Kino

Gericht: Warner Bros. und Barefoot Films müssen Anika Decker Auskunft geben

Das Landgericht Berlin hat im ersten Teil der Stufenklage von Anika Decker gegen Warner Bros. und Barefoot Films zugunsten der Drehbuchautorin entschieden. Beide Unternehmen müssen ihr jetzt Auskunft über die Umsätze der Kinofilme "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" auf allen Verwertungswegen geben. Gegen dieses Urteil kann noch Berufung eingelegt werden.

28.10.2020 08:33 • von Jochen Müller
Anika Decker und Til Schweiger, hier bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Jahr 2009, stehen sich derzeit vor Gericht gegenüber (Bild: imago images / Spöttel Pictures)

Das Landgericht Berlin hat der Drehbuchautorin Anika Decker einen Auskunftsanspruch gegenüber Warner Bros und Barefoot Films über sämtliche Verwertungserlöse der Kinofilme Keinohrhasen" und Zweiohrküken" gewährt. Dieses Ergebnis der mündlichen Verhandlung am 6. Oktober gab das Gericht jetzt in seiner Urteilsbegründung bekannt.

Decker hatte gegen beide Unternehmen eine sogenannte Stufenklage eingereicht und in einem ersten Schritt gefordert, Auskunft über den Umfang sämtlicher Verwertungshandlungen zu bekommen (wir berichteten). Sie habe zwar für die Drehbücher zu beiden Filmen Beträge im mittleren fünfstelligen Bereich bekommen, sei aber nicht weiter am Gewinn beteiligt worden, begründete sie diesen Schritt. Diese "angemessene Beteiligung" zu erreichen, ist der nächste Schritt der Stufenklage.

Dass es Decker nun einen Auskunftsanspruch über die gesamten Verwertungserlöse der beiden Kinofilme zubilligte, begründet das Landgericht Berlin damit, dass aufgrund des überdurchschnittlichen Erfolgs beider Filme - "Keinohrhasen" war in den deutschen Kinos auf knapp 6,3 Mio. Besucher gekommen, bei "Zweiohrküken" waren es 4,2 Mio. Besucher gewesen - "Anhaltspunkte für einen möglichen Anspruch der Klägerin auf weitere Beteiligung nach § 32a UrhG bestünden, da § 32a UrhG darauf gerichtet sei, eine ursprünglich angemessene Vergütung bei überdurchschnittlichem Erfolg nachträglich anzupassen", so die jetzt bekannt gegebene Urteilsbegründung.

Dabei müsse nicht geklärt werden, ob Decker Allein- oder Mitautorin der Drehbücher sei. Während Decker erklärt hatte, die Drehbücher allein geschrieben zu haben, betonte Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger, er habe an den Büchern mitgeschrieben und seine Firma Barefoot Films sei daher an den Erlösen zu beteiligen.

Wie das Landgericht Berlin in der Urteilsbegründung weiter betont, könnten sich die Beklagten auch nicht auf eine teilweise Verjährung der Auskunftsansprüche berufen, wie sie es getan hatten. " Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes müsse ein Kläger zur Darlegung der Anspruchsvoraussetzungen des § 32a UrhG umfassend zu den gezogenen Erträgen und ihre Verteilung auf die jeweilige Nutzungsart vortragen, und zwar auch zu solchen aus verjährter Zeit. Eine etwaige Verjährung sei daher nicht auf der jetzt entschiedenen Auskunftsstufe zu berücksichtigen", heißt es dazu in der Begründung des noch nicht rechtskräftigen Urteils, gegen das Innerhalb eines Monats nach Zugang der schriftlichen Urteilsbegründung Berufung beim Kammergericht eingelegt werden kann.