Kino

"Kinobranche als Bauernopfer"

Kinomacher Hans-Joachim Flebbe will einen für ihn nicht nachvollziehbaren "Flickenteppich" an Lockdown-Maßnahmen, die gerade jene Bereiche treffen, die sich als sichere Orte erwiesen hätten, nicht hinnehmen - und kündigt Klage an. Extrem skeptisch zeigt er sich auch gegenüber den in Aussicht gestellten Hilfen.

31.10.2020 15:14 • von Marc Mensch
Hans-Joachim Flebbe (Bild: Premium Entertainment)

Es sei der "nächste Tiefschlag" für eine gesamte Branche, erklärt Kinomacher Hans-Joachim Flebbe angesichts des neuerlichen Lockdowns. Wo Kinos gerade erst wieder ihre Türen geöffnet und mit aufwändigen Hygienemaßnahmen dafür Sorge getragen hätten, dass ihre Häuser sichere Orte seien - ein Bestreben, bei dem sie nicht zuletzt Rückendeckung seitens der Wissenschaft erhielten - treffe sie die erneute Schließung nach einem ersten Lockdown, der die Branche "in ihren Grundfesten erschüttert" habe, nun "umso härter".

Auf besonderes Unverständnis bei Flebbe trifft dabei der "Flickenteppich an Entscheidungen", den er überhaupt nicht nachvollziehen könne - tatsächlich wäre aus seiner Sicht ein radikaler Lockdown eher zu akzeptieren gewesen, als Maßnahmen, die gerade jene Orte treffen, die sich als sicher erwiesen haben.

Dazu sei ergänzend aus den Ausführungen des RKI von Ende Oktober zu den Infektionsherden zitiert: "In den meisten Kreisen handelt es sich zumeist um ein diffuses Geschehen, mit zahlreichen Häufungen in Zusammenhang mit privaten Feiern im Familien- und Freundeskreis. In einigen Fällen liegt ein konkreter größerer Ausbruch als Ursache für den starken Anstieg in den betroffenen Kreisen vor. Zum Anstieg der Inzidenz tragen aber nach wie vor auch viele kleinere Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie Ausbrüche in Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Gemeinschafts- einrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen, verschiedenen beruflichen Settings sowie im Zusammenhang mit religiösen Veranstaltungen bei."

"Wir sind in unseren Filmtheatern in der Lage, für einen sicheren Besuch zu sorgen und durch unser Buchungssystem auch die Kontaktverfolgung zu gewährleisten", betont Flebbe. Gegen die Maßnahmen will er jedenfalls auch gerichtlich vorgehen - denn er sieht unter anderem die Kinobranche als Bauernopfer".

Was die versprochene staatliche Unterstützung anbelangt, ist Hans-Joachim Flebbe eigenen Worten zufolge "desillusioniert": "Wenn das genau so eine Mogelpackung ist wie die von Scholz und Altmaier großspurig im März verkündete Überbrückungshilfe, die bei den betroffenen Unternehmen gar nicht - oder nach Überwindung bürokratischer Hindernisse nur in kleinsten Dosen angekommen ist, kann man keine Hoffnung auf dringend benötigte Hilfe in dieser zweiten Lockdown-Phase setzen. Der Branche geht der Atem aus - und helfen können nun nur noch schnelle und vor allem unbürokratische Hilfspakete, um den vollständigen kulturellen Kollaps doch noch zu verhindern...".