Kino

Cinemark öffnet sich Netflix

Nachdem sich die die drittgrößte US-Kette jüngst mit Universal auf die Möglichkeit drastisch verkürzter Fenster einigte, hat sie nun erstmals einen Netflix-Titel mit nur einwöchiger Leinwandexklusivität ins Programm aufgenommen. Unterdessen erfährt Warner weiter Lob für die Strategie bei "Wonder Woman 1984".

19.11.2020 21:43 • von Marc Mensch
Auch wenn es nur ein "Test" sein soll: Netflix-Titel sind für Cinemark nicht mehr tabu (Bild: Cinemark)

Große Kinoketten schreiben in den USA das bisherige Regelbuch weiter um: Nachdem Cinemark als drittgrößter Player gerade erst in die Fußstapfen von AMC beim Abschluss eines Deals mit Universal getreten war, gemäß dem Filme auch bei drastisch reduzierten Fenstern (wenngleich gegen Beteiligung an PVoD-Einnahmen) ins Programm aufgenommen werden, geht die Kette nun noch einen Schritt weiter - und bricht mit einem weiteren Prinzip, für das unter anderem der US-Kinoverband NATO noch im vergangenen Herbst erbittert gekämpft hatte. Damals hatte es dessen Präsident John Fithian noch als "Schande" bezeichnet, dass Netflix Martin Scorseses The Irishman" nur eine rund dreiwöchige Kinoexklusivität gewähren wollte - ein Zeitraum, der im Rahmen des Universal-Deals von kleineren Filmen sogar noch unterschritten werden kann.

Nun kommt einem Bericht des US-Branchendienstes Deadline zufolge ein Netflix-Titel mit nur einwöchigem Vorlauf vor Streaming-Start in ausgewählte Cinemark-Häuser: "The Christmas Chronicles 2", in dem (dies eine Seltenheit) das Ehepaar Goldie Hawn und Kurt Russell gemeinsam auftritt.

Deadline gegenüber bezeichnete ein Cinemark-Sprecher den Einsatz des Filmes als einen auf drei Märkte begrenzten "Test" und eine Entscheidung, die vor dem Hintergrund des aktuellen Marktumfeldes gefallen sei. Überraschenderweise kommt die Nachricht vom Einsatz des Netflix-Films, bevor Cinemark sich zur Aufnahme des parallel online startenden Wonder Woman 1984" ins Programm geäußert hat - allerdings wäre es schon eine enorme Überraschung, sollte man auf diesen Titel verzichten.

Die große Unbekannte ist aktuell Regal, denn die Konzernmutter Cineworld hielt bis zuletzt an der Strategie fest, Filme nur bei Einhaltung eines Kinofensters zu zeigen - und hält aktuell sämtliche Regal-Häuser geschlossen.

Während sich die NATO bislang nicht öffentlich zu der von Warner gewählten Strategie für das Blockbuster-Sequel äußerte, kam Lob von einem anderen US-Kinoverband - der Independent Cinema Alliance, die unabhängige Kinos vertritt. Wobei diesem Lob eine klare Prämisse vorangestellt ist - jene, dass es sich um eine Ausnahme handelt. Konkret hieß es in einem Statement: "Das Pandemie-Modell für diesen Film - das nicht für einen formellen, langfristigen Strategiewechsel des Studios bei der Herausbringung von Filmen steht - stellt sicher, dass Kinogänger 'Wonder Woman 1984' auf der Leinwand sehen können und trägt dazu bei, Weihnachten für die Kinos zu retten."