Kino

Ermutigung zur Zusammenarbeit

Auch wenn die diesjährige Vergabe des Kinopreises des Kinematheksverbundes nicht gemeinsam gefeiert werden konnte, stand die Gemeinschaft der filmkulturell Engagierten doch in besonderer Weise im Fokus.

28.10.2020 10:39 • von Marc Mensch
Katharina Franck (Cinémathèque) und Sebastian Gebeler (UT Connewitz) betonten, dass der gemeinsame Preis der kollegialen Stimmung in Leipzig entspreche (Bild: Screenshot)

Es war mehr als nur eine Premiere, die die 21. Verleihung des Kinopreises des Kinematheksverbundes prägte. Die augenfälligste, unfreiwillige und bedauerliche war natürlich, dass die Pandemie die Zeremonie in den virtuellen Raum verdrängte. Wo sie aber immerhin in einer Form inszeniert wurde, die die Leidenschaft der Ausgezeichneten für ihr Metier durchaus zu transportieren wusste - unter den Online-Verleihungen sicherlich eine der charmantesten. Die andere Premiere war eine, die die Jury ausdrücklich als Ermutigung verstanden wissen will, "die Zusammenarbeit zwischen filmkulturell engagierten Kinos in Städten und Kommunen zu suchen, statt sich zueinander in Konkurrenz zu setzen".

Zum Video der Online-Verleihung

So wurde der Lotte-Eisner-Preis als Spitzenprämie für "herausragende Programmarbeit, die Maßstäbe setzt und eine begeisterte und kritische Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte und ihren Präsentationsformen darstellt" erstmals an zwei Kinos einer Stadt vergeben: Die gemeinsame Auszeichnung für das UT Connewitz und die Cinémathèque (zuvor schon Spitzenpreisträger bei den MDM-Kinoprogrammpreisen) stehe damit auch symbolisch für die gesamte alternative Kinoszene in Leipzig. Beide Kinos, so die Jury, seien nicht nur mir "exzellentem Programm" aufgefallen, sondern auch, weil sie ihren Fokus sichtlich nicht auf den Wettbewerb mit anderen legten, sondern auf vielfältige Zusammenarbeit. Der (geteilte) Spitzenpreis danke also auch dem "städtischen und künstlerischen Zusammenhalt", den die beiden Leipziger Häuser demonstrierten, der "solidarischen kulturpolitischen Haltung in einer Zeit der Differenzen". Apropos Solidarität: Diese erfährt aktuell einer der Preisträger in besonderem Maße: Denn nicht nur die Kölner Kulturszene kämpft um die Existenz des Filmclub 813, dem der Kölnische Kunstverein Anfang Oktober außerordentlich gekündigt hatte...

Die Preisträger 2020:

Lotte-Eisner Preis: UT Connewitz & Cinémathèque Leipzig

Kategorie: "Kino, das zurückblickt"

Erster Preis (2000 Euro): Metropolis, Hamburg

Zweite Preise (je 1000 Euro): Kino im Sprengel, Hannover / Filmhaus Nürnberg / Black Box - Kino im Filmmuseum, Düsseldorf / Kinothek Asta Nielsen, Frankfurt am Main

Kategorie: "Kino, das bildet"

Erster Preis (2000 Euro): Karlstorkino, Heidelberg

Zweite Preise (je 1000 Euro): Filmforum Höchst, Frankfurt am Main / CinéMayence, Mainz / Filmclub 813, Köln / Kino achteinhalb, Saarbrücken

Kategorie: "Kino, das verbindet"

Erster Preis (2000 Euro): Kino Koki, Lübeck

Zweite Preise (je 1000 Euro): Savoy, Bordesholm / Kommunales Kino Freiburg / Kommunales Kino Weiterstadt / Clubkino im Lingnerschloss, Dresden

Kategorie: "Kino, das wagt"

Erster Preis (2000 Euro): GladHouse/Obenkino, Cottbus

Zweite Preise (je 1000 Euro): Filmtheater Tivoli, Achern / B-Movie Kulturinitiative auf St. Pauli, Hamburg / Pupille Kino in der Uni, Frankfurt am Main / Zebra-Kino - Kommunales Kino Konstanz