Kino

HDF plädiert für "differenzierte Beurteilung" bei Corona-Maßnahmen

Die bei der jüngsten Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschef*innen der Länder getroffenen Beschlüsse werden Maßnahmen nach sich ziehen, die auch die Kinos treffen werden. Der HDF appelliert in dieser Situation dazu, Augenmaß zu wahren - und den Kinos vor allem nicht einen "elementaren Teil" der wirtschaftlichen Grundlage zu entziehen.

16.10.2020 15:07 • von Marc Mensch
HDF-Vorstandsvorsitzende Christine Berg (Bild: HDF Kino)

Mit Überschreitung kritischer Inzidenzwerte in einer zunehmenden Zahl von Städten und Kommunen wurden Kinobetreiber bereits in den vergangenen Wochen vielerorts mit neuen, erheblichen Einschränkungen konfrontiert. Teils blieb es "nur" bei einer Maskenpflicht im Saal, teils ging diese mit einem Verzehrverbot einher - und teils wurden zusätzlich Mindestabstände vergrößert.

Die bei der jüngsten Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschef*innen der Länder getroffenen Beschlüsse sehen nun bundesweit einheitliche Maßnahmen ab einem Erreichen der Inzidenzwerte von 35 bzw. 50 vor (wir berichteten). Nicht zuletzt deshalb, weil es sich um Mindestvorgaben handelt, ist für die Branche derzeit noch unklar, was tatsächlich auf sie zukommt. Der HDF Kino plädiert in dieser Situation für eine differenzierte Beurteilung und die Wahrung von Augenmaß - insbesondere hinsichtlich eines möglichen Verzehrverbotes, dass die ohnehin dramatische wirtschaftliche Situation vieler Betriebe noch erheblich verschärfen würde.

Wörtlich heißt es in einem Statement der Vorstandsvorsitzenden Christine Berg:

"Der HDF betrachtet die aktuellen Pandemieentwicklungen wie die gesamte Branche mit großer Sorge, da wir unter Umständen mit erneuten Einschränkungen in der bereits jetzt äußerst kritischen Situation rechnen müssen.

Allerdings plädieren wir in dieser Lage unbedingt für eine differenzierte Beurteilung und ein ausreichendes Augenmaß. Sollte sich das Pandemiegeschehen zum Beispiel weniger kritisch oder sogar deutlich positiver entwickeln, fordern wir, die sich aktuell an 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern orientierenden Verschärfungen kurzfristig auch zurückzunehmen und ggf. weiter abzumildern. Dies betrifft neben der Maskenpflicht und den Personenbeschränkungen auch die Regelungen zum Mindestabstand.

Als HDF setzen wir uns unbedingt dafür ein, dass der Verzehr von Speisen und Getränken - ebenso wie in rein gastronomischen Betrieben - weiter gewährleistet sein muss. Sonst würde den Kinos ein elementarer Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlage entzogen werden. In der jetzigen Situation würde ein Getränke- und Speisenverbot die finanziellen Schwierigkeiten der Kinos noch weiter verschlimmern und mögliche Insolvenzen beschleunigen. Das kann nicht das Ziel sein.

Auch wenn die pandemischen Entwicklungen nicht unbedingt dazu beitragen, sich einen goldenen Kinoherbst vorzustellen, möchten wir unseren Appell an die Verleiher noch einmal bekräftigen und dafür werben, uns weiterhin mit einem ausreichenden Filmangebot zu unterstützen. In Anbetracht sämtlicher gestrichener Blockbuster freuen wir uns über das starke Engagement des deutschen (und europäischen) Films und hoffen darauf, dass neben den bereits gemeldeten Starts noch weitere positive Signale folgen werden. Nur so können wir unserer gemeinsamen Branche über diese Krise hinweghelfen."

Gegenüber seinen Mitglieder erklärte der HDF zusätzlich, sich bei den Ministerpräsident*innen darüber hinaus auch dafür einzusetzen, dass Kinos von etwaigen Sperrstundenregelungen ausgenommen werden; zudem werde man Handreichungen vorbereiten, mit denen sich Kinos an die kommunal zuständigen Behörden richten könnten. Grundsätzlich zeigt man beim HDF wenig Verständnis dafür, dass nun auch Kinos mit neuen Beschränkungen belegt werden sollen, nachdem sie über Monate hinweg bewiesen haben, dass sie sichere Orte sind.

Im Sinne der im Beschluss angekündigten zusätzlichen Hilfen will sich der HDF unterdessen noch einmal explizit an das Wirtschaftsministerium wenden, um dort noch einmal nachdrücklich auf den hohen Bedarf der Branche als einer der Hauptbetroffenen hinzuweisen.