Produktion

Produzenten in der EU fordern mehr lokales Engagement von US-Streamern

Ein Offener Brief von europäischen Produzenten setzt sich für eine gesetzliche Verankerung ein, dass Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime mindestens 25 Prozent ihres in der EU gemachten Umsatzes auch in die lokalen Industrien investieren müssen.

29.10.2020 13:02 • von Michael Müller
Stefan Arndt gehört zu den Produzenten, die den Offenen Brief unterschrieben haben (Bild: Kurt Krieger)

Beim European Producers Club (EPC) in Paris hat sich unter europäischen Produzenten wie Pedro Almodovar, Agnieszka Holland oder Stefan Arndt eine breite Front in einem Offenen Brief gebildet. Die bislang 592 Unterzeichner fordern, dass globale Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon Prime Video mindestens 25 Prozent des in Europa gemachten Umsatzes auch wieder in die lokalen Industrien investieren müssen. Zu den Unterzeichnern gehören auch weitere deutsche Produzenten wie Margarethe von Trotta, Christoph Friedel, Gabriele Walther oder Jan Krüger.

Hintergrund ist die im November 2018 unterzeichnete European Directive of Audiovisual Media Services (AVMS), die EU-Ländern 21 Monate Zeit gab, um nationale Gesetzgebungen einzuführen, die "kulturelle Vielfalt in den audiovisuellen Medien" bewahren soll, indem die Streamingdienste verpflichtet werden, in die europäischen Länder zu investieren. Jetzt liegt die Entscheidung in den Ländern, wie sie die Gesetzgebung formulieren.

"Die weltweite Gesundheitskrise hat uns zwei Dinge gezeigt: Zum einen, dass die Nachfrage der Zuschauer von visuellen Geschichten ungebrochen ist und dass die Hauptprofiteure dieser Nachfrage natürlich die Online-Plattformen sind", heißt es in dem Brief. Die zweite Lehre aus der Pandemie sei "die Verletzbarkeit unseres europäischen audiovisuellen Sektors".

Als eines der ersten Beispiele bei der Umsetzung der AVMS trat Portugal hervor, dessen Gesetzestext den Streamingdiensten allerdings in den Augen der Kritiker einen zu großzügigen Spielraum einräumt. In Frankreich dagegen, wo einer der nächstes Gesetzesentwürfe erwartet wird, geht man davon aus, dass die Streamingdienste deutlich mehr in die Verantwortung genommen werden sollen. Bis zum kommenden Januar müssen die EU-Staaten die AVMS individuell umgesetzt haben.