Kino

"Kultur darf nicht zum Opfer der Krise werden!"

Mit einem eindringlichen Appell hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters dazu aufgefordert, "Einnahmeausfälle in den Kultureinrichtungen schnell, effizient und großzügig zu kompensieren und vor allem endlich eine passgenaue Förderung für die vielen Soloselbständigen zu schaffen".

30.10.2020 09:40 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Bild: Elke A. Jung-Wolff)

Geht Kulturstaatsministerin Monika Grütters etwa davon aus, dass die angekündigten neuen Hilfsmaßnahmen die Folgen des zweiten Lockdowns für die Kultur nicht im Ansatz werden abfedern können? Nun, ihr eindringlicher Appell, der sich weniger wie das Statement eines Regierungsmitglieds in diesen Tagen und eher wie der Hilferuf von Kulturschaffenden liest, legt diese Vermutung zumindest nahe. Was Grütters' Worte aber nur umso bedeutender, umso wichtiger macht - und man kann nur hoffen, dass sie gerade in dieser Situation das Ohr ihrer Kollegen ebenso hat wie über die vergangenen Jahre hinweg, in denen der Kulturhaushalt Jahr für Jahr nennenswerte Aufstockungen erfuhr.

Eine Bemerkung vorab noch: Das Wort, das man in diesem absolut zu begrüßenden Statement vermissen könnte, ist "lückenlos". Denn selbstverständlich ist auch die BKM aufgerufen, bisherige Maßnahmen kritisch dahingehend zu hinterfragen, wen sie womöglich bislang auf der Strecke ließen. Diesbezüglich wäre es sicherlich eine gute Nachricht, wenn beispielsweise - wie man im politischen Umfeld munkelt - zum Beispiel das offenbar tatsächlich aufgrund seiner Kriterien wirkungslose Zukunftsprogramm II grundlegende Änderungen erfahren würde.

Das Statement der Kulturstaatsministerin im Wortlaut:

"Ich bin in großer Sorge um die Kultur. Sie darf nicht zum Opfer der Krise werden! Leider zwingt uns die Dynamik des Infektionsgeschehens zu harten Maßnahmen. Doch bei allem Verständnis für die notwendigen neuen Regelungen: für die Kultur sind die erneuten Schließungen eine echte Katastrophe. Wir haben in den vergangenen Wochen mit sorgfältigen Maßnahmen den Neustart in der Kultur erprobt - der darf jetzt nicht in der Sackgasse enden.

Denn: Kultur ist weit mehr als Freizeit und Unterhaltung. Sie ist kein Luxus, auf den man in schweren Zeiten kurzerhand verzichten kann. Kultur ist keine Delikatesse für Feinschmecker, sondern Brot für alle. Und sie ist das notwendige Korrektiv in einer lebendigen Demokratie. Gerade das macht sie natürlich systemrelevant.

Künstlerinnen, Künstler und Kreative haben sich in der Krise von Anfang an sehr solidarisch und konstruktiv gezeigt, obwohl die Corona-Krise an ihren Lebensnerv geht. Die Kultur und die Kreativwirtschaft brauchen daher jetzt rasche Hilfen wie alle anderen Branchen auch. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern das ist vor allem eine Frage der Wertschätzung. Es geht um Tausende Kinos, Privattheater, das gesamte Bühnengeschehen, Clubs, Festivals etc. Und es geht um Millionen Beschäftigte vor und hinter den Kulissen: um Tänzerinnen und Tänzer, Filmschaffende, Bühnenbauer, Gesangstrainer, Chöre und Maskenbildner und viele andere mehr. Es geht um die Existenz für mehr als 1,5 Millionen Menschen, die in unserem Land mehr als 100 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt an Wertschöpfung beitragen und häufig als Soloselbständige arbeiten.

In der Politik gibt es viel Solidarität für die Kultur - daher gilt jetzt erst recht der Appell, Einnahmeausfälle in den Kultureinrichtungen schnell, effizient und großzügig zu kompensieren und vor allem endlich eine passgenaue Förderung für die vielen Soloselbständigen zu schaffen.

Sie alle brauchen und verdienen unsere Unterstützung und unsere Anerkennung für ihre außerordentliche Leistung für unser Gemeinwesen."