Produktion

Die Macher von "Truth Seekers": "Begeisterung für das Bizarre"

Heute startet bei Prime Video die britische Horror-Comedy-Serie "Truth Seekers", die erste Serie von Simon Peggs und Nick Frosts Produktionsfirma Stolen Picture. Wir sprachen mit den Showrunnern Nat Saunders und Jim Serafinowicz und Regisseur Jim Field Smith.

30.10.2020 12:08 • von Thomas Schultze
Nat Saunders, James Serafinowicz und Jim Field Smith eint die Begeisterung für das Horrorgenre (Bild: Amazon Prime Video)

Heute startet bei Prime Video die britische Horror-Comedy-Serie "Truth Seekers", die erste Serie von Simon Peggs und Nick Frosts Produktionsfirma Stolen Picture. Wir sprachen mit den Showrunnern Nat Saunders und Jim Serafinowicz und Regisseur Jim Field Smith.

Mit "Truth Seekers" haben Sie eine der ungewöhnlicheren Serien in diesem Jahr geschaffen. Was macht Ihrer Ansicht nach die Show besonders?

NAT SAUNDERS: Wir haben einfach all die Dinge genommen, die uns an unseren Lieblingsfilmen und -serien am besten gefallen, haben sie zusammengeworfen und einmal umgerührt. Und jetzt tun wir so, als wäre das alles auf unserem Mist gewachsen. Fakt ist, dass wir alle riesige Fans von Horror und Science-Fiction sind.

JAMES SERAFINOWICZ: Uns eint eine Begeisterung für das Bizarre. Wir sind vor dem Internet großgeworden, als man wirklich noch suchen musste, um diese Begeisterung füttern zu können. Da gab es Bücher wie "The Usborne Book of Ghosts" oder Fernsehshows wie "Arthur C. Clarke's World of Strange Powers", voller unglaublich schräger Geschichten über paranormale Geschehnisse. War wohl zu 99 Prozent erfunden, aber bei uns hinterließ das einen bleibenden Eindruck.

NAT SAUNDERS: Simon Pegg und Nick Frost sind ungefähr unser Jahrgang, sie sind mit denselben Einflüssen großgeworden. Um derlei bizarre Ereignisse - spontane Selbstentzündung, Visionen von kreischenden Totenköpfen - wollten wir eine Show spinnen, die uns die Gelegenheit gab, uns vor unseren Lieblingsfilmen und -sendungen zu verbeugen, aber gleichzeitig auch einen eigenen Dreh finden. Letzten Endes kommt es auf die Figuren an, mit denen man eine Serie bevölkert. Sie durch groteske Szenarien zu bewegen und sowohl den Horror wie auch den Humor auszureizen, war das Ziel.

Könnten Sie genauer erklären, was der eigene Dreh ist, den Sie gerade angesprochen haben?

JIM FIELD SMITH: Serien über paranormale Ereignisse sind nichts Neues. Der Unterschied ist, dass die meisten dieser Shows die Sache ernst nehmen. Unsere Geisterjäger sind aber blutige Amateure, die zwar glauben, sie brächten das nötige Rüstzeug mit, aber in Wahrheit keine Ahnung haben, worauf sie sich einlassen.

JAMES SERAFINOWICZ: Es wäre anmaßend von uns zu behaupten, wir hätten versucht, das Rad neu zu erfinden. Horror und Komödie sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil unserer Kultur. Man kann bestenfalls versuchen, mit den Bestandteilen zu spielen und auf diese Weise einen ungewöhnlichen Ton zu treffen. Als Ausgangspunkt hatten wir die gemeinsame Liebe für das Genre und übernatürliche Ereignisse sowie eine Handvoll Figuren, die wir richtig gerne mochten. Und dann mussten wir uns selbst erst einmal hineinfühlen in diese Welt, die wir schaffen wollten. Man weiß nie, ob das alles so funktioniert, wie man sich das bei den ersten Treffen ausmalt. Wir waren fasziniert, wie nahtlos sich die unterschiedlichen Bausteine zu einer homogenen Handlung verweben ließen, wie gut sich der uralte Grusel und die Poltergeister in unsere moderne Realität fügte.

NAT SAUNDERS: Das ist das generelle Thema der Show: Gestalten aus der Vergangenheit versuchen, in die Gegenwart zu gelangen. Es geht um die Verbindung des Gestrigen mit dem Neuen, das Überbrücken von Dimensionen und Welten. Oder ganz plump gesagt: Unsere Geister lernen, wie man das Internet bedient. Kontakt aufnehmen zu wollen, Nähe zu erzielen, aber daran gehindert zu werden, das ist ein Aspekt von "Truth Seekers", der geradezu unangenehm zeitgemäß ist.

Die Verbindung von Elementen des Genrekinos mit dem Profanen zieht sich durch das Schaffen von Simon Pegg und Nick Frost, beginnend mit Spaced" vor mehr als 20 Jahren.

NAT SAUNDERS: Wenn Nick und Simon etwas anpacken, dann wird diese Kombination immer eine Rolle spielen. Es ist ihr Stil, ihre Handschrift. Es ist ihr Turf, Horror und Humor auf eine anrührende, augenzwinkernde Weise zu verbinden. Für beides haben sie ein ausgeprägtes Talent, weil sie über ein unglaublich gutes Timing verfügen.

JAMES SERAFINOWICZ: Für uns war es ein echtes Privileg, auf dieses Talent zugreifen zu können. Man weiß immer, dass man darauf zurückgreifen kann. Gleichzeitig haben Nick und Simon mit "Truth Seekers" auch Neuland betreten. Es ist ihre erste narrative Fernsehserie - "Spaced" war eine Story-of-the-Week-Show, das ist etwas völlig Anderes. Sie fanden es spannend, die Möglichkeiten des Mediums auszuschöpfen, Geschichten und Figuren einmal ganz anders zu erzählen, mit anderen dramatischen Bögen zu arbeiten.

JIM FIELD SMITH: Nick und Simon sind perfekte Jedermänner. Sie verstehen es, Otto Normalverbraucher zu spielen, die niemals klein und mickrig wirken, egal wie klein und mickrig ihr Alltag auch sein mag. Das half uns bei der Ausarbeitung aller Figuren: Sie sind das Gegenteil von Superhelden, aber haben doch so viele liebenswerte Eigenheiten und Idiosynkrasien, dass man sie sofort ins Herz schließt. Unsere Figuren sehen ihre Welt mit unseren Augen: Was zum Teufel passiert mir hier gerade! Wir haben versucht, diese unerhörten Situationen beim Dreh so lebensnah wie möglich zu reproduzieren: Wir haben in verlassenen Gebäuden gedreht, haben nach Möglichkeit praktische Effekte eingesetzt.

NAT SAUNDERS: Wenn man unsere Figuren in eine Nicht-Horror-Serie setzen würde, würde man ihnen trotzdem gerne zusehen. Das war unsere Maßgabe. Sonst würde "Truth Seekers" definitiv nicht funktionieren.

Das Gespräch führte Thomas Schultze.