TV

Mediengipfel 2020: "Wir haben riesige Kreativität verspürt"

Zum Auftakt der Medientage in München haben Verantwortliche von ProSiebenSat.1, ZDF, BR und Facebook auf die vergangenen Monate der Corona-Pandemie zurückgeblickt. Die Kreativität der Mitarbeiter habe in der Situation sehr geholfen.

26.10.2020 16:42 • von Michael Müller
Moderatorin Dunja Hayali (r.) empfing drei ihrer vier Gäste im Münchner Studio (Bild: Medientage München)

Auch wenn es am vergangenen Wochenende bereits die ersten Veranstaltungen der Medientage München 2020 gab, ist heute der große Start des prestigeträchtigen Branchentreffs, der in diesem Jahr Corona-bedingt größtenteils digital stattfindet. Nach dem Grußwort vom Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Siegfried Schneider, einem Interview zwischen Moderatorin Dunja Hayali und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zu tagespolitischen Themen und der Keynote von Wolfgang Blau vom Reuters Institute for the Study of Journalism fand sich am Montag beim traditionellen Auftakts-Mediengipfel ein prominentes Teilnehmerfeld ein.

Das alles beherrschende Thema in der gut zwanzigminütigen Runde mit dem BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs, Vice President Central Europa Facebook, Angelika Gifford, ProSiebenSat1-Vorstand Wolfgang Link und dem aus Mainz zugeschalteten ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler unter der vorsichtig optimistischen Frage "Mit Post-Pandemie-Power zu neuer Blüte?" war wenig überraschend die Corona-Situation.

Hinrichs betonte, wie sich der BR in dieser Ausnahmesituation auf seine Mitarbeiter verlassen konnte. "Sie brauchen in einer Pandemie-Zeit äußersten Einsatz, das geht nicht mit Dienst nach Vorschrift", sagte Hinrichs. Die Mitarbeiter hätten vor allem für den Informationsauftrag gebrannt. Gleichzeitig fehle aber bei 2.000 Mitarbeitern im Homeoffice natürlich der persönliche Kontakt. "Auf uns kann man sich verlassen, das ist eine schöne Erkenntnis", fasste der BR-Informationsdirektor die vergangenen Monate aus seiner Sicht zusammen.

Auch der ZDF-Programmdirektor Himmler rückte die Flexibilität der Mitarbeiter in den Fokus. "Das gilt aber auch für die Film- und Fernsehbranche in Deutschland. Ich bin verantwortlich für Dokumentationen, fiktionale und auch unterhaltende Programme. Was ich da in den vergangenen sechs Monaten erlebt habe, ist wirklich erstaunlich", sagte Himmler. "Wir haben innovatives Programm, was manchmal ganz klein nur für YouTube oder die Abendschiene, aber auch große Shows in der Primetime unter schwierigsten Bedingungen gestemmt. Das zeigt, wie funktionsfähig die Sender, aber auch die Branche in Deutschland sind." Er betonte auch, dass die Glaubwürdigkeit in die deutschen Sender in der Corona-Zeit weiter gestiegen sei.

Der einen entspannten Eindruck machende ProSiebenSat.1-Vorstand Link knüpfte an das Lob seiner beiden Vorredner an die Mitarbeiter an. "Wir haben in der Vermarktung wie auch im Programm eine riesige Kreativität verspürt", sagte Link. Aus dem Homeoffice heraus hätten sie das Nachrichtenbedürfnis, aber auch das Verlangen der Zuschauer nach große Shows befriedigen können. Auf die Frage nach zurückgegangenen Werbeeinnahmen in der Pandemie sagte der ProSiebenSat.1-Vorstand: "In der Vermarktung war es auch so, dass viele Kunden, die vielleicht sogar werben wollten, keine Motive hatten. Da musste man dann sagen, wie helfen wir diese Motive zu kreieren."

Moderatorin Hayali fragte bei der Facebook-Vizepräsidentin für Zentraleuropa kritisch im Bezug auf Hassrede im sozialen Netzwerk nach. "Wir haben gerade im Bereich Hate Speech stark aufgestockt. Wir haben 35.000 Mitarbeiter, die nichts anderes tun, als unsere Plattform daraufhin anzuschauen", sagte Gifford. Zudem arbeite Facebook mit Künstlicher Intelligenz, um das Phänomen zu verringern. Auf Hayalis Nachfrage, dass das Netzwerk dem Problem aber noch nicht so nachkomme, wie man sich das wünschen würde, verwies Gifford auf die Facebook-Initiativen gegen Falschnachrichten und den Algorithmus. "Ich kann Ihnen versichern, der Algorithmus wird besser. Wir haben auch für Sie als Nutzerin oder Nutzer über Tools eine gewisse Transparenz geschaffen", sagte Gifford. Letztlich sei Facebook aber auch eine Plattform, die Menschen eine Stimme geben und vernetzen solle.

Auf die Konkurrenz durch Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ angesprochen, sagte der ZDF-Programmdirektor Himmler: "Wir haben noch nie als Öffentlich-Rechtliche gedacht, dass wir Hollywood imitieren könnten. Was die genannten Dienste anbieten, ist in erster Linie Unterhaltung. Unser Job ist es, ein komplettes Portfolio mit Information, Dokumentation, Reportagen, Shows und Unterhaltungsprogrammen zu bieten. Bei den fiktionalen Programmen konkurrieren wir natürlich insbesondere mit Netflix und auch mit Amazon. Da müssen wir schauen, dass wir aus dem deutschen und europäischen Markt heraus Qualität auch für Zielgruppen anbieten, die man in den letzten Jahrzehnten vielleicht zu wenig bedient hat - auch weil wir uns auf die Serien aus den USA zu sehr verlassen haben." Himmler will intelligente fiktionale Unterhaltung, die auch Wertevermittlung mit sich bringt.