Kino

"Die Zukunft des europäischen Kinos in seiner ganzen Vielfalt steht auf dem Spiel"

Der aktuell gültige mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union, der auch die Finanzierung der Creative-Europe-MEDIA-Förderung sichert, läuft Ende des Jahres aus, ein neuer ist noch nicht beschlossen. Die FFA hat sich jetzt in einem dringenden Appell an die EU-Politiker gewandt und eine schnelle Einigung gefordert.

09.11.2020 11:04 • von Jochen Müller
Christian Bräuer, Vorsitzender des FFA-Ausschusses für internationale Zusammenarbeit und EU-Filmfragen (Bild: David von Becker)

Jährlich fördert Creative Europe MEDIA u.a. europäische Kinokoproduktionen, Games, Filmfestivals und -märkte sowie den Verleih und Vertrieb von Kinofilmen mit mehr als 100 Mio. Euro. Doch diese Förderung ist für die Jahre 2021 bis 2027 noch nicht gesichert, da der mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union, in dem auch die MEDIA-Förderung verankert ist, Ende 2020 ausläuft und aktuell noch kein neuer aufgestellt wurde - "aufgrund von politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den europäischen Institutionen", wie die FFA in einer Pressemitteilung betont.

Daher haben sich die Mitglieder des Ausschusses für internationale Zusammenarbeit und EU-Filmfragen innerhalb der FFA mit einem Appell an die Politik gewandt und eine schnelle Einigung gefordert, da es sonst ab dem 1. Januar 2021 zu einer "abrupten Einstellung der MEDIA-Förderung" käme.

"Nicht weniger als die Zukunft des europäischen Kinos in seiner ganzen Vielfalt steht auf dem Spiel", betont der Ausschussvorsitzende Christian Bräuer, der weiter erklärt: "Wir begrüßen die Bestrebungen der Kommission und auch der Bundesregierung, für den Fall eines fehlenden Budgets eine Übergangslösung zu finden. Entscheidend ist aber, dass die Meinungsverschiedenheiten jetzt überwunden werden und rasch eine Einigung zum Budget erreicht wird - erst recht vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie, die aktuell wieder der ohnehin schon hart getroffenen Filmbranche zusetzt und in weiten Teilen Europas die Kinos lahmlegt."

FFA-Präsident Bernd Neumann hält das Zusammenspiel von regionalen, nationalen und europäischen Fördermitteln für die europäische Filmindustrie für überlebenswichtig und zeichnet ebenfalls ein düsteres Bild, sollte es nicht zu einer Einigung über den mehrjährigen Finanzrahmen der EU kommen: "Ein Wegfall der europäischen Förderung würde nicht nur die Infrastruktur dauerhaft schädigen, unzählige Arbeitsplätze gefährden, sondern auch den europäischen Film insgesamt dramatisch schwächen."