Kino

"Augenmaß bewahren!"

Auch die AG Kino-Gilde richtet sich vor der morgigen Konferenz der Ministerpräsident*innen mit Kanzlerin Angela Merkel mit einem eindringlichen Appell an die politischen Entscheidungsträger - und skizziert sowohl die Sicherheit von Kinoveranstaltungen, wie auch die drohenden dramatischen Folgen, sollte ein neuerlicher, undifferenzierter Lockdown beschlossen werden.

27.10.2020 20:30 • von Marc Mensch
Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde (Bild: David von Becker)

Während die Gerüchteküche der Hauptstadt davon ausgeht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel beim morgigen virtuellen Treffen der Ministerpräsident*innen tatsächlich auf einen Lockdown drängen wird (vor allem der Plan einer abendlichen Sperrstunde macht wohl aktuell die Runde), hat sich auch die AG Kino-Gilde als Reaktion auf das Alarmsignal der Vorverlegung dieses Treffens noch einmal mit einem eindringlichen Appell an die politischen Entscheider gewandt. Dies im Vorfeld einer Debatte, die man mit "großer Sorge" beobachte

"Sicherheit und Gesundheit gehen vor und als sozialer Ort sind wir uns unserer Verantwortung voll und ganz bewusst. Allerdings haben sich die Kinos mit konsequent umgesetzten Hygienekonzepten als besonders sichere Orte bewiesen," stellt Christian Bräuer als Vorsitzender der AG Kino-Gilde fest. "Wir appellieren daher eindringlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie die politisch Verantwortlichen, bei allen berechtigten Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus Augenmaß zu bewahren." Vor allem hoffe man, dass Kulturorte wie Kinos, Konzertsäle oder Theater "als sichere Orte von einem wie auch immer gearteten Lockdown ausgenommen werden", so das Schreiben.

"Seit der Wiedereröffnung haben die Kinobetreibenden sich als zuverlässige und verantwortungsbewusste Kulturanbieter bewährt. Sie haben die Lüftungszyklen mit maximalem Frischluftanteil erhöht, die natürliche Lüftung ausgeweitet, die Zeiten zwischen den Vorstellungen entzerrt, Plexiglaswände eingezogen, Abstandsmarkierungen angelegt und ganze Saalreihen gesperrt. Über hohe Online-Ticket-Quoten wird zudem zuverlässig und nachweisbar die Kontaktverfolgung sichergestellt", heißt es zu Maßnahmen, die ganz offensichtlich wirken.

Zu den Folgen führt der Verband der Filmkunstkinos aus: "Die Kinos wären von einer erneuten Schließungsanordnung übermäßig stark betroffen. Denn wie das Frühjahr gezeigt hat, führt die vorübergehende Stilllegung der Kinos zu großen Verwerfungen für den ohnehin schon besonders schwer getroffenen Filmmarkt. Filme, die zum Zeitpunkt der Schließung noch in den Kinos laufen, werden abgewürgt. Und für die Wiedereröffnung brauchen die Kinos und Verleiher einen Planungsvorlauf. Kurz: Der Lockdown wirkt sich im Kinomarkt stärker und länger aus als bei anderen Branchen, die deutsche Filmindustrie wäre existenziell getroffen."

Auch aus diesem Grund bitte man "eindringlich um Entscheidungen mit Weitblick". Dies bedeute auch, dass man realisierbare Regeln benötige. "Eine Begrenzung der Saalkapazität auf 50 oder 100 Besucher je Vorstellung, obwohl der Saal 500 oder 1000 Plätze und breite Sessel hat, ist nicht hilfreich. Damit kann man diese Häuser nicht betreiben. Gleiches gilt für Verzehrverbote," betont Bräuer. "Gerade in Krisenzeiten ist Kunst für eine freie, demokratische Gemeinschaft wichtiger denn je. Von daher hoffen wir, dass die Kulturorte auch in den kommenden Wochen ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe weiter wahrnehmen und so die schwierige Zeit für viele Menschen erträglicher machen können."