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Produktion

Lena Vurma mit Independent "Adventures"

Die aufstrebende Produzentin Lena Vurma bereitet mit ihrer Dragonfly Films die nächste internationale Produktion nach "Adventures of a Mathematician" vor, für die sie vor kurzem ausgezeichnet wurde. Für "Leonora" hat sie bereits Partner aus Mexiko und Rumänien gefunden sowie Alamode als deutschen Verleih. Und bei "Mathematician" ist ein US-Verleih an Bord gekommen.

12.11.2020 10:56 • von Heike Angermaier
Lena Vurma (Bild: Hofer Filmtage)

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Die aus der Schweiz stammende Produzentin Lena Vurma konzentriert sich mit ihrer Firma Dragonfly Films auf Independentprojekte für den internationalen Markt. Sie studierte an der DFFB, wurde 2013 für die internationale Zusammenarbeit beim Animationskurzfilm "The Little Red Papership" von der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet und 2014 für ihr Langfilmdebüt "Lost Place", einen in Deutschland spielenden Mystery-Thriller in 3D, für den No Fear Award bei First Steps nominiert. Mit dem in Delhi gedrehten psychologischen Drama "Gali Guleiyan"/"In the Shadows" feierte sie 2017 in Busan Premiere. Kürzlich wurde sie für ihre deutsch-polnisch-britische Produktion "Adventures of a Mathematician" mit dem mit 60.000 Euro höchstdotierten deutschen Nachwuchsproduzentenpreis der VGF ausgezeichnet. In der Begründung attestierte man ihr "eine erstaunliche Produzentenleistung, die erahnen lässt, dass Lena Vurma ihr Vorhaben in die Tat umsetzen wird, eine europäische Produzentin zu werden. Mit ihrem Film hat sie dies schon bewiesen."

Das historisches Drama erzählt vom jüdisch-polnischen Mathematiker Stanislaw Ulam, der in die USA emigrierte und während des Zweiten Weltkriegs und danach mit anderen Wissenschaftlern aus ganz Europa in Los Alamos an der Entwicklung der Wasserstoff- und Atombombe mitwirkte. "Adventures of a Mathematician" ist der erste, große, internationale Kinofilm, den ich als federführende Produzentin betreue. So will ich auch weitermachen", sagt Vurma und ergänzt, dass sich ihre "Koproduktionen organisch aus dem Stoff ergeben". Vor fünf Jahren optionierte sie die Filmrechte an der gleichnamigen Autobiografie Ulams und fand beim EAVE-Workshop ihre erste Koproduzentin, Joanna Szymanska von der Warschauer Shipsboy. Gemeinsam reichten sie den Stoff beim deutsch-polnischen Filmfonds ein und bekamen eine Zusage. "Das war der Kickoff für das Projekt", so Vurma, die es mit Regisseur und Drehbuchautor Thor Klein weiterentwickelte. Mit ihm, einem Kollegen von der DFFB, hatte sie bereits bei "Lost Place" zusammengearbeitet. 2017 gewann das Team den angesehenen, für Filme mit wissenschaftlichem Hintergrund gedachten TFI/Sloan Filmmaker Fund und den FilmIndependent/Sloan Producers Grant für "Mathematician". Die Alfred P. Sloan Stiftung hatte zuvor etwa "The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" über den Mathematiker und Computerpionier Alan Turing unterstützt. Im Producers Lab von Film Independent in Los Angeles trieb Vurma das Projekt weiter voran. U.a. BKM, das Polnische Filminstitut und das Medienboard unterstützten die Finanzierung. Ein halbes Jahr vor Dreh erweiterte Vurma die Koproduktion mit dem britischen Partner Mirror Productions. Die zuvor geplante Zusammenarbeit mit Kanada hatte nicht funktioniert. Auch der Hauptdarsteller wurde ausgetauscht. Für Jakub Gierszal sprang Philippe Tlokinski ein. Mit Esther Garrel besetzte man eine französische Schauspielerin für die Rolle der französischen Ehefrau Ulams. Zur internationalen Besetzung gehören außerdem u.a. der auch hierzulande hochgeschätzte Schweizer Joel Basman und der Ire Sam Keeley. Auch das Team ist international besetzt u.a. mit dem renommierten rumänischen Kameramann Tudor Vladimir Panduru. Gedreht wurde im Herbst 2018 u.a. in Berlin-Brandenburg, Lodz und New Mexico.

