Produktion

Wunderwerk animiert "Yakari" und "Olchis"

Produzentin Gisela Schäfer und Regisseur Toby Genkel sind ab morgen mit "Yakari" in den Kinos. Im nächsten Frühjahr folgt der nächste gemeinsame Animationsfilm"Die Olchis". Mehr zur Produktion und dem Family-Entertainment-Spezialist Wunderwerk lesen Sie hier.

28.10.2020 12:42 • von Heike Angermaier
Toby Genkel und Gisela Schäfer bei der Premiere von "Yakari - Der Kinofilm" (Bild: Leonine / Nils Jaspersen)

Produzentin Gisela Schäfer und Regisseur Toby Genkel sind ab morgen mit dem Animationsabenteuer "Yakari - Der Kinofilm" nach der gleichnamigen, langlebigen Comic- und TV-Serie in den Kinos. Im nächsten Frühjahr folgt der nächste gemeinsame Family-Entertainment-Titel "Die Olchis".

Schäfer und Genkel bringen jeweils über 20 Jahre Erfahrung in der Animationsbranche mit, Schäfer als Produzentin beim auf Family Entertainment spezialisierten Wunderwerk mit etwa dem Kinofilm "Ritter Trenk" oder der für den Goldenen Spatz nominierten Serie "Lieselotte" und Genkel als Autor und Regisseur von Animationsfilmen fürs Kino wie dem Mio.-Besucher-Hit nach den Brösel-Comics "Werner - Gekotzt wird später!" gemeinsam mit Michael Schaack und den beiden "Ooops"-Filmen. Schäfer wurde 2014 von der französischen Produzentin Maïa Tubiana - sie betreute u.a. eine "Garfield"-Serie und den "Titeuf"-Film - gefragt, ob sie deutsche Partnerin der Kinoadaption von "Yakari" werden wolle, die Animationsspezialist Dargaud Media plane. Die beiden wollten schon länger zusammenarbeiten. Hier passte die Konstellation. ""Yakari" ist in Deutschland und Frankreich am populärsten", so Schäfer.

Die Ende der Sechzigerjahre von Derib und Job begonnenen Comicabenteuer eines jungen Sioux werden bis heute veröffentlicht. In den Achtzigern startete eine erste Zeichentrick-Serienadaption, eine zweite folgte, die bis 2017 von u.a. der belgischen Belvision produziert wurde, die jetzt auch beim Kinofilm Partner ist, und in rund 120 Länder verkauft wurde. U.a. lief bzw. läuft sie beim Kinderkanal. Schäfer und Tubiana stellten gemeinsam die Finanzierung auf die Beine, gewannen weitere Partner und Förderer in ihren Heimatländern. Zum Budget von 8,1 Mio. Euro steuert die französische Seite etwa 50 Prozent bei.

Schäfer, die Genkel "für den besten Animationsregisseur, den man in Deutschland bekommen kann" hält, fragte ihn, ob er Regie führen wolle. Er musste nicht lange überlegen: "Es war eine tolle Herausforderung, die Comics, die ich in meiner Kindheit geliebt habe, auf die große Leinwand zu bringen und dem Stoff die Bildgewalt zu verleihen, die er verdient." Dargaud Media holte "Yakari"-Spezialist Xavier Giacometti an Bord, der bereits etliche Folgen der Serie inszenierte, und mit "Yakari" seinen ersten Kinofilm vorlegt. "Seine letzte Fassung des Drehbuches traf den Nagel auf den Kopf", so Genkel. Sie erzählt die Origin Story oder wie Genkel es ausdrückt, "wie Yakari zu dem jungen Helden wird, den man kennt", wie er seine Gabe erhält, mit Tieren zu sprechen, und wie er zu seinem Mustang und treuen Freund Kleiner Donner kommt. Natürlich habe man damit auch das Publikum im Blick, das die Figur oder deren Ursprungsgeschichte noch nicht kennt - und dass der Film Auftakt eines Franchises sein kann, so Schäfer. Über eine Fortsetzung will man sich aber erst Ende des Jahres ernsthaft Gedanken machen, wenn der Film im deutschen Kino gelaufen ist. Koproduktionspartner und Verleih Leonine startet ihn am 29. Oktober. "Ich hoffe, dass "Yakari" einen guten Start haben wird. Im Film steckt so viel Herzenswärme wie wir es gerade in dieser Zeit brauchen können", sagt Schäfer. Im französischen Kino, wo "Yakari" von Bac Films verliehen wird, verzeichnet "Yakari" seit seinem Start im August mittlerweile über 300.000 Besucher*innen. "Das ist eine starke Zahl für Corona-Zeiten", findet Schäfer, die sich bei der Premiere in Paris davon überzeugen konnte, "dass der Film und seine Balance aus Abenteuer und Humor funktioniert".

