty eine Mustangstute und aus dem Jungen Joe das Mädchen Jo. Mit ganz viel schwärmerischen Bildern wie aus den Ostwind"-Filmen von Katja von Garnier angereichert, spielt die Handlung nun in den USA, einmal quer durchs Land, und folgt in groben Zügen der bekannten Handlung: Pferd und Mädchen fassen Vertrauen zueinander, als der Pferdehof jedoch schließen muss, werden sie getrennt und es beginnt eine Odyssee für die geknechtete Kreatur von einem Besitzer zum nächsten, manche nett, manche grausam, bis die beiden Freunde fürs Leben am Ende doch wiedervereint werden können.

Mackenzie Foy, bekannt aus Disneys Der Nussknacker und die vier Reiche", in den deutschen Kinos ein Millionenhit vor zwei Jahren, ist eine ideale Heldin, wie eine amerikanische Antwort auf Hanna Binke, und Iain Glen aus Game of Thrones" an ihrer Seite legt einen Clint Eastwood à la Million Dollar Baby" hin, der sich sehen lassen kann, während Claire Forlani nur kurz auf einen Gastauftritt vorbeischaut. Spannender als der Film selbst ist ein Blick hinter die Kulissen: "Black Beauty" ist eine ursprünglich fürs Kino realisierte Produktion von Constantin Film, startet nun aber sogar mit dem Disney+-Signet vor der Titelkarte bei dem Streamingdienst, wo sie hinpasst wie der Hufschlag aufs Aug und die Feiertagssaison als eine Hauptattraktion bereichert - eine starke Leistung für eine deutsche Produktion, klebrige Musik hin, klebrige Musik her.

Thomas Schultze