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Festival

Sascha Keilholz: "Anspruch als Talentförderer"

Der neue Leiter des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg Sascha Keilholz zieht ein erstes, positives Fazit seiner ersten Ausgabe, die am 22. November zu Ende ging.

23.11.2020 13:43 • von Heike Angermaier
Sascha Keilholz, kaufmännischer und künstlerischer Leiter IFFMH (Bild: Florian Greiner)

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Der neue Leiter des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg Sascha Keilholz zieht ein erstes, postives Fazit seiner ersten Ausgabe, die am 22. November zu Ende ging. Er schob etliche Neuerungen an. Dazu zählen eine neue Programmstruktur, neue, dotierte Preise, ein verjüngtes Profil mit u.a. einer neuen Corporate Identity und einem auf Hochschulabsolvent*innen zugeschnittenen Marktplatz sowie Kooperationen mit den Kinos in Mannheim und Heidelberg, die in den nächsten Jahren sichtbar werden.

Sie agierten erstmals als Festivalleiter. Inwieweit konnten Sie die von Ihnen geplanten Neuerungen in der Corona-bedingten Onlineausgabe umsetzen?

SASCHA KEILHOLZ: Glücklicherweise ist es uns gelungen, Profil und Konzept auch in der Onlinevariante zu schärfen. Das wird insbesondere durch die neue Sektionsstruktur deutlich. Darüber hinaus gab es erstmals wieder einen dotierten Wettbewerb. Die sechs Preise - allen voran der mit 25.000 Euro dotierte International Newcomer Award - konnten alle verliehen werden. Dass es sich die Jurys nicht haben nehmen lassen, noch vier zusätzliche Special Mentions auszusprechen, unterstreicht, wie begeistert der neue Wettbewerb aufgenommen wurde. Mit gleich elf Debütant*innen in der Hauptsektion konnten wir auch sofort ein Ausrufezeichen für unseren Anspruch als Talentförderer setzen.

Was davon wird man in den nächsten Jahren sehen, wenn wieder normaler Festivalbetrieb möglich sein wird?

SASCHA KEILHOLZ: Die Sektionsstruktur wird bestehen bleiben: On the Rise, Pushing the Boundaries, Facing New Challenges, mit der wir die Grenzen eines Filmfestivals zur anderen Künsten öffnen, die Retrospektive und das Kinderfilmfest werden uns erhalten bleiben. Und selbst in der Online-Ausgabe wurde in diversen Formaten bereits sichtbar, wie wichtig uns der Austausch mit Filmschaffenden und Publikum ist.

Zu den neuen Preisen zählt der Rainer-Werner-Fassbinder-Preis für das beste Drehbuch. Warum ist Ihnen dieses Gewerk besonders wichtig?

SASCHA KEILHOLZ: Mit dem Namen des Autors Fassbinder verweisen wir auf die Tradition des Festivals und gleichzeitig das Potential der Mannheim/Heidelberger Entdeckungen. Viele der Filmemacher*innen in unserem Wettbewerb verstehen sich als Regisseur*innen und Autor*innen, insofern war es wichtig, auch die Kunst des Drehbuchschreibens hervorzuheben.

Mit u.a dem neuen Preis der Studentenjury und der neuen Corporate Identity versuchen Sie verstärkt jüngeres Publikum einzubinden. Ist das gelungen? Inwieweit war hier auch das Streamingangebot hilfreich?

SASCHA KEILHOLZ: Soweit wir das ablesen können, ist es uns schon gelungen, ein jüngeres Publikum zu erreichen. Was sicherlich auch mit dem Online-Format zusammenhängt. Wir sind jetzt aber vorsichtig damit, hier voreilige Schlüsse oder falsche Vergleiche zu ziehen. Grundsätzlich wollen wir ein breites filminteressiertes Publikum erreichen - gerne im nächsten Jahr vor allem in den Kinos. Allein die Bandbreite der Spielstätten und -Orte sollte uns dann dabei unterstützen, eine diverse Zuschauerschaft zu erreichen.

Wie hat das Publikum im allgemeinen die Onlineausgabe angenommen - auch im Vergleich zu den Besucher*innenzahlen der Vorjahre? Welche Reihen, Events kamen besonders gut an?

SASCHA KEILHOLZ: Auch hier kann man Zahlen eigentlich nicht seriös vergleichen. Grundsätzlich ist das Angebot sehr gut angenommen worden, insbesondere der Wettbewerb On the Rise. Da sehe ich allerdings keine eklatante Verschiebung zum Kinofestival, die Retrospektive beispielsweise wäre auch in den Kinos ein Angebot für eine besondere, spezifische Zielgruppe gewesen. Das Kinderfilmfest kommt sicherlich in einem Jahr, wo Schulen partizipieren können, nochmal deutlich stärker an. Insgesamt hatten wir rund 14.000 Zuschauer*innen. 200 Festivalpässe wurden verkauft.

Werden Sie manche der speziell für die Onlineausgabe eingeführten Praktiken auch in den nächsten Jahren nutzen? Etwa, Filme, Filmpakete auch als Stream anzubieten?

SASCHA KEILHOLZ: Das ist eine spannende Frage und deren Beantwortung für uns noch völlig offen. Was wir wissen ist, dass unser Publikum ungemein neugierig und offen ist, sich gerne von einem Film zum anderen treiben lässt. Das bestätigt uns sehr, ein Programm dieser Bandbreite anzubieten.

Was planen Sie, um die Jubiläumsausgabe des Festivals im nächsten Jahr zu feiern?

SASCHA KEILHOLZ: Wir freuen uns sehr auf das anstehende Jubiläum und planen eine ganze Reihe an Sonderformaten und Sonderveranstaltungen. Die Retrospektive wird sich mit der Geschichte des Festivals beschäftigen. Neben den 70 Jahren des Festivals gibt es ein weiteres Jubiläum - 60 Jahre türkische Migration. Da wollen wir eine Verknüpfung herstellen. Die internationale Jury werden wir noch stärker in den Fokus setzen. Zudem soll es sowohl eine weibliche als auch eine männliche Hommage geben. Vor allem aber freuen wir uns dann wieder - hoffentlich - auf Gäste aus aller Welt!

Die Fragen stellte Heike Angermaier