Alle Beteiligten legten bei Konzeption und Umsetzung großen Wert darauf, die Kernzielgruppe der vier bis zehnjährigen Kinder weder zu überfordern noch zu langweilen und möglichst auch die Erwachsenen mitzunehmen. "Wir wollten große Bilder - passend zur großen Geschichte von einem Kind, das alleine hinauszieht in die Natur, sich dort durchschlagen muss und als ein anderer zurückkommt", fasst Genkel Geschichte und dessen Optik knapp zusammen. Entsprechend bildet unberührte Natur in kräftigen Farben den Hintergrund für das Abenteuer, von der Steppe zur Gebirgslandschaft, mal unter stimmungsvollem Sonnenuntergangs- oder Sternenhimmel, mal bei Sturm. Wichtig war allen, dass der Kinofilm sich von der Serie abhebt. Deswegen entwickelte man nicht nur eine eigene Bildsprache, sondern ließ auch eine eigenständige Musik komponieren, band keine schon aus der Serie oder dem Musical bekannten Song mit ein. Nur die aus der Serie bekannten Sprecher*Innen wurden übernommen, um die vielen Fans nicht zu verärgern. Bereits in der Drehbuchphase wurden die Autoren der Originale eingebunden: "Wunderwerk realisiert vornehmlich Projekte nach bekannten Büchern. Wir sind es gewohnt, die Originalautoren oder Zeichner mit auf die Reise zu nehmen. Wenn man sie in den Prozess einbindet, kann man sicher sein, dass man die DNA, die Idee des Stoffes auch transportiert bekommt", so Schäfer. Das Projekt wurde in seinen unterschiedlichen Phasen immer wieder vorgelegt. "Es gab aber fast keine Änderungswünsche", so Schäfer. "Das Schlüsselwort ist Zusammenarbeit - wie beim Drehbuch auch beim Design. Wir setzten uns zusammen an einen Tisch, die Regisseure und Produzenten. Dabei stand die Marschrichtung schon fest. Es ging um Details", führt Genkel aus. Details wie, dass Yakari ein klein wenig jünger aussehen sollte als in der Serie, da es sich um die Ursprungsgeschichte handelt. "Meine Hauptaufgabe war, zusammen mit Xavier, der regelmäßig in Hamburg war, die Geschichte in Bildern zu erzählen, das Storyboard und die Animatics in Hamburg zu überwachen", so Genkel. "Sie bilden das Herzstück der Produktion", ergänzt Schäfer. Später wurden ein Großteil der Hintergründe in Hamburg realisiert, animiert wurde in Belgien, das Compositing in Düsseldorf und La Réunion gemacht, die englischen Sprachaufnahmen in Köln und die deutschen Sprachaufnahmen in Hamburg.

Schäfer und Genkel kennen sich schon länger, vertrauen einander und arbeiteten auch bei "Die Olchis" zusammen. Die animierte Familienkomödie nach der von Erhard Dietl geschriebenen und illustrierten Kinderbuchreihe ist fast fertiggestellt, im Sommer wurden die deutschen Sprachaufnahmen mit u.a. Annemarie und Wayne Carpendale als Eltern der schrägen, grünen Familie, die an ihrem neuen Wohnort nicht willkommen ist, abgeschlossen. Genkel führte gemeinsam mit Jens Møller Regie und schrieb das deutsche Dialogbuch - mit Input von Dietl. Hier spiele neben dem physischen Humor auch der Sprachwitz eine große Rolle, merkt Genkel an. "Der Film wird klasse" schwärmen Schäfer und Genkel. Wie bei "Yakari" ist auch bei "Die Olchis" Leonine Partner, die den Kinostart für Ende März 2021 planen. Weiterer Partner der Produktion sind der Verlag Friedrich Oetinger, das ZDF und M.A.R.K.13 aus Stuttgart. An der Herstellung beteiligt war ebenso die belgische Grid Animation.

Auf die Frage, wie Genkel seine Arbeit aufteile, er ist Regisseur bei drei Filmen, die kurz hintereinander in den Kinos starten, neben "Die Olchis" und "Yakari" ist das der bereits am 24. September gestartete "Ooops 2 - Land in Sicht" von Ulysses Films, antwortet er. "Der Trick ist, dass es kein Trick ist. Die Produktionsabschnitte, in denen ich intensiv beim jeweiligen Film involviert bin, liegen nicht übereinander. Bei guter Organisation kann man das wuppen". Momentan ist er vor allem mit "The Amazing Maurice" nach einer von Terry Rossio überarbeiteten Vorlage vom Erfinder der "Scheibenwelt", Terry Pratchett, für Ulysses Film beschäftigt.

Schäfer, die aus dem Live-Action-Bereich kommt, entwickelt und produziert mit Wunderwerk auch verstärkt deutschsprachige Realfilmstoffe. Sie genießt die Abwechslung und: "Bei Live Action sieht man schneller das Ergebnis." Außerdem ist deren Finanzierung weniger kompliziert als die der Animationsprojekte, die ohne internationale Partner nicht zu stemmen sind. In der Entwicklung befindet sich etwa "Das Schulgespenst" nach Peter Abraham als Live-Action-Kinofilm und Serie und "Die Rottentods" nach Harald Tonollo als Serie. Beides sind magisch angehauchte Stoffe mit einem Mädchen als Heldin. Vorangetrieben wird außerdem der berührende Stoff "Lasse, Lovis und das Leben" von Maike Rasch. Hier soll Friedemann Fromm Regie führen. Bereits in der Vorbereitung ist ein 60 minütiges Special um "Beutolomäus" für den Kinderkanal, zu dem Wunderwerk bereits eine 24-teilige weihnachtliche Hybrid-Serie realisierte und das im Winter gedreht werden soll. Der Titelheld ist CGI-animiert.