Weltpremiere feierte "Mathematician" im Januar 2020 beim Palm Springs International Film Festival, der Film eröffnete das Pyeongchang Friedensfestival in Südkorea, wo das Team wegen der Corona-Pandemie aber nicht vor Ort sein konnte. Angedacht waren weitere Festivals wie u.a. eine fast zeitgleiche nationale und Festival-Premiere im Kino in den drei Produktionsländern, in Cottbus, beim New Horizon Festival in Wroclaw und in Cambridge. Die Premieren im Kino mussten nun wegen der zweiten Corona-Welle verschoben werden. Eine reguläre Kinoauswertung ist für nächstes Jahr geplant, in Deutschland über Filmwelt, in Frankreich über Rezo Films und in den USA durch Samuel Goldwyn sowie in vielen weiteren Territorien. Vorstellbar wäre ein Starttermin im Kontext des im Februar auslaufenden wichtigsten atomaren Abrüstungsabkommens zwischen Russland und den USA, so Vurma.

Für Christoph Ott, Geschäftsführer von Filmwelt, ist sie bereits seit langem in der Akquise tätig. "Dadurch, dass ich seit Jahren parallel in der Akquise und als Produzentin arbeite, habe ich sehr viel gelernt", sagt Vurma. Dank der Festival- und Marktbesuche habe sie einen guten Überblick, welche Projekte gerade produziert werden und wie erfolgreich sie sich entwickeln. "Die Bereiche befruchten sich gegenseitig. Außerdem weiß ich als Produzentin ganz genau, wenn ich Filme sichte, mit wie viel Kraft und Aufwand sie entstanden sind." Vurma ist auch als Dozentin und Mentorin aktiv und ist seit diesem Jahr Programmdelegierte der Fokusreihe beim Zurich Film Festival. "Als Produzentin will ich über den Tellerrand schauen und nicht nur auf mein eigenes, aktuelles Projekt", sagt sie zu ihrem Engagement in vielen Bereichen der Branche. Sie bildet sich in Workshops weiter und knüpft dort wie auf den Märkten und Festivals Kontakte.

Mit ihrer "Filmfamilie", so Vurma und meint damit neben Klein und Herstellungsleiter, Koproduzent und DFFB-Alumni Paul Zischler von der Zischlermann Filmproduktion weitere Mitstreiter von "Adventures of a Mathematian" wie Panduru, den französischen Editor Matthieu Taponier, die polnische Kostümbildnerin Justyna Stolarz und Szenenbildnerin Felicity Good, bereitet sie derzeit ihr nächstes Kinoprojekt vor, "Leonora im Morgenlicht".

Wie "Mathematician" erzählt es von realen, historischen Figuren und Geschehnissen, hier von der surrealistischen Malerin und Autorin Leonora Carrington, die nach Paris ging, dort mit Kollege Max Ernst liiert war, der sie in "Leonora im Morgenlicht" porträtierte, und die in Mexiko ihre persönliche und kreative Freiheit fand. Der Film basiert auf dem Roman der mexikanischen Autorin Elena Poniatowska und soll als deutsch-mexikanisch-rumänische Produktion umgesetzt werden. Vurma, die auch mit das Drehbuch schrieb, lernte über das britische Weiterbildungsprogramm Inside Pictures Anfang des Jahres Cristian Nicolescu kennen, der als Koproduzent einstieg und mit der von ihm mitgegründeten Avanpost Media in Bukarest auch die Postproduktion übernehmen wird. Die mexikanische Koproduzentin Georgina Gonzalez hat Vurma durch Film Independent gefunden. Alamode wird den Film in Deutschland verleihen. Im Juli fand ein erstes Casting in London statt. Angedacht ist, im Herbst nächsten Jahres zu drehen. Vurma hofft, dass bei der Finanzierung von "Leonora" und ihren weiteren internationalen Projekten, die sie mit Dragonfly Films entwickelt, auch der VGF-Preis ein bisschen hilft. Sie fühlt sich und ihr Schaffen nicht nur durch den Preis gewürdigt, sondern freut sich auch darauf, "dass damit meine neuen Projekte noch mehr wahrgenommen werden".

Heike Angermaier